Mit einer politischen Forderung an Bundesrätin Simonetta Sommaruga für ambitionierte Klimaziele sowie einem Appell an die Eigenverantwortung hat die Ökumenische Kampagne erneut für das Thema Klimagerechtigkeit sensibilisiert.

Luzern/Zürich, 18. April 2022. Mit einer politischen Forderung an Bundesrätin Simonetta Somma-ruga für ambitionierte Klimaziele sowie einem Appell an die Eigenverantwortung hat die Öku-menische Kampagne erneut für das Thema Klimagerechtigkeit sensibilisiert. Die Kernbotschaften der Entwicklungsorganisationen HEKS, Fastenaktion und Partner sein gehen einher mit denen des neuesten Berichts des Weltklimarats (IPCC).

Die Schweiz darf aus Sicht der Klimagerechtigkeit bis 2050 kein CO2 mehr ausstossen. Da dies offensichtlich weiterhin geschehen wird, fordert die Ökumenische Kampagne zum sofortigen Handeln auf. «Klimagerechtigkeit bedeutet, dass Länder, die die Hauptverursacher der Klimaerwärmung sind, Verantwortung für die globalen Folgen und Schäden des Klimawandels übernehmen», sagt Stefan Salzmann, Verantwortlicher Klima- und Energiepolitik bei Fastenaktion. Die Schweiz solle daher in einem neuen CO2-Gesetz das Netto-Null-Ziel bis 2040 auf einem mindestens linearen Absenkpfad festhalten, sowie konsequent aus fossilen Energieträgern aussteigen. Schweizweit wurden für diese Forderung im Rahmen einer Petition schon etliche Unterschriften gesammelt, die Aktion läuft noch immer. Die Klimakrise ist akut, dies zeigen die zwei neu erschienenen Kapitel des IPCC-Berichts 6. Dieser unterstreicht die Dringlichkeit, den weltweiten CO2-Ausstoss zu reduzieren, aus fossilen Energieträgern auszusteigen und erneuerbare Energien zu fördern. Der weltweite CO2-Ausstoss steige stetig an und der Gesamtplan der internationalen Klimapolitik leite die Welt auf einen Weg mit einem Temperaturanstieg bis zu 2.7 °C – mit verheerenden Folgen.

Breite Unterstützung bei der Kampagne

„Das grosse Engagement von Kirchgemeinden, Schulklassen und Freiwilligen hat uns begeistert“, so Elke Fassbender, Kampagnenleiterin HEKS. Es wurden zahlreiche Suppentage organisiert, über 70‘000 Rosen verkauft, und mit kreativen Ideen wurde für das Thema Klimagerechtigkeit sensibilisiert. Ein grosser Erfolg war auch das „Escape-Spiel“, welches für die Jugendarbeit zur Verfügung gestellt und rege genutzt wurde. Dieses bietet Jugendlichen einen spielerischen Zugang zu verschiedenen Aspekten der Klimagerechtigkeit, Energieeffizienz und der erneuerbaren Energien, mit denen sie sich im Anschluss vertiefter auseinandersetzen können. Dies schärft das Verantwortungsgefühl für Klimathemen schon in jungem Alter, denn alle können mit ihrem Handeln ihren Fussabdruck reduzieren. Dies wurde mit dem Kampagnensujet aufgezeigt: Die übervolle Badewanne mit Warmwasser auf der einen Seite symbolisiert unser Konsumverhalten im Norden, die Konsequenz davon ist auf der rechten Seite sichtbar – ein sich aus einer Überschwemmung rettender Mann, was für die verschiedenen Klimakatastrophen und das daraus resultierende Leid steht. „Es geht nicht darum, den Leuten das Baden zu verbieten, sondern darum, sie zu sensibilisieren, zum Reflektieren anzuregen und zu einer Verhaltensänderung zu bewegen“, meint Matthias Dörnenburg, Kampagnenleiter Fastenaktion, zum Kampagnensujet.

Weitere Informationen und Material zum Download:

Auskünfte:

  • Selina Stadler, Kommunikation Ökumenische Kampagne Fastenaktion; +41 41 227 59 22;
  • Lorenz Kummer, Medien und Campaigning HEKS; +41 79 489 3824;
Am Samstag, 26. März, verkauften Freiwillige vielerorts Rosen für Projekte von HEKS, Fastenaktion und Partner sein. Zu jeder duftenden gibt es auch eine digitale Rose: Auf der Webseite «Give a Rose» kann diese zusammen mit einer Widmung verschenkt werden.

Zürich/Luzern, 21. März 2022. Am kommenden Samstag, 26. März, verkaufen Freiwillige vielerorts Rosen für Projekte von HEKS, Fastenaktion und Partner sein. Zu jeder duftenden gibt es auch eine digitale Rose: Auf der Webseite «Give a Rose» kann diese zusammen mit einer Widmung verschenkt werden.

An über 500 Orten in der ganzen Schweiz findet am 26. März 2022 der traditionelle Rosenverkauf im Rahmen der Ökumenischen Kampagne statt. Viele Freiwillige bieten Rosen für eine symbolische Spende von fünf Franken an und informieren über die Arbeit von Fastenaktion, HEKS und Partner sein. Über 70’000 Rosen sind bestellt worden, das sind fast wieder so viele wie vor der Corona-Pandemie.

«Wir sind sehr erfreut, dass so viele Kirchgemeinden und Pfarreien mitmachen», sagt Maggie Pfister, Bereichsleiterin Kommunikation bei Fastenaktion, «und dies, obschon die Situation mit Corona immer noch unsicher ist». Genau deswegen setzen die drei Entwicklungsorganisationen auch auf die Website «Give a Rose»: Zu jeder verkauften Rose gehört ein Gutschein, mit dem zusätzlich eine virtuelle Rose verschenkt werden kann.

Jede Rose bereitet dreifach Freude: Erstens, weil der Erlös an Projekte von HEKS, Fastenaktion und Partner sein geht. Zweitens, weil fair produzierte und gehandelte Max Havelaar-Rosen verkauft werden. Die Fair-Trade-Prämie kommt direkt den Mitarbeitenden auf den Rosenfarmen zugute. Und drittens, weil jede verschenkte Rose – ob duftend oder digital – die Empfängerin oder den Empfänger glücklich macht.

Die Ökumenische Kampagne macht dieses Jahr erneut auf die Klimakrise aufmerksam. Unter dem Motto «Klimagerechtigkeit – jetzt!» lassen die Entwicklungsorganisationen Menschen aus Afrika, Asien und Lateinamerika zu Wort kommen, die von den Folgen der Klimaerhitzung berichten. Und sie fordern Bundesrat und Parlament mit einer Petition dazu auf, endlich griffige Massnahmen gegen die Klimakrise zu erlassen.

Weitere Informationen und Material zum Download:

Auskünfte:

  • Selina Stadler, Kommunikation Ökumenische Kampagne Fastenaktion; +41 41 227 59 22;
  • Lorenz Kummer, Medien und Campaigning HEKS; +41 79 489 3824;
Die Klimakrise ist akut. Am stärksten betroffen sind Menschen im globalen Süden, die am we-nigsten zum Klimawandel beitragen. Das ist ungerecht.

Medienmitteilung

Energieverschwendung führt zu Überschwemmungen

2. März 2022, Luzern/Zürich. Die Klimakrise ist akut. Am stärksten betroffen sind Menschen im globalen Süden, die am wenigsten zum Klimawandel beitragen. Das ist ungerecht. Während viele Menschen keinen Zugang zu «sauberer» Energie haben, verbrauchen wir im Norden zu viel Energie. Dieser Überkonsum ist einer der grössten Treiber der Klimakrise, die zu Hunger und Armut bei den Menschen im globalen Süden führt. Länder wie die Schweiz, die über ihre Ver-hältnisse leben, müssen daher mehr für den Klimaschutz tun und ihren CO2-Ausstoss verrin-gern. Darum fordern Fastenaktion, HEKS und Partner sein in der Ökumenischen Kampagne 2022 mehr Klimagerechtigkeit.

Würden alle Menschen der Welt so konsumieren wie wir in der Schweiz, bräuchten wir mehr als drei Erden. Wir haben jedoch nur diese eine, und die gilt es zu beschützen. Deshalb fordert die Ökumenische Kampagne für die Schweiz die Reduktion des CO2-Ausstosses auf Netto-Null bis 2040. Die Energieproduktion ist weltweit für rund 70 Prozent des CO2-Ausstosses verantwortlich. Wir können und müssen unseren Energieverbrauch reduzieren – einerseits durch einen bewussteren und nach-haltigeren Konsum, andererseits durch den Umstieg auf erneuerbare Energien. Dafür braucht es ein Umdenken auf individueller Ebene sowie konkrete politische Vorgaben.

Die Forderung «Klimagerechtigkeit-jetzt» der Ökumenischen Kampagne 2022 von Fastenaktion, HEKS und Partner sein will für Klimaschutz, Alternativenergie und Eigenverantwortung sensibilisie-ren. Dies geht Hand in Hand mit den grundsätzlichen Themen der Organisationen, wie die Verteidigung der Menschenrechte, die Überwindung der Armut oder das Recht auf Nahrung. Wir haben das nötige Wissen, die Technologien und die Ressourcen zur Umstellung auf erneuerbare Energien. Fastenaktion und HEKS fördern dies mit ihren Projekten. Die Umstellung darf jedoch keinesfalls auf Kosten der Ärmsten geschehen, sondern muss sozial und ökologisch verträglich sein.

Globale Zusammenhänge erkennen und handeln

«Mein Haus wurde überschwemmt», berichtet eine Frau aus Indonesien; «wir haben immer weniger Wasser» ein Mann aus Kolumbien. So gegensätzlich die Aussagen der Betroffenen auch scheinen, so ähnlich sind sie in ihrem Ursprung. Der Klimawandel zeigt sich besonders verheerend in den Projektländern der drei Organisationen. Zu viel oder zu wenig Regen, Überschwemmungen, Taifune, Dürren – solche extremen Wetterereignisse führen dazu, dass die betroffene Bevölkerung mit Hunger und Armut zu kämpfen hat. Um diese Entwicklung zu stoppen, muss der globale Temperaturanstieg auf 1.5°C beschränkt bleiben – so wie im Pariser Klimaabkommen vereinbart. Deshalb beziehen Fastenaktion, HEKS und Partner sein mit der Ökumenischen Kampagne auch politisch Position und fordern Parlament und Bundesrat auf zur raschen Revision des CO2-Gesetzes.

Weiterführende Unterlagen:

Auskünfte:

  • Selina Stadler, Kommunikation Ökumenische Kampagne,
    , 041 227 59 22
  • Lorenz Kummer, Medien und Campaigning, HEKS,
    , 079 489 3824
In einigen Regionen der Welt sind die Grenzen der Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel bereits erreicht. Zu diesem alarmierenden Schluss kommt der heute veröffentlichte Bericht des Weltklimarats (IPCC). Besonders betroffen sind Menschen im globalen Süden, die wenig zur Klimakrise beigetragen haben. Die Entwicklungsorganisationen Fastenaktion und HEKS fordern deshalb dringend mehr Klimagerechtigkeit.

28. Februar 2022, Zürich/Luzern. In einigen Regionen der Welt sind die Grenzen der Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel bereits erreicht. Zu diesem alarmierenden Schluss kommt der heute veröffentlichte Bericht des Weltklimarats (IPCC). Besonders betroffen sind Menschen im globalen Süden, die wenig zur Klimakrise beigetragen haben. Die Entwicklungsorganisationen Fastenaktion und HEKS fordern deshalb dringend mehr Klimagerechtigkeit.

Der Umfang des IPCC-Berichts ist gigantisch, die Ergebnisse einmal mehr alarmierend: Rund 270 internationale Klimaexpert:innen haben über 34 000 wissenschaftliche Publikationen ausgewertet und auf dieser Grundlage den 2500 Seiten starken zweiten Teil des sechsten IPCC-Berichts erstellt. Darin geht es um die Folgen des Klimawandels für Natur und Menschen und um die Anpassungen, die nötig sind, um das Leben auf der Erde im Gleichgewicht zu halten.

Der neueste Bericht des Weltklimarats macht deutlich: «In Armut lebende Menschen sind nicht in der Lage, sich ausreichend an die Klimaerhitzung anzupassen. Das gefährdet ihre Versorgung mit Nahrungsmitteln. Hier sind die Verursacher:innen der Klimakrise in der Pflicht. Sie müssen Unterstützung bieten», erklärt Stefan Salzmann, Programmverant-wortlicher für Klimagerechtigkeit und Klimapolitik bei Fastenaktion, der zum Bericht einen Blogbeitrag verfasst hat. Quer über die 18 Kapitel des Berichts wird klar, wie gross die Herausforderungen sind: Die Klimaerhitzung ist so weit fortgeschritten, dass gewisse Regionen sich bereits jetzt nicht mehr an die Folgen dieser Krise anpassen können.

Eine Frage der Gerechtigkeit

Es sind vor allem Menschen im globalen Süden, die zunehmend in ihrer Existenz bedroht sind. Dies bestätigt Judith Macchi, Themenverantwortliche für Klimawandel und Resilienz bei HEKS: «Wir erleben es derzeit im südlichen Äthiopien. Eine Dürre alle zehn Jahre war dort früher normal. Nun aber häufen sich diese Extremwetter-Ereignisse. Aktuell kämpfen die Menschen mit der dritten Dürre seit 2012, und es gelingt ihnen nicht mehr, sich von einem zum nächsten Dürreschock zu erholen.»

Das Beispiel Äthiopien führt vor Augen, dass Menschen die Folgen einer Krise ausbaden müssen, die sie nicht mitverursacht haben. Im neuen Positionspapier zum Thema Klimagerechtigkeit definiert HEKS, was es unter diesem Begriff versteht und wie es in seinen Projekten Menschen rund um den Globus in ihrem Kampf gegen die Folgen der Klimaerhitzung unterstützt. Dazu kommen Forderungen für eine klimagerechte Welt. «Wir verlangen, dass der Klimawandel nicht nur als umwelt-, sondern auch als sozial- und menschenrechtspolitisches Problem angegangen wird», so Macchi. «Deshalb engagieren wir uns für den Schutz der Rechte der Schwächsten und eine gerechte Verteilung der Kosten und Lasten des Klimawandels.»

Ökumenische Kampagne

In der Schweiz rücken Fastenaktion und HEKS das Thema Klimagerechtigkeit durch die Ökumenische Kampagne ins Bewusstsein. Die diesjährige Kampagne, die am 2. März beginnt, thematisiert im Rahmen des vierjährigen Kampagnenzyklus «Klimagerechtigkeit-jetzt! die Energieverschwendung in wohlhabenden Ländern wie der Schweiz, während viele Menschen in Ländern des globalen Südens keinen Zugang zu verlässlicher und sauberer Energie haben. Konkret fordern die Entwicklungsorganisationen Bundesrat und Parlament zur raschen Revision des CO2-Gesetzes auf – mit dem Ziel, den CO2-Ausstoss der Schweiz bis 2040 auf Netto Null zu reduzieren.

Auskünfte:

  • Lorenz Kummer, Medien und Campaigning HEKS; +41 79 489 3824;
  • Stefan Salzmann, Klima- und Energiepolitik, Fastenaktion; , +41 41 227 59 53
Mischa von Arb. © Manu Friederich

Das Kampagnenplakat für die diesjährige Ökumenische Kampagne von HEKS und Fastenaktion polarisiert. Im Vordergrund stehen zwei Menschen beim Grillspass. Auf den ersten Blick wirkt alles normal. Doch der Schattenwurf zeigt abgebrannte Baumstümpfe. Der Text «Weniger Fleisch – mehr Regenwald» akzentuiert die Aussage. Damit zeigt das Plakat die Schattenseite unseres Konsums. Weshalb diese Aussage? Mischa von Arb ist Koordinator der Ökumenischen Kampagne und gibt Aufschluss.

«Die Kampagne hatte zum Ziel, das Thema Klimagerechtigkeit von einer abstrakten Frage, die uns scheinbar nichts angeht, zu einer ganz persönlichen, emotionalen Auseinandersetzung zu machen. Damit steht das Plakat auch in der katholischen Fastentradition. Seit Jahrhunderten wird in der Fastenzeit auf etwas verzichtet. Dies aber nicht im Sinne einer «Diät», sondern im Sinne der Solidarität und der Frage, was jeder Mensch selber zu einer gerechteren Welt beitragen könnte.

Das Thema Fleischkonsum eignet sich gut dafür. Das Plakat macht eine Verbindung von industrieller Fleischproduktion zum Regenwald. Partnerorganisationen von HEKS und Fastenaktion aus Afrika, Lateinamerika und Asien berichten über die gravierenden Auswirkungen des Landbedarfs für die weltweite Futtermittel- oder Fleischproduktion: Regenwälder werden abgebrannt, und der Zugang zu Land für lokale Gemeinschaften – also auch für Bäuerinnen und Bauern – wird bedroht.

In den letzten Jahren hat sich der Konsum hierzulande zu den «edlen Stücken» hin entwickelt. Wollen wir Foodwaste vermeiden und einen ethischen Konsum befördern, geht es nicht zuletzt auch darum, das ganze Tier zu nutzen. Fakt ist aber auch: Die Produktion von nicht-tierischen Kalorien braucht bedeutend weniger Energie, Input und Land. Deshalb leisten wir mit «weniger Fleisch» einen konkreten Beitrag für mehr Ernährungs- und Klimagerechtigkeit in der Welt.

Bewusst konsumieren

In der Kampagne ging es deshalb nie um die Forderung «kein Fleisch», sondern um weniger und bewussten Konsum. Damit sollen die Konsumierenden über die «Fleischfrage» hinaus dazu angeregt werden, vermehrt lokalen und saisonalen Produkten den Vorrang zu geben. HEKS und Fastenaktion setzen sich seit Jahren für lokalen, saisonalen und umweltschonenden Konsum ein. Denn bewusster Konsum dient auch unserer Landwirtschaft.

Was sagt uns das Plakat in Bezug auf die Klimagerechtigkeit? Der Schlüssel ist auch hier wieder der Schattenwurf des Bildes. Würden alle Menschen auf der Erde in der gleichen Weise wie Frau und Herr Schweizer konsumieren, würden wir weit mehr als drei Planeten Erde benötigen. Nehmen wir den Anteil an CO2 dazu, den wir für unseren Konsum importieren, wird der Abdruck noch grösser. Wir haben die Möglichkeiten, unseren Fussabdruck zu verringern und damit einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreicht werden. Der Gerechtigkeitsaspekt liegt darin, dass die industrialisierten Länder seit Jahren weit mehr zur Klimaerwärmung beigetragen haben als Menschen im Kongo, Guatemala oder Indonesien.

Ja, das Kampagnenplakat für die diesjährige Fastenkampagne polarisiert und spitzt zu. Es zeigt die Schattenseite unseres Konsums – und es weckt Emotionen. Wenn das Plakat dazu anregt, darüber zu diskutieren, oder kleine Verhaltensänderungen zu erreichen, dann hat es bereits einen Teil der gewünschten Wirkung erreicht.»

Aufschluss zum Soja-Anteil in der Schweizer Landwirtschaft gibt die Studie der ZHAW vom Institut für Umwelt und natürliche Ressourcen Wädenswil.

Das Kampagnenplakat der Ökumenischen Kampagne 2021:

Das Kampagnenplakat zeigt Schattenseiten - exemplarisch an übermässigem Fleischkonsum, für den Regenwald gerodet wird.

5. April 2021, Bern/Luzern. Die Ökumenische Kampagne «Klimagerechtigkeit – jetzt!» von HEKS und Fastenaktion führte zu überdurchschnittlich vielen Reaktionen, negativen wie positiven. Die Klimagerechtigkeit wird die Debatte und die Tätigkeit der Entwicklungsorganisationen auch in den nächsten Jahren prägen.

Besonders bewegt habe das Kampagnenplakat, sagt Matthias Dörnenburg, Kampagnenleiter von Fastenaktion. Es steht exemplarisch für übermässigen Fleischkonsum, der Regenwald zum Verschwinden bringe und damit die Klimakrise vorantreibe. «Wir wollen weltweite Zusammenhänge aufzeigen, welche Auswirkungen unsere Entscheidungen für Menschen im globalen Süden haben, bei den Ärmsten, die bereits jetzt stark unter den Folgen des Klimawandels leiden» so Dörnenburg. Ein bewusster Konsum von Nahrungsmitteln bedeute, regionale und saisonale Produkte zu kaufen. Dies komme auch der Schweizer Landwirtschaft zu Gute.

Rückmeldungen gab es von Pfarreien und Kirchgemeinden, aber auch von Metzgern und Bäuerinnen. «Wenn das Plakat zum Diskutieren anregt oder kleine Verhaltensänderungen zugunsten des Klimas bewirkt, hat es viel der gewünschten Wirkung erreicht», sagt Elke Fassbender, Kampagnenleiterin bei HEKS. Viele haben die Entwicklungsorganisationen aber auch dafür gelobt, den Zusammenhang von Konsumverhalten hier und Auswirkungen anderswo so klar anzusprechen.

Wegen Corona fand mehr draussen statt

Hunderte von Pfarreien und Kirchgemeinden setzten das Kampagnenthema mit viel Kreativität um – wegen Corona oftmals draussen: als Familienlehrpfad, als «Klima-Landkarte», die ökologische Initiativen und Läden in der Gemeinde aufzeigte, als Posten- oder als Sponsorenlauf per Velo. Die Suppentage, welche Menschen in der Zeit vor Ostern zusammenbringen, wurden vielerorts als Take-Away oder Heimlieferdienst angeboten.

Die Ökumenische Kampagne der Entwicklungsorganisationen dauerte vom Aschermittwoch, 17. Februar, bis Ostersonntag, 5. April 2021. Trotz der durch Corona erschwerten Rahmenbedingungen ziehen die Organisationen eine positive Zwischenbilanz: «Das Thema Klimagerechtigkeit bleibt wichtig, und wir werden dranbleiben», sagt Fassbender.

Hallau führte durch verschiedene Stationen zum Thema Klima...
Hallau führte durch verschiedene Stationen zum Thema Klima...
...in Bolligen wurden persönliche Klimaziele gesetzt....
...in Bolligen wurden persönliche Klimaziele gesetzt....
...und in Sursee half Bischof Felix Gmür beim Ausliefern der Suppe.
...und in Sursee half Bischof Felix Gmür beim Ausliefern der Suppe.

Weitere Infos:

Auskünfte:

Lorenz Kummer, Medienbeauftragter HEKS, , 079 489 3824
Matthias Dörnenburg, Leiter Kommunikation Fastenopfer, , 041 227 59 21

Logo der Aktion © Fastenopfer/ Brot für alle

17. März 2021, Luzern/ Bern. 20 Jahre ist es her, seit die ersten Max Havelaar-Rosen in die Schweiz kamen. Auch am kommenden Samstag werden 50’000 von ihnen an den Strassenaktionen von HEKS und Fastenaktion an die Leute gebracht. Freiwillige aus Pfarreien und Kirchgemeinden verkaufen sie – und neu auch 20'000 Tafeln Schokolade – zugunsten von Kleinbauernfamilien im globalen Süden. Laut den Hilfswerken eine schöne Bilanz für ein «Coronajahr».

An über 500 Orten verkaufen am Samstag, 21. März 2021, unzählige von Freiwilligen die Rosen und Schokoladentafeln. «Dass trotz der unsicheren Lage so viele Kirchgemeinden und Pfarreien mitmachen, freut uns. So können wir auch in diesem Jahr die Menschen in unseren Projekten unterstützen», sagt Mischa von Arb, Koordinator der Ökumenischen Kampagne, in deren Rahmen die Aktion durchgeführt wird. Denn die Corona-Krise hat in den Ländern des globalen Südens Hunger und Armut vielerorts verstärkt.

Der Aktionstag in Zeiten von Corona

Weil das Schenken von Rosen in Corona-Zeiten nicht immer einfach ist, wird auch auf die App «Give a Rose» gesetzt: Damit können digitale Blumen verschickt und mit einer Grussbotschaft versehen werden. Die Schokoladentafeln werden zum ersten Mal verkauft: «Damit sind die Kirchgemeinden und Pfarreien flexibler in der Gestaltung der Aktionstage und zeitlich unabhängiger», sagt von Arb.

Mit dem Verkauf zugunsten der Projekte von HEKS und Fastenaktion werden Menschen im globalen Süden unterstützt, beispielsweise, um sich besser an die Folgen des Klimawandels anzupassen, sich gegen die Abholzung des Regenwaldes zu wehren oder für ihre Rechte einzustehen.

Die Ökumenische Kampagne macht dieses Jahr denn auch auf die Klimakrise aufmerksam. Unter dem Motto «Klimagerechtigkeit – jetzt!» lassen die Entwicklungsorganisationen Menschen aus Afrika, Asien und Lateinamerika zu Wort kommen, die von den Folgen der Klimaerhitzung berichten.

Weitere Infos:

Verkaufsstandorte auf: www.sehen-und-handeln.ch/aktionstag  
App: www.give-a-rose.ch
Zum Kampagnenthema: www.klimagerechtigkeit-jetzt.ch

Auskünfte:

Lorenz Kummer, Medienbeauftragter HEKS, , 079 489 3824
Matthias Dörnenburg, Leiter Kommunikation Fastenopfer, , 041 227 59 21

Marieta Llanera, Programmverantwortliche aus den Philippinen

Bern/Luzern, 17. Februar 2021. Taifune, überflutete Küsten, Dürren: Die Klimakrise bedroht die Existenz von Millionen Menschen in Entwicklungsländern, die kaum zur Klimaerhitzung beigetragen haben. HEKS, Fastenaktion und Partner sein fordern deshalb Klimagerechtigkeit: Die Hauptverursacher der Klimakrise sollen mehr Verantwortung übernehmen – dazu gehört auch die Schweizerische Nationalbank (SNB).

Die Nationalbank hielt Ende 2019 Aktien im Wert von fast sechs Milliarden US Dollar an Firmen, die fossile Energien fördern und finanziert damit Emissionen von 43 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalent pro Jahr. Diese Emissionen sind etwa gleich hoch wie die Inlandemissionen der Schweiz. «Die SNB begünstigt mit ihrer Anlagestrategie eine Klimaerhitzung von vier bis sechs Grad», erklärt Miges Baumann, Leiter Entwicklungspolitik bei HEKS, «also weit über dem Ziel des Pariser Klimaabkommens».

Deshalb fordern Fastenaktion, HEKS und Partner sein im Rahmen der Ökumenischen Kampagne 2021 die SNB mit einer Petition auf, alle Investitionen in fossile Energien abzustossen. Dies wäre ein wichtiges Signal an den Finanzplatz Schweiz, denn die SNB ist eine der weltweit grössten institutionellen Investorinnen. Mit ihrer aktuellen Investitions-strategie steht sie zudem in Widerspruch zu ihren eigenen Anlagerichtlinien. Diese schreiben vor, dass die SNB auf Investitionen verzichten muss, die «grundlegende Menschenrechte massiv verletzen oder systematisch gravierende Umweltschäden verursachen».

«Klimagerechtigkeit – jetzt!»

Die Ökumenische Kampagne macht unter dem Motto «Klimagerechtigkeit – jetzt!» darauf aufmerksam, dass die ärmeren Bevölkerungsschichten in den Ländern des globalen Südens am meisten unter den Folgen der Klimaerhitzung leiden – ausgerechnet jene Menschen, die kaum etwas dazu beitragen. So sind die ärmeren 50 Prozent der Weltbevölkerung bloss für 10 Prozent der konsumbedingten Treibhausgasemissionen verantwortlich, die reichsten 10 Prozent aber für fast 50 Prozent. «Mehr Klimagerechtigkeit ist deshalb ein Muss und nicht verhandelbar», erklärte Stefan Salzmann, Verantwortlicher Klimagerechtigkeit bei Fastenaktion.

Auf den Philippinen hat die Klimaerwärmung zu einer starken Zunahme der Zahl und der Intensität von Taifunen geführt. «Inzwischen zählen wir 20 Wirbelstürme pro Jahr», berichtete Marieta Llanera, Kampagnengast* der Fastenaktion, «fünf davon führen zu grossen Schäden». Stark betroffen davon seien vor allem die ohnehin armen Fischerinnen und Fischer an der Küste, deren Lebensgrundlage vielerorts bedroht sei. Sie müssen nun ihre Wirtschaft umstellen und mehr auf Gemüseanbau setzen. Dies sei auch kulturell für viele Gemeinschaften ein grosses Problem.

In Indonesien mit seinen 81’000 Kilometern Küstenlinie geht die grösste Gefahr vom Anstieg des Meeresspiegels aus. «Steigt der Meeresspiegel um einen Meter an, gehen 90’000 Quadratkilometer Land verloren», warnte Yuyun Harmono, Kampagnengast* von HEKS. 23 Millionen Menschen würden in die Flucht getrieben. Auf der kleinen Insel Pari vor der Küste der Hauptstadt Jakarta sei die Klimakrise schon jetzt deutlich zu spüren. So wurde Pari 2020 gleich zweimal überflutet, was bisher noch nie vorgekommen sei. Der Klimafussabdruck der Bewohner sei minim, sagte Harmono, doch nun sei ihre Existenz bedroht – «eine extreme Ungerechtigkeit».

 *Die Kampagnengäste, die während der Ökumenischen Kampagne normalerweise in der Schweiz weilen, können dieses Jahr wegen der Corona-Massnahmen nicht einreisen. Sie beteiligen sich aber trotzdem virtuell an Veranstaltungen. Weitere Informationen finden Sie hier.

Stefan Salzmann, 
Co-Präsident Klima-Allianz Schweiz, Klimaverantwortlicher Fastenaktion, 041 227 59 53 (wird auf Handy umgeleitet), 

Miges Baumann,
Leiter Entwicklungspolitik HEKS; 079 489 3824;

Für allgemeine Fragen zur Ökumenischen Kampagne:

Matthias Dörnenburg, Leiter Ökumenische Kampagne Fastenaktion, 041 227 59 21,

Das Leben auf Klimakurs bringen

Bern/Luzern, 2. Februar 2021. Die KlimaGespräche stossen trotz der Corona-Krise auf Anklang. 2020 hat die aus England stammende Methode mehr als 200 Menschen in der ganzen Deutschschweiz dabei unterstützt, ihr Leben auf Klimakurs zu bringen und ihren CO2-Ausstoss zu reduzieren. Nun gehen die KlimaGespräche mit 27 neuen Moderatorinnen und Moderatoren an acht Orten und auch Online in die nächste Runde.

Viele Schweizerinnen und Schweizer machen sich Sorgen über den Klimawandel. Trotzdem sind die wenigsten bereit, ihren Lebensstil anzupassen und etwa auf das Auto, die Ferienwohnung, exotische Lebensmittel oder ein neues Handy zu verzichten. Dies zu ändern, ist das Ziel der KlimaGespräche. Die in Grossbritannien entwickelte Methode vereint technische und psychologische Aspekte und setzt auf die Dynamik und Unterstützung der Gruppe. Mit Erfolg: Untersuchungen zeigen, dass Menschen dank der KlimaGespräche ihren CO2-Ausstoss innert fünf Jahren um die Hälfte verringern konnten.

Die Methode wird inzwischen in zahlreichen Ländern wie Frankreich, Grossbritannien, Holland und Kanada erfolgreich angewandt. 2019 lancierten HEKS und Fastenaktion die KlimaGespräche, die vom Bundesamt für Umwelt und verschiedenen Städten und Kantonen unterstützt werden, auch in der Deutschschweiz. Im vergangenen Jahr haben mehr als 200 Personen von St. Gallen über Zürich und Basel bis ins Wallis daran teilgenommen. Zudem wurden auch vier Online-Gespräche durchgeführt.

Wer an den KlimaGesprächen teilgenommen hat, kann sich im Anschluss selber zum Moderator oder zur Moderatorin ausbilden lassen. Dank 27 neu ausgebildeten Moderatorinnen und Moderatoren sollen mit einer neuen Serie von KlimaGesprächen auch 2021 möglichst viele Personen an acht Orten in der Deutschschweiz erreicht werden. Auch Online gibt es erneut mehrere Angebote.

Information allein reicht nicht 

«Die KlimaGespräche setzen dort an, wo die Wissensvermittlung aufhört», sagt Daniel Wiederkehr, Verantwortlicher für die KlimaGespräche in der Deutschschweiz. Denn die Erfahrung der letzten Jahre zeige deutlich, dass Informationen über den Klimawandel allein nicht genügen, um Menschen zu Verhaltensveränderungen zu bewegen. «Es braucht die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema», sagt Wiederkehr. In Gruppen zu sechs bis zehn Personen und unter der Leitung von jeweils zwei ModeratorInnen analysieren die Teilnehmenden im Rahmen von sechs Gesprächsrunden die eigenen Gewohnheiten in den Bereichen Wohnen, Mobilität, Ernährung und Konsum und deren Folgen fürs Klima. Zudem setzen sie sich in den Gesprächen damit auseinander, wie sie auch ihr Umfeld für einen nachhaltigen Lebensstil sensibilisieren können.   

Gleichzeitig werden innere Prozesse wie Ängste und Motivation beleuchtet, die eine langfristige Verhaltensänderung erschweren können. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Widerständen und der Austausch in der Gruppe helfen, das Gefühl der Machtlosigkeit zu überwinden und zu einem Lebensstil zu finden, der eine langfristige Reduktion der CO2-Emissionen ermöglicht. «Die KlimaGespräche öffnen die Augen: Zusammenhänge werden klarer und ich komme auf Ideen, was ich als Einzelperson gegen den Klimawandel tun kann», fasst eine Teilnehmerin ihre Erfahrungen zusammen. «Wer etwas ändern möchte und den Dreh nicht schafft, ist hier genau richtig. Informationen und Austausch in einer guten Mischung, Ermutigung und gemeinsames Nachdenken bringen einen weiter», sagt eine andere Teilnehmerin.

 

Anmeldung und mehr Informationen: www.sehen-und-handeln.ch/klimagespraeche 

Rückfragen und Auskünfte:

  • Pascale Schnyder, HEKS; schnyder@bfa-ppp.ch; 076 562 30 88
  • Daniel Wiederkehr, Fastenaktion; wiederkehr@fastenaktion.ch; 079 402 43 28

Gedenkfeier am Trientgletscher

Luzern/Bern, 30. Dezember 2020. Am 1. Januar 2021 beginnt die Laufzeit des Klimaabkommens von Paris. In der Verantwortung stehen die Vertragsstaaten des Abkommens. Dieses erteilt jedem Land den Auftrag, nationale Klimaziele zu erlassen und diese alle fünf Jahre zu verschärfen. Die Hilfswerke Fastenaktion und HEKS verbinden mit dem effektiven Startpunkt des Abkommens auch Hoffnung.

Die Klimakrise ist schon heute vielerorts traurige Realität. So berichtete MeteoSchweiz am 21. Dezember 2020 vom erneuten Rekordwärme-Jahr. Im September 2020 wurde eine Gedenkfeier für die in der Schweiz bereits verschwundenen Gletscher gehalten. Und für viele Menschen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien ist die Klimakrise Alltag. In Armut lebende Menschen sind am stärksten betroffen, da ihnen die Mittel fehlen, sich an neue Lebensumstände anzupassen. Partnerorganisationen von Fastenaktion und HEKS berichten von immer häufigeren und stärkeren Wetterkatastrophen, welche die Existenzen in ganzen Regionen zerstören. Anhaltende Dürren gefährden das Recht auf Nahrung, steigende Meeresspiegel zwingen Menschen zur Umsiedlung. 

In den meisten reichen Ländern, wie der Schweiz, geht mit 2020 ein weiteres Jahr der kleinen Schritte zu Ende. Angesichts der Herausforderungen ist das fahrlässig, irrational und deutet auf kurzfristige Denkmuster hin. Mit jedem Jahr sinkt der Handlungsspielraum. Je später wir handeln, desto schwieriger und teurer wird der Kampf gegen die Klimakrise und ihre Folgen.  

Die Zeit drängt

Es ist bereits jetzt klar: Verschärfungen der heutigen Klimaziele werden notwendig sein, denn im Moment führen die noch nicht umgesetzten Versprechen der Länder zu einer Erwärmung zwischen 3 bis 4 Grad, statt der 1.5 bis 2 Grad, wie sie das Abkommen vorgibt. Die nationale Politik muss jetzt handeln. Und dass sie handeln kann, hat sie in der Corona-Pandemie bewiesen. Noch fehlt das Verständnis für das Ausmass der Bedrohung durch die Klimakrise, da sie schleichend fortschreitet. Die Zeit bis 2030 wird entscheidend sein – bis dahin müssen substanzielle Reduktionen der CO2-Emissionen auf globalem Niveau erreicht sein. Reichen Volkswirtschaften mit gut ausgebildeten Menschen kommt hierbei eine grosse Verantwortung zu.

So auch der Schweiz. Das revidierte CO2-Gesetz ist gut, aber nicht gut genug. Es sind dringend weitere Schritte zur Umsetzung des Abkommens notwendig, wie die Dekarbonisierung des Schweizer Finanzplatzes und den Verbrauchsstopp von fossilen Brenn- und Treibstoffen bis spätestens 2040. Damit dies möglich ist, muss das Parlament noch in dieser Legislatur handeln. HEKS und Fastenaktion fordern die Umsetzung der Gletscherinitiative in einem indirekten Gegenvorschlag auf Gesetzesebene um den Prozess zu beschleunigen. Die Schweiz und die internationale Klimapolitik sind in der Pflicht. Der 1. Januar 2021 ist hierfür ein symbolisch wichtiger Tag – denn jetzt tritt das Pariser Klimaabkommen in Kraft. Das Abkommen konsequent umzusetzen ist die Lösung für die Klimakrise und lebensnotwendig für viele Menschen auf der Welt.

Kontakt:

Stefan Salzmann, 
Co-Präsident Klima-Allianz Schweiz, Klimaverantwortlicher Fastenaktion, 041 227 59 53 (wird auf Handy umgeleitet)

Yvan Maillard-Ardenti, 
Klimaverantwortlicher HEKS, 079 380 65 73

Nein zur KVI – der Einsatz für Menschenrechte geht weiter

Fastenaktion und HEKS sind enttäuscht über das Nein der Stände zur Konzernverantwortungsinitiative (KVI). Das Volks-Ja zeigt: Für die Bevölkerung ist klar, dass Schweizer Konzerne auch im Ausland Verantwortung übernehmen müssen. Bundesrat und Wirtschaftsverbände werden nun dafür sorgen müssen, dass diesem Wunsch der Bevölkerung entsprochen wird. Das Ja der Mehrheit der Bevölkerung ermutigt die beiden Organisationen, ihre Arbeit im Bereich der Menschenrechte im globalen Süden weiterzuführen.

Als Mitinitianten der KVI sind HEKS und Fastenaktion enttäuscht über das Nein der Stände zur Initiative. Die beiden Werke sind aber überzeugt, dass sich der Einsatz für die Menschenrechte und den Schutz der Umwelt in den letzten Jahren gelohnt hat. Dies bekräftigt auch das Volks-Ja. Selten hat eine politische Kampagne so viel bewegt und zu derart intensiver Diskussion angeregt. Die breite Unterstützung von tausenden von Freiwilligen, im kirchlichen Umfeld und in der Zivilgesellschaft zeigt, was der Bevölkerung wichtig ist: eine wirtschaftliche starke Schweiz, die aber auch die Menschenrechte und den Schutz der Umwelt hochhält.

Die grosse Sensibilisierung in diesem Bereich, die in den letzten Jahren stattfand, ist klar der Konzernverantwortungsinitiative zu verdanken. Vor einigen Jahren sprachen nur wenige über Menschenrechtsverletzungen durch Schweizer Konzerne. Heute bestreitet niemand mehr, dass sich auch Unternehmen an Menschenrechte und Umweltstandards halten müssen – auch im Ausland.

Die Arbeit geht weiter

Während des Abstimmungskampfs haben der Bundesrat und die Wirtschaftsverbände immer wieder betont, dass sie das Ziel der Initiative – den Schutz der Menschenrechte und der Umwelt – voll und ganz teilen. Fastenaktion und HEKS erwarten deshalb, dass den Verlautbarungen auch Taten folgen und sich diese positiv auf die Situation für die Menschen rund um die Projekte von Schweizer Konzernen auswirken.

Das Ja der Mehrheit der Bevölkerung ist für HEKS und Fastenaktion ein Ansporn, ihre Arbeit im Bereich der Menschenrechte weiterzuführen. Die beiden Organisationen werden sich weiterhin für die Rechte der Ärmsten einsetzen, Missstände zusammen mit ihren Partnerorganisationen ansprechen und Gerechtigkeit einfordern, in der Schweiz aber auch direkt vor Ort. Denn wenn Konzerne Menschenrechte verletzen oder die Umwelt zerstören, muss dies publik gemacht werden. Profit erwirtschaften zulasten der Schwächsten der Gesellschaft darf nicht sein.

Weitere Auskünfte:

  • HEKS: Nina Burri, Verantwortliche Unternehmen und Menschenrechte, 079 489 38 24
  • Fastenaktion: Bernd Nilles, Geschäftsleiter, 079 738 97 57

Bern, 9. Juli 2020 – 250 Organisationen aus 60 Ländern rufen die Schweiz, Norwegen und Liechtenstein in einem offenen Brief dazu auf, den Ländern des globalen Südens nicht länger strenge Sortenschutzgesetze aufzudrängen, die sie selber nicht erfüllen. Diese Forderung der EFTA-Länder nach strengem Sortenschutz – eine Art Patentschutz auf Saatgut – schränkt den freien Umgang mit Saatgut drastisch zu Lasten der Bäuerinnen und Bauern im globalen Süden ein. Das Recht auf Nahrung, die Ernährungssouveränität und die agrarbiologische Vielfalt sind gefährdet.

250 Organisationen aus der ganzen Welt haben sich aus Sorge um die bäuerlichen Saatgutsysteme, die ein Garant für die agrarbiologische Vielfalt und eine unverzichtbare Ressource für die Züchtung neuer Nutzpflanzen sind, an die Regierungen der Schweiz, Liechtenstein und Norwegen gewandt. Sie verlangen, dass die Forderung nach UPOV-91-kompatiblen Sortenschutzgesetzen aus den Verhandlungsmandaten für künftige Freihandelsabkommen gestrichen werden.

Seit über zwanzig Jahren machen die Länder der Europäischen Freihandelsassoziation EFTA (Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz) in ihren Freihandelsabkommen Druck auf die Länder des globalen Südens, Sortenschutzrechte gemäss dem internationalen Übereinkommen UPOV 91 einzuführen (UPOV = Internationales Übereinkommens zum Schutz von Pflanzenzüchtungen. Die Akte von 1991 wurde von nur 19 Industrieländern des Nordens und Südafrika für ihre eigenen Bedürfnisse verhandelt). Dies hat eine unverhältnismässige Einschränkung der Rechte der Bäuerinnen und Bauern, Saatgut für die nächste Aussaat zurückzubehalten, zu tauschen und zu verkaufen, zur Folge. Und das, obwohl die Schweiz, Norwegen und Liechtenstein, diese Standards in ihrem eigenen Land nicht umsetzen. (Island hat ein nationales Sortenschutzrecht nach UPOV 91 Standards.)

Dieser «Double Standard» ist umso stossender, als in den Ländern des Südens die bäuerlichen Saatgutsysteme, die durch die UPOV-Standards in ihren Grundfesten erschüttert werden, eine viel zentralere Bedeutung für die Ernährung und Einkommenssicherung haben als in Europa. Den Ländern des globalen Südens diese Standards aufzuzwingen, die ohne ihre Beteiligung ausgehandelt wurden, ist ein neokoloniales Diktat. Die Länder sollen selbst über Gesetze und Politiken in Bezug auf Saatgut, die ihrem landwirtschaftlichen System und den Bedürfnissen ihrer Bevölkerung entsprechen, entscheiden können.

Aktuell verhandelt die EFTA ein Abkommen mit Malaysia. Im Februar 2020 standen auch intellektuelle Eigentumsrechte inklusive Sortenschutz à la UPOV 91 auf der Agenda. Es ist gerade im Fall Malaysia unverständlich, warum die EFTA-Länder auf UPOV 91 beharren. Das Land verfügt bereits über ein Sortenschutzgesetz, das in einem beschränkten Rahmen auch die Rechte der Bäuerinnen und Bauern auf Saatgut respektiert. Die «Koalition Recht auf Saatgut» hat Mitte Juni gegenüber dem Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft in einer Replik ihre Besorgnis darüber eindringlich dargelegt und dessen Argument ‘Sicherung des Wirtschaftsstandorts Schweiz’ zurückgewiesen.

Der Verzicht auf UPOV Standards in Freihandelsabkommen wäre ein bedeutender Beitrag zur Erreichung der Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung, insbesondere dem Ziel Nr. 2 (Kein Hunger) und dem Ziel Nr. 15, welches dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende setzen will.

 

Für weitere Informationen:

  • , Verantwortliche Entwicklungspolitik Saatgut SWISSAID; Tel. +41 (0)78 700 49 61
  • , Koordinator APBREBES; +41 (0)79 344 02 54
  • , Handelspolitik Public Eye; Tel. +41 (0)44 277 79 11

13.04.2020, Luzern/ Bern. Saatgut soll den Bäuerinnen und Bauern gehören, die es nutzen. Dies fordern über 2300 Menschen aus 11 Ländern in ihren Briefen ans Seco. Die Entwicklungsorganisationen Fastenaktion, HEKS und Partner sein hatten die Aktion im Rahmen der Ökumenischen Kampagne lanciert – die hohe Beteiligung übertraf alle Erwartungen.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) verhandelt aktuell mit einer Reihe von Ländern über Freihandelsabkommen. Diese Abkommen verlangen unter anderem einen strengen Sortenschutz für Saatgut. Kleinbäuerinnen und -bauern wehren sich dagegen, weil damit ihr Recht auf Saatgut drastisch eingeschränkt würde. Deshalb erhielt das Seco in den letzten Wochen rund 1300 Protestbriefe von Bäuerinnen und Bauern aus Asien, Afrika und Lateinamerika – dazu auch zahlreiche solidarische Zuschriften aus der Schweiz. Die Briefe wurden von über 2300 Menschen aus insgesamt elf Ländern unterzeichnet. «Die zahlreichen Reaktionen aus derart vielen Ländern zeigen, wie relevant dieses Thema für die Bäuerinnen und Bauern ist», sagt Tina Goethe, Expertin für das Recht auf Nahrung bei HEKS.

Das Seco hat nun mit einer offiziellen Stellungnahme reagiert. Darin anerkennt es die Sorge der Bäuerinnen und Bauern weltweit um das Recht auf Saatgut als wichtiges Anliegen und drückt Offenheit aus, «mit Partnerländern bei Bedarf individuelle Alternativlösungen zu finden». Konkrete Schritte, wie die Schweiz den Anliegen Rechnung tragen will, sind jedoch nicht ersichtlich. HEKS und Fastenaktion werden sich auch künftig dafür einsetzen, dass Schweizer Freihandelsabkommen nicht länger strenge Sortenschutzgesetze verlangen. Dies nicht zuletzt im Rahmen der neu gegründeten Saatgutkoalition, wo sie zusammen mit anderen Organisationen das Kampagnenthema «Gemeinsam für eine Landwirtschaft, die unsere Zukunft sichert» weiter verfolgen. Dazu Claudia Fuhrer, Expertin für das Recht auf Nahrung bei Fastenaktion: «Wer das Saatgut kontrolliert, kontrolliert die Nahrung. Darum ist es wichtig, dass die Kleinbäuerinnen und -bauern weiter uneingeschränkt über Saatgut verfügen können und es nicht von Agrarkonzernen monopolisiert wird.»

Covid-19 stellte Kampagne auf den Kopf

Kurz nach dem Start der Ökumenischen Kampagne Ende Februar legte die Corona-Krise das öffentliche Leben in der Schweiz lahm. Die meisten der geplanten Suppentage, Gottesdienste und Podien mussten abgesagt werden. Auch der geplante Strassenverkauf von Rosen zum Frühlingsbeginn konnte nicht stattfinden. Damit fehlt den Entwicklungsorganisationen mindestens eine halbe Million Franken für die Entwicklungszusammenarbeit. Die 80‘000 bereits bestellten Fairtrade-Rosen von Max Havelaar wurden an Altersheime und Spitäler verschenkt – eine Geste, die auf grosses Echo gestossen ist und viele Menschen berührt hat.

Die Hilfswerke entwickelten als Alternative für die Kirchgemeinden und Pfarreien in aller Eile die Aktion «Kleine Suppe mit grosser Wirkung»: Online können sie seit Mitte März Suppentüten beziehen und ihren Mitgliedern nach Hause schicken. «Wir konnten mit grossem Teamgeist schnell Alternativen bieten und so den Esprit der Ökumenischen Kampagne weitertragen», sagt Bernd Nilles, Geschäftsleiter der Fastenaktion und fügt an: «Dass mit den Ereignissen um Covid-19 zahlreiche Spendensammlungen für die Ärmsten ausfielen, ist tragisch. Einige versuchen wir im Laufe des Jahres nachzuholen.» Wie sehr die Corona-Krise die Spendeneinnahmen beeinflusst hat und wie gross die Einbrüche sind, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen.

Ein Trost in der derzeitigen Krise bleibt laut Bernard DuPasquier, Geschäftsleiter von HEKS. «Mich beeindruckt vor allem die Welle der Solidarität, die wir aktuell erleben», führt er aus und betont gleichzeitig, dass sich diese Solidarität nicht nur auf die Schweiz beschränken dürfe, aktuell sei das Engagement der Entwicklungsorganisationen im Süden besonders wichtig.

Mediendossier mit weiterführenden Unterlagen:

Auskünfte:

Gabriela Neuhaus, Kommunikation HEKS,
, 079 435 81 30

Madlaina Lippuner, Kommunikation Ökumenische Kampagne bei Fastenaktion,
, 076 307 28 77

 

Die Ökumenische Kampagne in Kürze

HEKS (reformiert) und Fastenaktion (katholisch) führen seit 1969 jährlich eine Ökumenische Kampagne in den sechs Wochen vor Ostern durch. Seit 1994 beteiligt sich auch Partner sein, das Hilfswerk der christkatholischen Landeskirche. Die Ökumenische Kampagne hat zum Ziel, die breite Öffentlichkeit für die Ungerechtigkeiten zu sensibilisieren, die weltweit zu über 800 Millionen Menschen in Hunger und Armut führen. Diese Realität zu erkennen, genügt jedoch nicht. Deshalb zeigen die drei Werke Handlungsmöglichkeiten auf: Das eigene Konsumverhalten zu verändern, Menschen in Südprojekten mit einer Spende zu unterstützen oder sich an einer Aktion zu beteiligen – so wird die Ökumenische Kampagne zum Inbegriff der gelebten Solidarität.

Bern/ Luzern. HEKS und Fastenaktion verschenken Rosen an Spitäler, Alters- und Pflegeheim. Diese wären für den Verkauf bestimmt – doch daraus wird wegen des Corona-Virus nichts. Mit der «alternativen Rosenaktion» soll den Betagten in den Heimen und den Menschen in Spitalpflege eine kleine Freude bereitet werden. Aber auch den Mitarbeitenden in den Gesundheitsinstitutionen soll durch die Rosen für ihren Einsatz gedankt werden.

Morgen Samstag hätten hunderte von Freiwilligen Rosen mit dem Label Max Havelaar für die beiden Hilfswerke Fastenaktion und HEKS verkaufen sollen. Der Erlös wäre vollumfänglich den Projekten der Werke im globalen Süden zu Gute gekommen. Doch leider können die Rosen aufgrund der Umstände jetzt nicht verkaufen werden.

Statt die Rosen verwelken zu lassen, haben die Werke beschlossen, die Rosen zu verschenken. So erhalten heute Freitag Spitäler, Alters- und Pflegeheime in Zürich, Luzern, Bern, Basel und Lausanne insgesamt 50’000 Rosen.

Damit wollen die Hilfswerke den Betagten und den Personen die im Spital sind, und die jetzt keinen Besuch mehr empfangen dürfen – und natürlich auch den Mitarbeitenden der Spitäler, Alters- und Pflegheimen, ein kleines Zeichen der Zuversicht, der Dankbarkeit und der Solidarität senden.

HEKS und Fastenaktion drücken auch allen mitmachenden Institutionen ihren Dank aus. «Wir sind tief beeindruckt, was innerhalb von drei Tagen entstehen konnte. Nur dank ihres unkomplizierten Handels in einer Zeit, in der alle vielfach gefordert sind, wurde die Aktion möglich», sagt Mischa von Arb, Koordinator der Ökumenischen Kampagne.

Weitere Informationen und Material zum Download:

Für weitere Fragen:
Mischa von Arb, Kampagnenkoordinator Fastenaktion & HEKS, Mail, +41 78 625 27 12

© Fastenaktion/ HEKS

Bern/ Luzern. Dieses Jahr fällt sie erstmals seit den 17 Jahren ihres Bestehens aus: Die Fairtrade-Rosenaktion vom kommenden Samstag ist abgesagt, es werden keine Rosen verkauft. Fastenaktion, HEKS und Partner sein, deren Projekten der Erlös zu Gute gekommen wäre, ziehen Konsequenzen aus den Ereignissen.

Viele Freiwillige aus den Pfarreien und Kirchgemeinden hatten sich bereit erklärt, am Samstag, 21. März Rosen für die Projekte der Hilfswerke zu verkaufen. Daraus wird nun wegen des Corona-Virus nichts.

«Das schmerzt uns sehr. Der Aktionstag ist eine schöne Gelegenheit, um die Ökumenische Kampagne nach aussen zu tragen und er zeigt das tolle Engagement der Kirchgemeinden und Pfarreien», sagt Matthias Dörnenburg, Leiter Kommunikation Fastenaktion. «Doch die Gesundheit der Teilnehmenden geht klar vor.»

Die Fairtrade-Rosenaktion nimmt jährlich rund eine halbe Million Franken ein – Geld, das nun in den Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika fehlen wird. Dort setzen sich HEKS, Fastenaktion und Partner sein für die Überwindung von Hunger und Armut und ein Leben in Würde ein.

Was mit den über 80’000 bestellten Rosen passiert, wird nun abgeklärt. So wurden verschiedene Altersheime angefragt, ob die Rosen gratis verteilt werden dürften. Viele der Bewohnerinnen und Bewohner können derzeit von ihren Angehörigen nicht oder nur vereinzelt besucht werden. Die Rosen sollen aber auch den Mitarbeitenden eine Freude bereiten, die in diesen schwierigen Zeiten arbeiten müssen. Denn Blumen sind da, um Freude zu schenken, und nicht, um in einem Kühllager zu verwelken.

Mit der App «Give a rose» können – und dies über das ganze Jahr hindurch – virtuelle Rosen verschickt und mit einer persönlichen Mitteilung versehen werden: Auch ohne Rosenaktionstag eine Möglichkeit, Freude und Zuversicht zu schenken.

Weitere Informationen und Material zum Download:

Auskünfte:

Madlaina Lippuner, Koordination Kommunikation Ökumenische Kampagne,
, 076 307 28 77.

26.02.2020, Luzern/ Bern. Derzeit verhandelt die Schweiz ein Freihandelsabkommen mit Malaysia. Tritt es in Kraft, verlieren malaysische Bäuerinnen und Bauern die Kontrolle über ihr Saatgut an die Agrarkonzerne. Das bedroht ihre Lebensgrundlage. Fastenaktion, HEKS und Partner sein unterstützen deshalb ihre Protestaktion, die mittlerweile vier Kontinente umfasst.

«Wir leben von der Landwirtschaft», sagt Borhan Omar, Gemeinderatsmitglied des Dorfes Sungai Rusa in Malaysia. Seit Generationen züchten die Bauernfamilien seiner Gemeinde ihr eigenes Saatgut. Sie vermehren, tauschen und verkaufen es. Genau das will aber ein neues Gesetz verbieten. «Wenn wir nicht mehr eigenes Saatgut produzieren dürfen, bestimmen die Saatgutfirmen den Preis. Das Gesetz verhindert zudem, dass wir den kommenden Generationen unser traditionelles Wissen weitergeben können», sorgt er sich.

Im geplanten Freihandelsabkommen fordert die Schweiz, dass Malaysia ein strenges Sortenschutzgesetz auf Saatgut einführt (gemäss UPOV 91-Abkommen). Sortenschutz – eine Art Patentschutz auf Saatgut – garantiert Züchterinnen und Züchtern Monopolrechte. Davon profitieren vor allem Agrarkonzerne, während Bäuerinnen und Bauern Saatgut nicht mehr frei tauschen und verkaufen dürfen. In Zukunft werden sie es jedes Jahr teuer von Saatgutfirmen kaufen müssen. Das Angebot der internationalen Konzerne ist auf einige wenige Sorten beschränkt und meist nicht an lokale Gegebenheiten angepasst. Damit sie wachsen und reiche Früchte tragen, brauchen sie zudem Dünger und Pestizide – von den gleichen Konzernen. Für die Agrarindustrie ist das ein saftiges Geschäft, die Auswirkungen auf Umwelt und Biodiversität hingegen sind verheerend.

Für HEKS, Fastenaktion und Partner sein ist das inakzeptabel. «Das von der Schweiz geforderte Sortenschutzgesetz führt dazu, dass die Menschen das Recht an ihrem eigenen Saatgut verlieren. Das widerspricht der UN-Deklaration für die Rechte von Kleinbauern und –bäuerinnen, welche 2018 von der Schweiz mitunterzeichnet wurde» sagt Tina Goethe, die bei HEKS das Thema Recht auf Nahrung betreut.

Post aus Malaysia

Heute kontrollieren drei Konzerne weltweit über die Hälfte des kommerziell gehandelten Saatgutes, darunter Syngenta mit Sitz in der Schweiz. Damit entscheiden wenige Unternehmen, was angepflanzt wird und auf den Tisch kommt. Die Folgen davon zeigen sich bereits auch in Ländern, in denen Fastenaktion und Brot für alle tätig sind.

Damit es in Malaysia nicht soweit kommt, haben Borhan Omar und rund 90 malaysische Bäuerinnen und Bauern Briefe ans Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) geschickt, welches die Verhandlungen führt. Sie wollen, dass die Forderung nach einem Sortenschutzgesetz gemäss UPOV 91 aus dem Freihandelsabkommen herausgenommen wird.

In der Schweiz wird die Aktion von zahlreichen Pfarreien und Kirchgemeinden mitgetragen. Aus eigener Betroffenheit und Solidarität mit Malaysia haben bisher über 1’000 Menschen in Afrika, Lateinamerika, der Schweiz und weiteren asiatischen Ländern ans Seco geschrieben. «Viele Partnerorganisationen aus Ländern, in denen das Sortenschutzgesetz bereits in Kraft ist, beklagen massive Einschränkungen für die Bäuerinnen und Bauern. Und dort, wo es noch nicht umgesetzt wurde, schwebe es wie ein Damoklesschwert über ihnen», sagt Claudia Fuhrer, bei Fastenaktion zuständig für Recht auf Nahrung. «Die Schweiz darf daher auch in zukünftigen Handelsabkommen mit Entwicklungsländern keine strengen Sortenschutzgesetze verlangen».

Mit Agrarökologie gegen den Klimawandel

Die industrielle Landwirtschaft mit ihren Monokulturen gehört zu den wichtigsten Verursachern des Klimawandels. Die Hilfswerke setzen sich deshalb für eine Stärkung von agrarökologischen Anbaumethoden ein, die sowohl Prävention gegen den Klimawandel sind, als auch Antwort darauf.

Die Agrarökologie basiert auf der Erfahrung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft: Pflanzensorten werden so kombiniert, dass sie sich gegenseitig vor Schädlingen schützen und mit Nährstoffen versorgen. Bauernfamilien, die mit ihrem eigenen Saatgut arbeiten, pflanzen viele verschiedene Sorten und fördern damit die Biodiversität. Sie passen ihre Pflanzensorten laufend den neuen Gegebenheiten an. Das ist zentral für ein intaktes Ökosystem und eine ausgewogene Ernährung.

Unter dem Motto «Gemeinsam für eine Landwirtschaft, die unsere Zukunft sichert» fordern Fastenopfer, HEKS und Partner sein in der Ökumenischen Kampagne: Bäuerliches Saatgut und die Kontrolle darüber muss in den Händen der Bäuerinnen und Bauern bleiben. 

Mediendossier mit weiterführenden Unterlagen:

Auskünfte:

Tina Goethe, Dossier Recht auf Nahrung HEKS,
, 031 380 65 93 / 076 516 59 57

Claudia Fuhrer, Programmverantwortliche Recht auf Nahrung Fastenaktion,
, 041 227 59 42

Matthias Dörnenburg, Leiter Kommunikation Fastenaktion,
, 041 227 59 21

Gabriela Neuhaus, Medienverantwortliche HEKS,
, 031 380 65 71

Die Ökumenische Kampagne in Kürze

HEKS (reformiert) und Fastenaktion (katholisch) führen seit 1969 jährlich eine Ökumenische Kampagne in den sechs Wochen vor Ostern durch. Seit 1994 beteiligt sich auch Partner sein, das Hilfswerk der christkatholischen Landeskirche. Die Ökumenische Kampagne hat zum Ziel, die breite Öffentlichkeit für die Ungerechtigkeiten zu sensibilisieren, die weltweit zu über 800 Millionen Menschen in Hunger und Armut führen. Diese Realität zu erkennen, genügt jedoch nicht. Deshalb zeigen die drei Werke Handlungsmöglichkeiten auf: Das eigene Konsumverhalten zu verändern, Menschen in Südprojekten mit einer Spende zu unterstützen oder sich an einer Aktion zu beteiligen – so wird die Ökumenische Kampagne zum Inbegriff der gelebten Solidarität.

Bern/Luzern, 9. Dezember 2019. Das eigene Leben auf Klimakurs zu bringen, ist nicht ganz einfach. Aber es ist möglich: Die in England entwickelte Methode der KlimaGespräche setzt auf die Dynamik der Gruppe und unterstützt so die Teilnehmenden, ihren persönlichen CO2-Ausstoss massiv zu reduzieren. Nun lancieren HEKS und Fastenaktion die Methode auch in der Deutschschweiz.

Viele Schweizerinnen und Schweizer machen sich Sorgen über den Klimawandel. Trotzdem sind die wenigsten bereit, auf den Ferienflug, das Auto oder ein neues Handy zu verzichten und ihren Lebensstil anzupassen. Dies zu ändern ist das Ziel der KlimaGespräche. Die in Grossbritannien entwickelte Methode vereint technische und psychologische Aspekte und setzt auf die Dynamik der Gruppe. Mit Erfolg: Untersuchungen zeigen, dass es Menschen mit den KlimaGesprächen gelungen ist, ihren CO2-Ausstoss innert vier bis fünf Jahren um die Hälfte zu verringern. Nun soll die Methode, die in England, Schottland, Holland, Frankreich und der Romandie bereits erfolgreich angewandt wird, auch in der Deutschschweiz Fuss fassen. Umsetzung und Koordination der Gespräche laufen über die Hilfswerke Fastenaktion und HEKS. Die beiden Organisationen engagieren sich im Rahmen ihrer Kampagnen- und Sensibilisierungsarbeit sowie in Zusammenarbeit mit den Partnern im Süden seit vielen Jahren in der Klimapolitik.

Information allein reicht nicht

«Die KlimaGespräche setzen dort an, wo die Wissensvermittlung aufhört», sagt Daniel Wiederkehr, Verantwortlicher für die KlimaGespräche in der Deutschschweiz. Denn die Erfahrung der letzten Jahre zeige deutlich, dass Informationsvermittlung allein nicht genügt, um Menschen zum Handeln zu bewegen. «Es braucht die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema», sagt Wiederkehr. In Gruppen zu je acht Personen und unter der Leitung von jeweils zwei FacilitatorInnen analysieren die Teilnehmenden während sechs Gesprächsrunden ihre Gewohnheiten in den Bereichen Wohnen, Mobilität, Ernährung und Konsum und deren Folgen fürs Klima. Gleichzeitig werden innere Prozesse wie Ängste und Motivation beleuchtet, die eine Verhaltensänderung erschweren können. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Widerständen und der Austausch in der Gruppe helfen, das Gefühl der Machtlosigkeit zu überwinden und zu einem Lebensstil zu finden, der eine nachhaltige Reduktion der CO2-Emissionen ermöglicht. Von der Methode überzeugt ist auch das Bundesamt für Umwelt, welches die Gespräche über sein Klimaprogramm finanziell unterstützt, gleich wie die Kantone Bern und Zürich sowie die Stadt Luzern. 2020 sind 20 KlimaGespräche in den Kantonen Bern, Zürich und Luzern geplant.

Anmeldung und mehr Informationen: www.sehen-und-handeln.ch/klimagespraeche

(Stellungnahme von OCP (21.06.2019))

Der marokkanische Staatskonzern OCP verschmutzt mit seinen Düngerfabriken die Luft und schädigt damit die Gesundheit von Angestellten und Bevölkerung. Mindestens elf Schweizer Rohstoffhändler stehen gemäss einem neuen Bericht von HEKS, SWISSAID und Fastenaktion in Geschäftsbeziehung zu OCP und sind damit in die Menschenrechtsverletzungen und die Umweltverschmutzung in Marokko verwickelt. Dies belegt die Dringlichkeit der Konzernverantwortungsinitiative, zu der sich der Nationalrat nächste Woche erneut äussern wird.

Die Düngerfabriken von OCP (Office Chérifien des Phosphates) in Safi und Jorf Lasfar an der marokkanischen Atlantikküste stossen grosse Mengen an Luftschadstoffen wie Fluorwasserstoff und Feinstaub aus. Diese Umweltverschmutzung hat massive gesundheitliche Folgen für die Angestellten und die Bevölkerung im Umfeld der Fabriken, in denen Phosphat aus Marokko zu Düngemitteln verarbeitet wird.

Gemäss einem neuen Bericht der Entwicklungsorganisationen SWISSAID, HEKS und Fastenaktion leiden zahlreiche Angestellte der beiden Fabriken an Atemwegs- und Krebserkrankungen. Laut Berichten von Gewerkschaften sind schon viele von ihnen daran gestorben. Messungen der Luftqualität in der Nähe der OCP-Fabrik Safi ergaben denn auch sehr hohe Werte: Die Belastung mit Feinstaub (PM2.5) lag 6 bis 16mal höher als der von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene tägliche Richtwert.

Auch die Bevölkerung im Umfeld der beiden Düngerfabriken ist von den Folgen der Umweltbelastung stark betroffen. Zahlreiche von den Autoren des Berichts befragte Menschen leiden unter Augenreizungen, Atemwegserkrankungen oder Zahnfluorose. Kinder in Dörfern in der Nähe des Werks Jorf Lasfar berichteten, sie müssten auf dem Schulweg wegen des beissenden Geruchs ihre Nasen mit Tüchern bedecken.

Schweizer Rohstoffhändler verwickelt

OCP ist der weltweit grösste Produzent von Phosphatgestein und der zweitgrösste Hersteller von Phosphatdünger. Er verfügt mit der Saftco SA über eine Filiale in Genf, die 2017 über 300’000 Tonnen Düngemittel vermarktet hat. Der Bericht zeigt auf, dass neben Saftco mindestens zehn weitere Schweizer Rohstoffhändler mit OCP in Geschäftsbeziehung stehen. Keine dieser Firmen scheint aber ein Sorgfaltsprüfungsverfahren in Bezug auf die Achtung von Umweltstandards und Menschenrechten durch ihren marokkanischen Lieferanten durchgeführt zu haben.

Genau dies empfiehlt jedoch ein letztes Jahr von SECO und EDA veröffentlichter Leitfaden zur Umsetzung der UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte durch den Rohstoffhandelssektor, der in der Schweiz mit rund 570 Unternehmen prominent vertreten ist. Dies zeigt erneut, dass blosse staatliche Empfehlungen und freiwillige Massnahmen  von Firmen wenig nützen, um die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards bei Geschäften von Schweizer Unternehmen im Ausland zu gewährleisten.

HEKS, SWISSAID und Fastenaktion fordern OCP und die Schweizer Düngerhändler auf, eine umfassende Sorgfaltsprüfung durchzuführen und Massnahmen zur Vermeidung von Menschrechtsverletzungen zu treffen. Dies sieht auch die Konzernverantwortungsinitiative vor, welche Schweizer Unternehmen zum Einhalten von Menschenrechten und Umweltstandards weltweit verpflichten will. Der Nationalrat wird sich nächste Woche erneut zu Initiative und Gegenvorschlag äussern. Scheitert der Gegenvorschlag, dürfte die Initiative 2020 zur Abstimmung kommen.

Auskünfte:

  • Yvan Maillard Ardenti, HEKS, maillard@bfa-ppp.ch,+ 41 79 489 3824
  • Marc Ummel, SWISSAID, m.ummel@swissaid.ch, +41 79 694 4921

Die Jubiläumskampagne 2019 «Gemeinsam für starke Frauen. Gemeinsam für eine gerechte Welt.» bot Gelegenheit zum Feiern und zu einem Rückblick auf die Arbeit und die wichtigsten Ergebnisse der letzten fünf Jahrzehnte. Die Rechte der Frauen, als Hommage an deren beispielhaften Einsatz für sich, ihre Familien und ihre Gemeinschaften, standen im Zentrum.

 «Schon als Kind habe ich beobachtet, dass wir Frauen im ländlichen Raum keine Stimme haben. Wir werden an den Rand gedrängt und unsere Probleme werden nicht ernst genommen. Dagegen setze ich mich ein.» (Nomvuzo Nopote, Südafrika)

Heute geht die 50. Ökumenische Kampagne von HEKS, Fastenaktion und Partner sein zu Ende. Die Hilfswerke möchten Danke sagen. Den zahlreichen freiwilligen Helferinnen und Helfern in den Pfarreien und Kirchgemeinden. Den Kampagnengästen Soeur Nathalie, Ordensfrau und Rechtsanwältin aus der Demokratischen Republik Kongo, Marie Crescence Ngobo, geschäftsführende Sekretärin des Réseau du Devéloppement Durable (RADD) aus Kamerun und Bembet Madrid, Akteurin für einen gesellschaftlichen Wandel, von den Philippinen. Sie haben mit ihren eindrücklichen Schilderungen an Veranstaltungen in der ganzen Schweiz den Frauen ihrer Länder eine Stimme gegeben. Sie machten darauf aufmerksam, was es bedeutet, sich im Umfeld von Rohstoffabbau für Schutz, Gesundheit und Land zu wehren, aber auch, warum sie gar nicht anders können, als sich immer weiter dafür einzusetzen, dass die Welt für alle Menschen eine bessere wird. Und nicht zuletzt einen Dank den Menschen in der Schweiz, die seit 50 Jahren mit ihrer Unterstützung dazu beitragen, dass bei den Ursachen angesetzt werden kann und die strukturellen Gründe von Ungerechtigkeit und Armut beleuchtet werden.

Soeur Nathalie Kangaji setzt sich im Kongo für die Rechte der Bevölkerung im Umfeld der Rohstoff-Minen ein. © Meinrad Schade
«Die Armut um mich herum hat viele Gesichter und ist zu krass, als dass man die Ohren und das Herz davor verschliessen könnte.» (Soeur Nathalie, DR Kongo)

Brot, Rosen und Suppe

Rund 500 Pfarreien und Kirchgemeinden haben sich an der diesjährigen Rosenaktion beteiligt und an einem strahlend schönen Frühlingssamstag 91’700 Rosen verkauft. In 466 Bäckereien wurden Brote zum Teilen angeboten. Am grossen Jubiläumssuppentag wurden in Bern 550 Liter Suppe geschöpft, gekocht vom Food Waste Pionier Mirko Buri. Der Chor der Nationen gab dem Ökumenischen Gottesdienst einen würdigen Rahmen, und die Ausstellung «50 starke Frauen» fand viel Beachtung.

Es ist ein langer Weg, den Fastenaktion und HEKS seit 1969, später noch mit der Unterstützung von Partner sein, gemeinsam zurückgelegt haben. Und doch erinnert Vieles an die Situation vor 50 Jahren. Auch heute steht die Entwicklungszusammenarbeit wieder unter Druck, und auch heute wird die Welt von Ungerechtigkeit und Ungleichgewichten geprägt. In diesem Kontext ist die Ökumenische Kampagne wichtiger denn je, um die Menschen über Zusammenhänge zu informieren und sie zum Handeln zu bewegen.

«Jeder Mensch, egal, wo er lebt, wie alt er ist und was sein Hintergrund ist, hat die gleichen Rechte. Diese Rechte müssen wir verteidigen.» (Khalisah Khalid, Indonesien)

Für weitere Auskünfte:

Colette Kalt, Medienverantwortliche Fastenaktion, 079 352 38 04

 

Die Ökumenische Kampagne in Kürze

HEKS (reformiert) und Fastenaktion (katholisch) führen seit 1969 jährlich eine Ökumenische Kampagne in den sechs Wochen vor Ostern durch. Seit 1994 beteiligt sich auch Partner sein, das Hilfswerk der christkatholischen Landeskirche. Die Ökumenische Kampagne hat zum Ziel, die breite Öffentlichkeit für die Ungerechtigkeiten zu sensibilisieren, die weltweit zu über 800 Millionen Menschen in Hunger und Armut führen. Diese Realität zu erkennen, genügt jedoch nicht. Deshalb zeigen die drei Werke Handlungsmöglichkeiten auf: Das eigene Konsumverhalten zu verändern, Menschen in Südprojekten mit einer Spende zu unterstützen oder sich an einer Aktion zu beteiligen – so wird die Ökumenische Kampagne zum Inbegriff der gelebten Solidarität. Mehr unter www.sehen-und-handeln.ch.

Gottfried Locher, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes und Nationalrätin Maya Graf (Grüne/BL) schöpfen Suppe am Jubiläumsfest von Brot für alle, Fastenopfer und Partner sein. Bild: Patrik Kummer / Brot für alle

Bern, 13. April 2019. Soziale Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung: Diese Themen stehen seit 50 Jahren im Zentrum der Ökumenischen Kampagne von HEKS, Fastenaktion und Partner sein. Die drei kirchlichen Entwicklungsorganisationen feierten am Samstag ihr Jubiläum mit einem Gottesdienst in der Berner Heiliggeistkirche und einer von Foodwaste-Pionier Mirko Buri gekochten Suppe auf dem Bahnhofplatz.

«Es geht um die Zukunft der ‘Arche Erde’. Damals wie heute». So blickte Nationalrätin Maya Graf (Grüne/BL) am Jubiläumsfest in Bern auf ihr «Schlüsselerlebnis» mit der Ökumenischen Kampagne zurück. Diese thematisierte schon 1989 den Klimawandel und die davon ausgehenden Gefahren und folgerte: «Die Zeit drängt». «Das hat man heute endlich begriffen», kommentierte Bernard DuPasquier, Geschäftsleiter des reformierten Hilfswerks HEKS, «und wir sind stolz, dass wir auch heute immer wieder relevante politische und gesellschaftliche Entwicklungen erkennen und öffentlich zum Thema machen».

Bernd Nilles, Geschäftsleiter des katholischen Hilfswerks Fastenaktion, doppelte nach: «Es macht Mut zu sehen, was wir im Einsatz für soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung in den letzten 50 Jahren erreicht haben». Zusammen mit dem christkatholischen Partner sein feierten die Entwicklungsorganisationen diese Erfolge mit einem Gottesdienst in der Heiliggeistkirche. «Wir brauchen die Ökumenische Kampagne», sagte Felix Gmür, Bischof von Basel, denn diese zeige immer wieder, dass die Welt noch nicht gerecht und Veränderung nötig sei. «Und dass wir auch dort hinsehen müssen, wo es den Mächtigen nicht gefällt, dass wir hinsehen», fügte Gottfried Locher an, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK).

Auf dem Bahnhofplatz tischte danach der Berner Sternekoch und Foodwaste-Pionier Mirko Buri eine aus Essensresten hergestellte Gemüsesuppe auf. Zwischen Entwicklungspolitik und seiner Arbeit gebe es viele Überschneidungen, erklärte Buri, der aus «geretteten» Karotten, Zwiebeln und Knoblauch fast 1400 Portionen Suppe kochte. Geschöpft wurden diese unter anderem vom Berner Stadtpräsidenten Alec von Graffenried. «Die Entwicklungszusammenarbeit hat schon sehr viel erreicht», sagte von Graffenried, aber man müsse am Ball bleiben, um Armut und Hunger weiter zu reduzieren.

Jubiläumskampagne für «starke Frauen»

Die Ökumenische Kampagne entstand 1969 aus der Idee, die Kirchen sollten sich aktiver in politische Themen einmischen, um ihr diakonisches Handeln nachhaltiger zu gestalten. Seither engagieren sich die kirchlichen Entwicklungsorganisationen Fastenaktion (katholisch), HEKS (reformiert) und später auch Partner sein (christkatholisch) in einer jährlichen entwicklungs-politischen Kampagne zwischen Aschermittwoch und Ostern für mehr Gerechtigkeit und Solidarität.

Dabei ging es immer darum, bei den Ursachen anzusetzen und die strukturellen Gründe von Ungerechtigkeit und Armut zu beleuchten. Deshalb sind Frieden, Umweltschutz, Menschenrechte, gerechte Geschlechterbeziehungen, faires Wirtschaften und die Suche nach einem neuen, nachhaltigen Lebensstil die Themen, welche die Kampagne seit 50 Jahren prägen. Die aktuelle Jubiläumskampagne steht unter dem Motto «Gemeinsam für starke Frauen. Gemeinsam für eine gerechte Welt.».

 

In einer Ausstellung, die am Samstag auf dem Berner Bahnhofplatz Premiere hatte, werden «50 starke Frauen» aus der Schweiz und den Projektländern der drei Entwicklungsorganisationen porträtiert. Sie soll Anerkennung sein, dass Frauen in Projekten im Ausland und in der Schweiz, in Kirchgemeinden, Pfarreien und darüber hinaus eine treibende Kraft für eine gerechtere Welt sind. Die aktuelle Kampagne dauert bis Ostern. Bis dann zeigen unter dem Hashtag #50starkefrauen Menschen aus der ganzen Schweiz, wer ihre persönliche «starke Frau» ist – und warum.

Aktuelle Bilder vom Jubiläums-Anlass:

Weitere Informationen und Material zum Download:

Auskünfte:

  • , Leiter Kommunikation Fastenaktion; 079 759 9022
  • , Medienverantwortlicher HEKS; 079 489 3824

Nach eineinhalb Jahren und 15 Kommissionssitzungen hat der Ständerat heute mit knapper Mehrheit beschlossen, nicht auf einen Gegenvorschlag zur Konzernverantwortungsinitiative einzutreten und die Initiative dem Volk zur Ablehnung vorzuschlagen.

Dieser Entscheid kommt leider nicht überraschend. Die Konzernlobby unter der Führung von Swissholdings und Economiesuisse hat seit letzter Woche massiv Druck gegen einen Kompromissvorschlag gemacht. Dieses Lobbying hat offensichtlich gewirkt. Im Gegensatz zum Nationalrat, welcher einem Gegenvorschlag im Juni 2018 noch mit 121 zu 73 Stimmen zustimmte, will der Ständerat keinerlei Regeln gegen Menschenrechtsverletzungen oder Umweltzerstörung. Das bedeutet, dass Konzerne wie Glencore, Syngenta und Novartis weiterhin ohne Konsequenzen verantwortungslos wirtschaften dürfen.

Der Erfolg der Konzernlobby ist Resultat eines Doppelspiels. Economiesuisse und Swissholdings haben den Gegenvorschlag von Anfang an blockiert und Konzessionen in ihrem Sinn ignoriert, während die Initiant/innen zu zwanzig Einschränkungen Hand geboten haben. In den letzten Tagen haben die beiden Verbände zudem mit Falschbehauptungen Unsicherheit geschürt. Mit ihren ideologischen Argumenten entlarven sie sich selber: Offenbar wirtschaften so viele ihrer Mitglied-Konzerne verantwortungslos, dass sie mögliche Konsequenzen um jeden Preis verhindern wollen.

Dick Marty, Co-Präsident des Initiativkomitees, kommentiert den Entscheid: «Der heutige Entscheid des Ständerats bedeutet, dass einzelne Konzerne weiterhin ohne Konsequenzen verantwortungslos wirtschaften dürfen.»

Jetzt liegt es am Nationalrat, ob er an seinem Gegenvorschlag festhalten will. Das Initiativkomitee steht selbstverständlich nach wie vor zu seiner Zusage, die Initiative zurückzuziehen, wenn der Gegenvorschlag des Nationalrates verabschiedet wird. Einer Abstimmungskampagne sieht Dick Marty gelassen entgegen: «Die grosse Unterstützung – gerade auch aus Wirtschaftskreisen – stimmt mich optimistisch. Diese Unternehmen sehen, dass die immer wiederkehrende Skandale dem Ruf unseres Landes schaden und die vorgeschlagene Regelung dem Wirtschaftsstandort Schweiz hilft, sich für die Zukunft zu rüsten. »

Die Abstimmung über die Konzernverantwortungsinitiative findet frühestens im Februar 2020 statt.

Das fordert die Initiative
Die Initiative will alle Konzerne verpflichten, die Menschenrechte und die Umwelt bei ihren Geschäften zu achten. Damit sich alle Konzerne an das neue Gesetz halten, müssen Verstösse Konsequenzen haben. Konzerne sollen deshalb in Zukunft für Menschenrechtsverletzungen haften, welche ihre Tochterfirmen verursachen.

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Der Gegenvorschlag der Konzernverantwortungsinitiative wurde heute vom Ständerat abgelehnt. Eine Reportage aus den Dörfern rund um die Minen des Schweizer Rohstoffkonzerns Glencore in der Demokratischen Republik Kongo verdeutlicht jedoch einmal mehr, dass es verbindliche Massnahmen zum Schutz von Mensch und Umwelt braucht.

Im Südosten der Demokratischen Republik Kongo baut Glencore in zwei riesigen Minen Kupfer und Kobalt ab. Der Schweizer Rohstoffkonzern schreibt satte Gewinne, doch die Bevölkerung rund um die Minen lebt in Armut, leidet unter der Verschmutzung von Luft und Böden und hat ungenügenden Zugang zu Wasser und medizinischer Versorgung.

Seit langer Zeit setzen sich HEKS, Fastenaktion und ihre lokalen Partnerorganisationen im Kongo für die Rechte dieser Menschen ein. Und sie unternehmen alles, damit Glencore mehr Verantwortung übernimmt und für Schäden geradesteht. Wäre eine Sorgfaltsprüfungspflicht verbindlich, hätte Glencore bereits im Vorfeld der Minentätigkeit alles tun müssen, um Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzungen zu verhindern. Das jedoch ist immer noch freiwillig.

In einer Koalition setzen sich Fastenaktion und HEKS deshalb für die Konzernverantwortungsinitiative ein. Heute Morgen wurde der Gegenvorschlag dazu im Ständerat diskutiert – und knapp abgelehnt.

Unsere Web-Reportage nimmt Sie mit in die Quartiere der Minenstadt Kolwezi und in die Dörfer in der Nähe der Minen. Sie zeigt, unter welchen Bedingungen die Menschen dort leben – und weshalb die Konzernverantwortungsinitiative so wichtig ist.

Setzen sie sich mit uns für die Menschenrechte ein

Unterstützen Sie Menschen im Kongo und anderswo, damit ihnen Gerechtigkeit wiederfährt

In der aktuellen 50sten Ökumenischen Kampagne werden die Rechte der Frauen - als Hommage an deren beispielhaften Einsatz für sich, ihre Familien und ihre Gemeinschaften thematisiert. Gerechtigkeit, Menschenrechte und Menschenwürde umfassen die Themen der Kampagnen der letzten fünf Jahrzehnte. Diese ökumenische Zusammenarbeit ist weltweit einzigartig. Sie verbindet die drei christlichen Landeskirchen über deren Entwicklungsorganisationen HEKS, Fastenaktion und Partner sein.

«Wenn du realisierst, was in der Welt passiert, fühlst du dich verpflichtet, dich zu engagieren.» (Alimata Traoré, Mali)

Frauen haben weltweit eine tragende Rolle in der Wirtschaft. Doch sie sind auf allen Entscheidungsebenen untervertreten, gerade wenn es um Teilhabe, Mitbestimmung und Mitsprache im Umgang mit den Ressourcen geht. Frauen pflegen das soziale Netz, tragen vielerorts die Hauptlast in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft und im informellen Sektor. Ausreichend Gründe, um in der Ökumenischen Kampagne 2019 die Frauen ins Zentrum zu stellen. Im globalen Süden wie im globalen Norden setzen sie sich als mutige Akteurinnen für ihre Rechte und die ihrer Gemeinschaft ein, kämpfen für eine Wirtschaft, die dem Leben dient und engagieren sich für den dringend nötigen Wandel. Besondere Bedeutung hat dieser Kampf im Zusammenhang mit der Ausbeutung von Rohstoffen, die oft zu Menschenrechtsverletzungen, zu Landraub oder zur Verschmutzung von Böden und Wasser führt. Viele Partnerorganisationen von Fastenaktion und HEKS berichten von diesen katastrophalen Auswirkungen des Rohstoffgeschäfts. Dazu kommen körperliche und sexuelle Missbräuche von Frauen. Im Umfeld von Minen und Plantagen nehmen Vergewaltigungen und Gewalt weltweit zu. Doch ob in Südafrika, im Kongo oder in Laos: Frauen fordern ihre Rechte ein, schliessen sich zusammen und werden stärker – gerade auch durch die Unterstützung von Fastenaktion, HEKS und Partner sein. Einen Einblick bietet die eigens für die diesjährige Kampagne produzierte Broschüre, aus der auch die aufgeführten Zitate entnommen sind.

 

Auch 50 Jahre später noch aktuell

«Meine Auseinandersetzung mit Frauenrollen begann bereits in den 50er-Jahren, als ich intuitiv spürte, dass ich aus diesen Zwängen ausbrechen musste.» (Anne-Marie Holenstein, Schweiz)

Es war 1968, die Gesellschaft in Aufbruch, davor konnten sich auch die Kirchen nicht verschliessen. Das Zweite Vatikanische Konzil und der Ökumenische Rat der Kirchen forderten die Kirchen heraus, sich stärker mit der Welt auseinanderzusetzen und sich in politische Themen aktiv einzumischen. Dies, gepaart mit einem fehlenden Enthusiasmus der Bevölkerung für die klassische Entwicklungshilfe, führte dazu, dass im Winter 1969 eine erste gemeinsame Informationskampagne von Brot für Brüder (heute HEKS), Fastenaktion und Swissaid stattfand. Dafür wurden Slogans, die auch heute noch zum Denken anregen, entwickelt: «Was müsste man tun, um 40 Millionen Menschen verhungern zu lassen? Nichts.», Diese Kampagne war der Trompetenstoss zum Auftakt der langjährigen Zusammenarbeit, deren 50-Jahr-Jubiläum dieses Jahr gefeiert wird.

Sister Mary John OSB
Damals wie heute stehen Menschenrechte, Umweltschutz, nachhaltiges Wirtschaften, Frieden und faire Geschlechterbeziehungen im Zentrum. Die Mittel, um auf die Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen; die Sensibilisierung, und das Aufrütteln der Menschen in der Schweiz.

Der 50. Geburtstag der Ökumenischen Kampagne bietet Anlass, früheres wie heutiges Engagement zu feiern und zu würdigen. Mit dem Fokus auf die Arbeit von mutigen Frauen wird anerkannt, dass Frauen im Süden wie in der Schweiz, in Projekten, Kirchgemeinden, Pfarreien und darüber hinaus eine treibende Kraft sind für Veränderungen in Richtung einer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, die auf Kooperation statt auf Ausbeutung beruht.

«Als mich ein Polizist während einer Demo fragte: ›Schwester, sollten Sie sich nicht besser um die Seelen kümmern?‹, erwiderte ich: Sehen Sie hier Seelen herumspazieren? Ich sehe nur Menschen.» (Sister Mary John OSB, Philippinen)

Rückfragen und Interviews:

Lorenz Kummer, Medienverantwortlicher HEKS, 079 489 3824
Matthias Dörnenburg, Leiter Kampagnen Fastenaktion; 041 227 59 21

Jubiläumssuppentag am 13. April 2019, ab 10.30 Uhr, Bahnhofsplatz Bern mit Jubiläums-Gottesdienst, Suppe und Rahmenprogramm. Mehr

Weiterführende Unterlagen:

50 Frauen

Events

„Perspektiven“

Die Ökumenische Kampagne: Informieren, Handlungsmöglichkeiten zeigen, Spenden sammeln: Seit 1969 arbeiten HEKS, die Entwicklungsorganisation der Evangelischen Kirchen der Schweiz, und Fastenaktion, das Hilfswerk der Katholikinnen und Katholiken in der Schweiz, zusammen. Die Ökumenische Kampagne während der Fasten- oder Passionszeit ist zum Inbegriff der gelebten Solidarität und der ökumenischen Partnerschaft geworden. Seit 1994 beteiligt sich auch Partner sein, das Hilfswerk der christkatholischen Landeskirche. Jedes Jahr bringen die Werke gemeinsam ein entwicklungspolitisches Thema an die breite Öffentlichkeit.

Bern / Lausanne, 7. Dezember 2018. Eine von HEKS und Fastenaktion mitfinanzierte Studie belegt: Die Arbeitsbedingungen in chinesischen Elektronikfirmen erhöhen das Suizid-Risiko der Angestellten. Einer der Gründe ist der Produktionsdruck und der erhöhte Stress vor Verkaufsspitzen wie Weihnachten. Eine Taskforce soll nun Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen prüfen.

«Wir geben unser Leben hin, um ein Einkommen zu erzielen.» So beschreibt eine Angestellte eines chinesischen Elektronik-Zulieferers die gesundheitsschädigenden Arbeitsbedingungen, die sie in die Verzweiflung treiben. Die Fabriken wälzen den Produktions- und Preisdruck, den sie durch die auftraggebenden globalen Firmen erfahren, auf die Menschen am Fliessband ab. Arbeitsstress – vor allem vor Verkaufsspitzen wie Weihnachten – ist denn auch ein wichtiger Grund für die hohen Selbstmordraten in chinesischen Elektronikfabriken. Dies belegt die neue Studie von Electronics Watch und Economic Rights Institute, die von Fastenaktion und HEKS mitfinanziert wurde.

2010 hatten zahlreiche Selbstmordfälle beim chinesischen Apple-Zulieferer Foxconn für Schlagzeilen gesorgt. Die neue Studie untersucht nun die Zustände in weiteren Firmen. Sie zeigt, dass die Arbeitsbedingungen in den Fabriken bei Suiziden eine massgebliche Rolle spielen. Zu den wichtigsten Faktoren zählen Stress wegen nicht gewährten Ruhezeiten und freien Tagen sowie Konflikte und Einschüchterung durch das militärisch organisierte Überwachungspersonal. Eintönige Arbeitsvorgänge ohne jegliche Änderungsperspektiven tragen zu Depressionen bei, ungenügende oder nicht ausbezahlte Löhne verschärfen den psychischen Druck.

Tipps für fairen Konsum

Untersucht wurden 167 in Internetforen publik gewordene Selbstmordfälle. Darauf folgten Umfragen in 44 Firmen und Interviews mit 252 Angestellten in vier ausgewählten Fabriken. Die Namen der Firmen werden jedoch nicht genannt, denn die Autoren der Studie haben sich mit Einverständnis von HEKS und Fastenaktion entschieden, im Interesse der Arbeitnehmenden konkret zu handeln. Sie schlagen dem einflussreichen internationalen Branchenverband Responsible Business Alliance (RBA) vor, eine gemeinsame Taskforce zu bilden, um die Missstände anzugehen und so die Arbeitsbedingungen für die betroffenen Menschen direkt zu verbessern.

Fastenaktion und HEKS setzen sich seit langem für bessere Arbeitsbedingungen im Elektroniksektor ein. «Der immer schnellere Ersatz elektronischer Geräte erhöht Produktionsdruck und Stress und damit das Suizid-Risiko für die Angestellten», sagt die Programmverantwortliche Karin Mader. Gerade in der konsumintensiven Weihnachtszeit sei es wichtig, auf diese Zusammenhänge aufmerksam zu machen. Nebst direktem Dialog und Forderungen an die IT-Firmen und -verkäufer warten HEKS und Fastenaktion deshalb auch mit konkreten Tipps auf, wie der Elektronik-Konsum fairer werden kann: Vor dem Kauf Ratings für faire Produkte konsultieren, Geräte reparieren, Secondhand kaufen etc.. Denn auch unter dem Weihnachtsbaum machen fair produzierte oder Second-Hand-Geräte genau so viel Freude wie die neusten Gadgets.

Rückfragen und Interviews:

Karin Mader, Programmverantwortliche Menschenrechte im Elektroniksektor HEKS und Fastenaktion: 079 489 38 24, mader@bfa-ppp.ch

Lastwagen, die Kupfer und Kobalt transportieren, verursachen auf der Strasse zu Glencore’s KCC-Mine massive Staubbelastung. Foto: Meinrad Schade

Bern/Luzern, 27. November 2018. Der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore verschmutzt mit seinen Kupfer- und Kobaltminen nach wie vor Luft und Böden rund um die Stadt Kolwezi in der Demokratischen Republik Kongo. Laut dem jüngsten Bericht von HEKS und Fastenaktion hat sich die Lage bei der Wasserversorgung und -verschmutzung dagegen verbessert. Trotzdem stellen die beiden Organisationen fest, dass Glencore seine Sorgfaltspflicht gegenüber Menschenrechten und Umwelt nur ungenügend wahrnimmt. Abhilfe brächte die Konzernverantwortungsinitiative, die in der parlamentarischen Beratung steckt.

Für Joseph Ilunga* ist der Fall klar: «Es hat zu viel Staub in den Strassen». Der Krankenpfleger arbeitet in einem Gesundheitszentrum von Musonoi, einem Quartier der kongolesischen Minenstadt Kolwezi. Vor allem in der Trockenzeit behandelt er viele Menschen mit Atemwegserkrankungen. Auch die Quelle der Luftverschmutzung hat er schnell identifiziert. «Es sind die vielen Lastwagen», die auf den unbefestigten Strassen zur nahe gelegenen Kamoto Copper Company (KCC) rollen.

Die Kupfer- und Kobaltmine KCC gehört dem Schweizer Rohstoffkonzern Glencore. Schadstoffmessungen der Fastenaktion und HEKS bestätigen die Wahrnehmung des Gesundheitspersonals von Musonoi. Ende Mai 2018 lag die Staubbelastung im Quartier und im nicht weit entfernten Luilu zwischen 150 und 300 Mikrogramm pro Kubikmeter, auf den Zufahrtsstrassen zur Mine sogar bei 500 Mikrogramm. Der Tagesmittel-Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation WHO liegt bei 50 Mikrogramm.

Wiederholte Bodenverschmutzung

Die hohe Staubbelastung ist nur eines der Probleme im Umfeld von KCC und Mutanda Mining (MUMI), der zweiten grossen Glencore-Mine im Südosten der DR Kongo. In den letzten Jahren wurden Felder von Bauern und Bäuerinnen in der Nähe der Minen wiederholt durch unterschiedliche Schadstoffe verschmutzt. Glencore hat auf Druck von Partnerorganisationen von HEKS und Fastenaktion viele Opfer für den Ernteausfall entschädigt. Aber die Geschädigten warten immer noch auf Kompensation für die nachhaltige Beeinträchtigung ihrer Böden. Zudem hat Glencore die genaue Zusammensetzung der ausgelaufenen Substanzen in zwei Fällen nicht publik gemacht.

Die jüngste Studie ist der vierte Bericht der beiden Schweizer Entwicklungsorganisationen über die Tätigkeit von Glencore in der DR Kongo seit 2011. Im Vergleich zum letzten Report von 2014 sind auch Fortschritte festzustellen. So hat Glencore das Einleiten von Abwässern aus der Mine KCC in den Fluss Luilu inzwischen unterbunden. Und für einen Teil der BewohnerInnen des Quartiers Luilu wurde ein Projekt zur Verbesserung der Wasserversorgung angepackt. Auch die Kommunikation mit der Bevölkerung hat Glencore verbessert.

Abhilfe durch Konzernverantwortungsinitiative

Trotz dieser Fortschritte macht der jüngste Bericht klar, dass Glencore in der DR Kongo seine Sorgfaltspflicht nur unvollständig wahrnimmt. Ausmass und Zahl der Luft- und Bodenverschmutzungen sind nach wie vor hoch. Zudem hat der Konzern in einigen Fällen seine Verantwortung für Umwelt- und Menschenrechtsprobleme zuerst nicht anerkannt und erst auf anhaltenden Druck der lokalen Partnerorganisationen der Fastenaktion und HEKS Verbesserungen in die Wege geleitet.

Erneut wird damit deutlich, dass freiwillige Massnahmen von Konzernen nicht genügen. Ohne den Druck von Nichtregierungsorganisationen und aus der Zivilgesellschaft geschieht wenig. Probleme werden oft nur zögerlich angegangen und künftige kaum verhindert. Eine verbindliche Regelung für international tätige Schweizer Unternehmen, wie sie die Konzernverantwortungsinitiative vorsieht, ist deshalb absolut notwendig. Nur so lässt sich die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards durch Schweizer Unternehmen im Ausland konsequent einfordern.

* Name aus Sicherheitsgründen geändert

Material zum Download: Fotos, Zusammenfassung der Studie, Vollversion der Studie (nur französisch)

Rückfragen: Yvan Maillard Ardenti, HEKS, +41 79 489 38 24; maillard@bfa-ppp.ch

Genf, 28. September 2018: Der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen hat heute mit grosser Mehrheit eine Deklaration verabschiedet, die die Rechte von Bauernfamilien und anderer Menschen, die auf dem Land arbeiten, schützt. Dazu gehören auch Fischergemeinden und Nomadenvölker.

Die Uno-Deklaration ist für die Betroffenen von grosser symbolischer Bedeutung. «Ihre Verabschiedung bedeutet Respekt für unsere Arbeit», sagt Elizabeth Mpofu, Generalkoordinatorin der internationalen Bauernbewegung La Via Campesina, die weltweit 250 Millionen Bäuerinnen und Bauern vertritt.

Mpofu ist aus Zimbabwe angereist, damit die Stimme der Betroffenen an der Uno gehört wird. Sie ist Mitglied einer internationalen Delegation, die seit Jahren auf den heutigen Tag hingearbeitet hat. «Wir ernähren die Welt und werden gleichzeitig diskriminiert», fährt die engagierte Bäuerin aus Zimbabwe fort. Die Deklaration gibt den Staaten Richtlinien für eine Politik an die Hand, die Hunger und Armut effizient bekämpft. Denn hierzu muss die bäuerliche Landwirtschaft besser unterstützt werden. Die Anerkennung und Stärkung der Bauernrechte ist dafür zentral. In Afrika, Asien und Lateinamerika werden tagtäglich Bauern und Bäuerinnen bedroht oder gar ermordet.

Die Schweizer Regierung hat heute für die Deklaration gestimmt, während sie 2012 noch keine Notwendigkeit für eine solche Deklaration sah. Eine gross angelegte Kampagne der Schweizer Zivilgesellschaft und Parlamentariern konnte die Schweiz umstimmen. Seiher nahm sie konstruktiv an der zwischenstaatlichen Arbeitsgruppe teil, die während sechs Jahren den Text der Deklaration erarbeitete.

Fastenaktion, HEKS, Uniterre, HEKS, SWISSAID, CETIM und FIAN-Schweiz haben sich gemeinsam mit ihren Partnern im Süden aktiv für diese Deklaration eingesetzt. Auch in der Schweiz arbeiten Bauernfamilien oft unter schweren Bedingungen. Täglich verschwinden hierzulande zwei bis drei Bauernhöfe. Gleichzeitig ist es für junge Leute, die nicht aus Bauernfamilien stammen, nahezu unmöglich, an Agrarland zu kommen.

Die Uno-Deklaration erkennt das Recht auf Land und Saatgut an. Diese Rechte sind für die Bauernfamilien weltweit von zentraler Bedeutung. Das Saatgut der Bauernfamilien muss zunehmend patentiertem und zum Teil genmanipuliertem Saatgut weichen. Dieses ist nicht nur teurer, es schadet auch der Artenvielfalt und den Böden, da dabei Pestizide verwendet werden müssen. Die mächtige Lobby der Saatguthersteller macht Druck auf die Regierungen.

«Der Deklarationsartikel, der das bäuerliche Saatgut anerkennt, sorgte innerhalb der Schweizer Regierung für die grössten Diskussionen», sagt Michelle Zufferey, Gewerkschaftssekretärin von Uniterre. «Deshalb freuen wir uns heute, dass die Schweiz den Bäuerinnen und Bauern ein positives Zeichen gegeben hat.» Bis Jahresende soll die Deklaration nun von der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York verabschiedet werden.

Medienmitteilung (PDF)

Kontakt:

Ester Wolf, HEKS , 076 481 06 01

Michelle Zufferey, Uniterre , 078 640 82 50

Grafiken

Bern/Luzern, 02. April 2018. «Werde Teil des Wandels»: Dazu rief die Ökumenische Kampagne der drei Entwicklungsorganisationen HEKS, Fastenaktion und Partner sein auf. Einen ersten Höhepunkt bot der Tag des Wandels am 22. Februar in Bern. Auch an Veranstaltungen mit den Kampagnengästen oder an Suppentagen stand das Thema des Wandels im Zentrum.

Unsere Art zu leben produziert Krisen, deshalb gilt es, vieles in Frage zu stellen. Doch Mensch gemachte Probleme kann Mensch auch lösen. Ein Wandel hin zum besseren ist möglich. In seiner Enzyklika Laudato si’ ruft Papst Franziskus in aller Dringlichkeit zu einem neuen Dialog darüber auf, wie die Zukunft des Planeten Erde gemeinsam zu gestalten sei. Die zentrale Frage: Was lässt sich gegen die systemische Krise tun? Politische Massnahmen, Rechtsreformen und technische Innovationen sind zwar wichtig und unumgänglich, aber sie genügen nicht. Denn sie sind fast alle mit einem Modell verbunden, das auf Konsum statt auf Genügsamkeit beruht, auf Konkurrenz statt auf Zusammenarbeit, auf Ausbeutung statt auf Respekt.

Es waren diese Themen, zu denen am Tag des Wandels der Aktivist und Buchautor Satish Kumar, die Ordensfrau und Professorin für Philosophie, Soeur Cécile Renouard und der Professor und ehemalige UNO-Sonderbeauftragte für Nahrung, Olivier de Schutter, sprachen. Workshops rund um die Transformation ergänzten die Tagung. Gross war das Interesse, kamen doch mehr als 200 Menschen aus der ganzen Schweiz nach Bern, um sich zu diesen grundsätzlichen Themen auszutauschen und gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln.

Den Wandel selbst gestalten

Die gute Nachricht: Es gibt zahllose Möglichkeiten, sich für ein System einzusetzen, das die Grenzen des Planeten respektiert. So zeigte auch die Kampagne von Fastenaktion, HEKS und Partner sein auf, was Bürgerinnen und Bürger tun können, sei dies auf politischer Ebene oder in lokalen Initiativen. Solidarische Landwirtschaft etwa bringt Bäuerinnen und Bauern Planungssicherheit und den Konsumierenden saisonales Gemüse auf den Teller. Lokale Tauschsysteme reduzieren den Neukauf von Produkten, «Zero Waste»-Initiativen zeigen, dass ressourcenschonender Konsum ohne Verzicht auf Genuss möglich ist.

Die Kampagnengäste Father Ceasar Henry, Theologe aus Indien, Gabriela Tejada, Honduras, Koordinatorin bei der Koalition zur Förderung der Agrarökologie (ANAFAE) und Alimata Traoré, Mali, Präsidentin von COFERSA, einem Zusammenschluss von Frauen in der Landwirtschaft, die sich für die Ernährungssicherheit einsetzen, gaben dem Wandel im globalen Süden ein Gesicht und leisteten mit ihren Berichten aus Indien, Honduras und Mali wichtige Sensibilisierungsarbeit. Denn es braucht eine universale Solidarität, um nachhaltige weltweite Veränderungen zu initiieren.

Mit den Suppentagen, der Aktion „Brot zum Teilen“, den zahlreichen Fastengruppen und dem Rosenverkauf an rund 400 Standorten in der ganzen Schweiz, konnten 15’000 Menschen direkt erreicht werden. Durch eine vielfältige Berichterstattung und breite Öffentlichkeitsarbeit erhöhte sich die Reichweite auf insgesamt 2 Millionen Menschen.

Als Neuheit wurde zusätzlich die Plattform «Join my challenge» lanciert, mit der auch noch nach dem Ende der Ökumenischen Kampagne 2018 die eigenen Gewohnheiten herausgefordert werden können, um die Welt zu verändern. Der Kabarettist Simon Enzler beispielsweise wird den ganzen April über zum Teilzeitselbstversorger werden und nur eigenen Fisch essen. Das Engagement für den Wandel muss weitergehen. Denn nur gemeinsam schaffen wir eine Welt, in der alle genug zum Leben haben.

Weitere Informationen und Hintergründe auf www.sehen-und-handeln.ch

Rückfragen und Interviews:

Colette Kalt, Kommunikationsverantwortliche, Fastenaktion, 079 352 38 04

Was alles zum grossen Wandel dazugehört und wie unsere Partnerinnen und Partner im Süden und Norden ihn verstehen:

Die Ökumenische Kampagne: Informieren, Handlungsmöglichkeiten zeigen, Spenden sammeln:

Seit 1969 arbeiten HEKS, die Entwicklungsorganisation der Evangelischen Kirchen der Schweiz, und Fastenaktion, das Hilfswerk der Katholikinnen und Katholiken, zusammen. Die Ökumenische Kampagne während der Fasten- oder Passionszeit ist zum Inbegriff der gelebten Solidarität und der ökumenischen Partnerschaft geworden. Seit 1994 beteiligt sich auch Partner sein, das Hilfswerk der christkatholischen Landeskirche. Jedes Jahr bringen die Werke gemeinsam ein entwicklungspolitisches Thema an die breite Öffentlichkeit. http://www.sehen-und-handeln.ch/

Bern / Luzern, 14. Februar 2018. Klimaerwärmung, soziale Ungleichheit, politische Spannungen: Die aktuellen Herausforderungen betreffen den ganzen Planeten. Um Wege aus dieser systemischen Krise zu finden, braucht es einen gesellschaftlichen Wandel. Unter dem Motto «Werde Teil des Wandels» zeigt die Ökumenische Kampagne 2018 von HEKS, Fastenaktion und Partner sein, wie vielfältig und genussvoll dieser aussehen kann.

Der Chef eines grossen Modekonzerns verdient in vier Tagen so viel wie eine Näherin in Bangladesch in ihrem ganzen Leben. Und für die Produktion von Palmöl, das in zahlreichen Lebensmitteln steckt, werden weite Flächen Regenwald abgeholzt und oft auch Menschen von ihrem Land vertrieben. Die beiden Beispiele illustrieren: Soziale Ungleichheit und globale Klimakrise verschärfen sich, als Folge nehmen auch politische Spannungen zu. Die Diagnose des Ökumenischen Rats der Kirchen ist klar: «Unsere Welt war nie wohlhabender und gleichzeitig ungerechter als heute».

Die zentrale Frage ist, was sich gegen die systemische Krise tun lässt, in der die Welt gefangen scheint. Politische Massnahmen, Rechtsreformen und technische Innovationen sind zwar wichtig und unumgänglich, aber sie genügen nicht. Denn sie sind fast alle mit einem Modell verbunden, das auf Konsum statt auf Genügsamkeit beruht, auf Konkurrenz statt auf Zusammenarbeit, auf Ausbeutung statt auf Respekt. Deshalb fordert die Ökumenische Kampagne eine umfassende «innere Transition»: den Wandel in Kopf, Herz und Hand von uns allen.

Den Wandel selbst gestalten

Die gute Nachricht ist: Es gibt zahllose Möglichkeiten, sich für ein System einzusetzen, das die Grenzen des Planeten respektiert. Unter dem Motto «Werde Teil des Wandels» zeigt die Kampagne auf, wie lokale Initiativen bereits alle Lebensbereiche durchdringen: Solidarische Landwirtschaft etwa bringt Bäuerinnen und Bauern Planungssicherheit und den Konsumierenden saisonales Gemüse auf den Teller. Lokale Tauschsysteme reduzieren den Neukauf von Produkten, «Zero Waste»-Initiativen zeigen, dass ressourcenschonender Konsum ohne Verzicht auf Genuss möglich ist. Und im globalen Süden, der am meisten unter den Systemkrisen leidet, setzen sich Partnerorganisationen von Fastenaktion und HEKS mit innovativen Projekten für nachhaltigen Wandel ein.

Die bunte Palette solcher Initiativen vereint der Tag des Wandels am 22. Februar in Bern. Dort bietet sich die Möglichkeit, mit internationalen Fachleuten wie Olivier De Schutter, dem ehemaligen UNO- Beauftragten für das Recht auf Nahrung, Cécile Renouard, Ordensfrau und Professorin für Philosophie und Wirtschaft, oder dem Aktivisten und Buchautor Satish Kumar zu diskutieren und an Workshops Themen zu vertiefen. Wer sich selbst – ob für die Dauer der Fastenzeit oder für immer – einem Wandel unterziehen will, kann dies auf lustvolle Art und Weise mit der Aktion Join my Challenge tun – und damit spielerisch der Lichtgestalt Mahatma Gandhi folgen, dessen Zitat heute treffender ist denn je: «Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst in dieser Welt».

Mediendossier mit weiteren Informationen und Hintergründen auf www.sehen-und-handeln.ch/medien

Rückfragen und Interviews:
Bernd Nilles, Geschäftsleiter Fastenaktion; 041 227 59 51
Bernard DuPasquier, Geschäftsleiter HEKS; 079 489 3824

Was alles zum grossen Wandel dazugehört und wie unsere Partnerinnen und Partner im Süden und Norden ihn verstehen:

Die Ökumenische Kampagne: Informieren, Handlungsmöglichkeiten zeigen, Spenden sammeln:

Seit 1969 arbeiten HEKS, die Entwicklungsorganisation der Evangelischen Kirchen der Schweiz, und Fastenaktion, das Hilfswerk der Katholikinnen und Katholiken, zusammen. Die Ökumenische Kampagne während der Fasten- oder Passionszeit ist zum Inbegriff der gelebten Solidarität und der ökumenischen Partnerschaft geworden. Seit 1994 beteiligt sich auch Partner sein, das Hilfswerk der christkatholischen Landeskirche. Jedes Jahr bringen die Werke gemeinsam ein entwicklungspolitisches Thema an die breite Öffentlichkeit. http://www.sehen-und-handeln.ch/

(Luzern/Bern, 9.11.2017) Am 6. November hat in Bonn die 2. Konferenz nach dem Pariser Klimaabkommen begonnen. Obwohl der vor dem Untergehen bedrohte Inselstaat Fidischi die Konferenz präsidiert, drohen die berechtigten Anliegen der betroffenen Menschen vergessen zu gehen. Fastenaktion und HEKS sind an der Konferenz präsent und begleiten Organisationen aus Brasilien und dem Kongo, um deren Anliegen Gehör zu verschaffen.

 

Vor 2 Jahren wurde in Paris das bislang wichtigste Klimaabkommen der Geschichte verabschiedet. Aber ambitionierte Emissionsziele, die die Bekenntnisse im Pariser Abkommen verbindlich umsetzen würden, lassen in der Schweiz weiter auf sich warten. Doch die Zeit drängt. Bereits in wenigen Jahren wird das 1,5 Grad-Ziel unerreichbar sein, denn aktuell befinden wir uns auf einem 3 – 6 Grad-Kurs, den grosse Teile der Menschheit nicht überleben können. Wie auch der Inselstaat Fidschi, der die diesjährige Konferenz präsidiert, denn das Inselreich droht unter dem steigenden Meeresspiegel zu versinken.

 

An Inselstaaten zeigt sich beispielhaft die besondere Verwundbarkeit vieler benachteiligter Menschen. Ihre Stimmen tragen Fastenaktion und HEKS an die Klimakonferenz. Denn das Schicksal der betroffenen Menschen steht nicht auf der Tagesordnung. Denn ihre Argumente und die der bedrohter Staaten erfordern ein mutiges Handeln. Doch diese Argumente drohen vor den lautstarken Debatten der Delegierten an den Verhandlungstischen unterzugehen. Nationale Eigeninteressen und Verhandlungstaktik sind weit wichtiger.

 

Die betroffenen Menschen ins Zentrum stellen

 

«Es geht um die Menschen, die unter dem Klimawandel leiden, aber nicht zu den Verursachern gehören,» betont Stefan Salzmann, Verantwortlicher für Klimafragen bei Fastenaktion, «deren Anpassung an den Klimawandel sollte im Zentrum stehen.» Seit Jahren ist die Anpassung bzw. die Adaptation ein wichtige klimapolitische Forderung von Fastenaktion und HEKS, da der Klimawandel für sie bereits heute eine Bedrohung darstellt. Zusammen mit Projektpartnern fördern die Entwicklungsorganisationen beispielsweise agrarökologische Anbaumethoden in von Dürren betroffenen Gebieten. An der Klimakonferenz engagieren sie sich dafür, dass Agrarökologie auch als politisches Argument Gehör findet.

 

Vielmehr als über Anpassung wird in Bonn über Minderung bzw. Mitigation gesprochen: Als Lösung des Klimaproblems werden immer mehr Projekte erneuerbarer Energieproduktion geplant. Gemeinsam mit der Partnerorganisation Uma Gota no Oceano aus Brasilien, vertreten durch die Leiterin Maria Paula Fernandes, bringen Fastenaktion und HEKS an der Klimakonferenz ein, dass soziale Aspekte bei der Energieproduktion wichtig sind. Ansonsten schaffen die Lösungsansätze neue Probleme – wiederum auf Kosten der Benachteiligten.

 

Aufmerksam werden Fastenaktion und HEKS auch die Positionen der Schweizer Delegation verfolgen, da die Schweiz erstmals als vollwertiges Mitgliedsland an der Klimakonferenz teilnimmt. Dazu Julia Jawtusch, Verantwortliche für Klima und Landwirtschaft bei HEKS: «Gefragt wäre eine profilierte und ambitionierte Klimapolitik, welche auch die Finanzierung der notwendigen Massnahmen, aber auch von Schäden und Verlusten, beinhaltet. Wie dies geschehen soll, steht hingegen noch in den Sternen.»

 

https://fastenaktion.ch/

http://www.bfa-ppp.ch/

 

Weitere Informationen: Stefan Salzmann, Fachverantwortlicher Klima und Energie (Kontakt bitte über die nachstehenden Personen) Matthias Dörnenburg, Mediensprecher, 079 759 90 22, doernenburg@fastenaktion.ch oder Colette Kalt, Fachverantwortliche Medien und Publikationen, 079 352 38 04, kalt@fastenaktion.ch

Am Freitag steht Frau Maria Paula Fernandes, Leiterin der Partnerorganisation Uma Gota no Oceano für Interviews zur Verfügung.

Abschluss der Ökumenischen Kampagne 2017

Bern/Luzern, 17. April 2017. – Land muss dem Leben dienen und nicht dem Profit, so die zentrale Aussage der diesjährigen Ökumenischen Kampagne der drei Entwicklungsorganisationen HEKS, Fastenaktion und Partner sein. Den Menschen darf nicht der Boden unter den Füssen weggezogen werden. Schweizweit fand das Anliegen in vielfältiger Weise Unterstützung.

Kaufen Investoren Land und legen grosse Plantagen an, verlieren die Bauern und Bäuerinnen den Zugang zu Land. Dabei ernährt die bäuerliche Landwirtschaft die Welt.

Die Familienbetriebe stellen 70 Prozent der weltweiten Nahrungsmittelproduktion sicher. Über 80 Prozent der ländlichen Bevölkerung in Entwicklungsländern hängen direkt von dieser kleinbäuerlichen Landwirtschaft ab. Diese Ernährungsbasis geht verloren, wenn zum Beispiel in Indonesien riesige Flächen gerodet und mit Ölpalmen bepflanzt werden, bei deren Finanzierung auch Schweizer Banken beteiligt sind. Solche Geschäfte sollen aufgegeben werden, fordern die drei Werke Fastenaktion, HEKS und Partner sein, denn «Land muss dem Leben dienen und nicht dem Profit».

Die anlässlich der Ökumenischen Kampagne lancierte Aktion „Neuland, geraubtes Land sichtbar machen“ stiess in Pfarreien und Kirchgemeinden auf grosses Interesse. Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben in der ganzen Schweiz in vielen Paletten gesät und gepflanzt. Entstanden ist ein buntes, vielfältiges Zeichen gegen den Verlust an fruchtbarem Land, das noch lange über die Kampagne hinaus sichtbar sein wird.

Die Kampagnengäste Kartini Samon aus Indonesien, Mitarbeiterin von GRAIN, Lali Naidoo, Direktorin der südafrikanischen Organisation ECARP, und Mamy Rakotondrainibe, Madagaskar, vom Collectif pour la défense des terres malgaches (TANY), waren vielgefragte Rednerinnen. Sie gaben dem Thema Land Grabbing ein Gesicht und leisteten mit ihren Berichten aus Indonesien, Südafrika und Madagaskar wichtige Sensibilisierungsarbeit.

Aktionen wie die Suppentage, „Brot zum Teilen“, die zahlreichen Fastengruppen, das Inputtheater „Gier“ oder der Rosenverkauf an rund 400 Standorten in der ganzen Schweiz, fanden grossen Zuspruch.

Als Neuheit wurde zusätzlich eine App konzipiert, mit der auch noch nach dem Ende der Ökumenischen Kampagne 2017 eine „digitale Rose“ verschenkt werden kann. Diese Solidarität und viele Spenden stärken die Projektarbeit der Werke im Süden und im Norden. Bischof Alvaro Ramazzini, Menschenrechtsaktivist aus Guatemala, zeigte sich von der Rosenaktion begeistert.

«Indem ich einer mir lieben Person eine Rose schenke, helfe ich einer anderen Person. Auch wenn diese Person und ich uns wahrscheinlich nie begegnen werden, kreuzen sich unsere Wege, das kreiert einen besonderen Moment.» – Bischof Alvaro Ramazzini

Der Dank von Bischof Alvaro Ramazzini richtet sich an die vielen Menschen in den Pfarreien und Kirchgemeinden, die mit ihrem Engagement und ihrer tatkräftigen Unterstützung die Ökumenische Kampagne 2017 zum Erfolg machten. Das brachte auch umfangreiche Spenden für die Projektarbeit der drei Entwicklungsorganisationen. Dank dieser Solidarität können HEKS, Fastenaktion und Partner sein ihre Partnerorganisationen im Süden unterstützen. Denn wie Lali Naidoo es formulierte: „Land Grabbing geht uns alle an. Deshalb ist die Kampagne so wichtig, denn erst wenn die Menschen wissen, was in den Ländern des Südens geschieht, können wir gemeinsam etwas dagegen unternehmen.“

Weitere Informationen: Colette Kalt, Fastenaktion, Kommunikationsverantwortliche,

079 352 38 04

Für Medien:

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Die Ökumenische Kampagne: Informieren, Handlungsmöglichkeiten zeigen, Spenden sammeln: Seit 1969 arbeiten HEKS, die Entwicklungsorganisation der Evangelischen Kirchen der Schweiz, und Fastenaktion, das Hilfswerk der Katholikinnen und Katholiken, zusammen. Die Ökumenische Kampagne während der Fasten- oder Passionszeit ist zum Inbegriff der gelebten Solidarität und der ökumenischen Partnerschaft geworden. Seit 1994 beteiligt sich auch Partner sein, das Hilfswerk der christkatholischen Landeskirche. Jedes Jahr bringen die Werke gemeinsam ein entwicklungspolitisches Thema an die breite Öffentlichkeit. www.sehen-und-handeln.ch