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Die Petition wurde am 27. April von Yvan Maillard, Brot für alle, an zwei Vertreter/innen der Nationalbank in Bern übergeben. Foto: Patrik Kummer/Brot für alle

Bern/Luzern, 30. April 2021. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) nimmt ihre klimapolitische Verantwortung nach wie vor nicht wahr. An der heutigen Online-Generalversammlung erklärte sie auf Fragen der Entwicklungsorganisationen HEKS und Fastenaktion bloss, sie beteilige sich am «internationalen Erfahrungsaustausch» im Rahmen eines Netzwerks von Zentralbanken, ohne jedoch konkrete Massnahmen zur Reduktion ihrer Klimawirkung zu benennen.

Am Mittwoch hatten die beiden Hilfswerke der Bank eine von 14’000 Personen unterzeichnete Petition übergeben, welche die SNB zum Ausstieg aus Investitionen in fossile Energien aufforderte (vgl. Medienmitteilung von heute Morgen). 

Die SNB teilte mit, dass sie dem Pariser Abkommen nicht unterstellt sei und dass das Schweizer CO2-Gesetz keine Vorschriften für ihre Anlagen beinhalte. Weiter betont sie, dass sie eine breite Diversifizierung der Anlagen anstrebe. Obwohl die Nationalbank behauptet, dass sie sich seit längerem intensiv mit dem Thema Klimawandel beschäftigt, hat sie bisher nur wenig getan: Die SNB hat Unternehmen aus ihrem Portfolio ausgeschlossen, die primär Kohleminen betreiben. Das sind aber nur fünf Unternehmen unter den 150 Unternehmen des SNB-Portfolios, die in fossilen Energien tätig sind. Diese fünf Unternehmen machen nur 0.1 Prozent der SNB-Investitionen in fossile Energien aus. 

So bleibt die SNB im Rückstand im Vergleich zu anderen Zentralbanken, die aus Klima- und Risikogründen Investitionen in fossile Energien abstossen – etwa die Banque de France und die Schwedische Bank, die vollständig aus Kohle, Erdöl und Erdgas aussteigen. Eine von der NGO «Positive Money» publizierte Studie bestätigt den Rückstand der SNB in Sachen Klimaschutz. Die Schweiz liegt im Rating deutlich hinter den Zentralbanken ihrer Nachbarländer. 

Auskünfte: 

  • Yvan Maillard Ardenti, HEKS; 079 489 3824;  
  • Matthias Dörnenburg, Fastenaktion; 041 227 59 21;

Die Petition wurde am 27. April von Yvan Maillard, Brot für alle, an zwei Vertreter/innen der Nationalbank in Bern übergeben. Foto: Patrik Kummer/Brot für alle

Bern/Luzern, 30. April 2021. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) soll aus Investitionen in fossile Energien aussteigen, die den Klimawandel anheizen. Dies fordern die Entwicklungsorganisationen Fastenaktion und HEKS mit einer von 14'000 Personen unterzeichneten Petition. Diese wurde der SNB am Mittwoch auf dem Berner Bundesplatz übergeben. Die Klimaverantwortung der SNB wird auch an der heutigen Generalversammlung der Bank ein Thema sein.

Mit einer von 13’929 Personen unterzeichneten Petition fordern deshalb die Entwicklungsorganisationen Fastenaktion und HEKS die SNB auf, alle Investitionen in fossile Energien umgehend abzustossen. Die Petition wurde am Mittwoch einem Vertreter der Nationalbank auf dem Berner Bundesplatz übergeben. Die Hilfswerke werden die Klimaverantwortung der SNB auch an der heutigen Online-Generalversammlung (GV) zum Thema machen und die Bank mit entsprechenden Fragen zu deren Anlagestrategie konfrontieren.

SNB hinkt hinterher

Mit ihrer Investitionsstrategie steht die SNB in Widerspruch zu eigenen Anlagerichtlinien. Diese schreiben vor, dass die Bank auf Investitionen verzichten muss, die «grundlegende Menschenrechte massiv verletzen oder systematisch gravierende Umweltschäden verursachen». Im Rahmen der diesjährigen Ökumenischen Kampagne zeigten HEKS und Fastenaktion unter dem Motto «Klimagerechtigkeit – jetzt!» auf, dass vor allem ärmere Menschen im globalen Süden die Folgen der Klimaerhitzung, etwa mehr Wirbelstürme oder längere Dürren, schon heute als Verletzung ihrer Menschenrechte erleben – ausgerechnet jene Menschen also, die kaum etwas zur Klimakrise beitragen.

Die von der Organisation Campax mitunterstützte Petition fordert die SNB deshalb auf, ihre Vorbildfunktion wahrzunehmen und mit dem Ausstieg aus fossilen Energien einen Beitrag zu mehr globaler Klimagerechtigkeit zu leisten. Als einer der weltweit grössten institutionellen Investoren hätte die SNB dafür noch viel Potenzial: Zwar gab die Bank im Dezember 2020 bekannt, Unternehmen aus ihrem Portfolio auszuschliessen, die primär Kohleminen betreiben. Das ist aber nur ein kleiner Schritt, weil 99.9 Prozent der Investitionen in fossile Energien davon unberührt bleiben.

Andere Zentralbanken sind weiter und steigen aus Klima- und Risikogründen aus fossilen Energien aus. Um in Übereinstimmung mit dem Klimaabkommen von Paris zu sein, plant etwa die Banque de France bis 2024 den vollständigen Ausstieg aus der Kohle und den Ausschluss von Öl- und Gasunternehmen aus ihrem Portfolio. Eine Ende März von der NGO «Positive Money» publizierte Studie bestätigt den Rückstand der SNB in Sachen Klimaschutz. Die Schweiz liegt im Rating deutlich hinter den Zentralbanken ihrer Nachbarländer, aber auch hinter den entsprechenden Instituten der EU, Grossbritanniens, Brasiliens und Chinas.

Weitere Informationen

Auskünfte:

  • Yvan Maillard Ardenti, HEKS, 079 489 38 24,
  • Matthias Dörnenburg, Fastenaktion, 041 227 59 21,

Stefan Salzmann ist Programmverantwortlicher für Energie- und Klimagerechtigkeit bei Fastenopfer und Co-Präsident der Klima-Allianz Schweiz. Von 2010 bis 2012 arbeitete der Geograf und Volkswirtschafter für ein Energieprojekt im Pamirgebirge in Tadschikistan. Heute lebt er mit seiner Familie in Hinteregg, seine Freizeit verbringt er am liebsten in den Bergen.

Die reiche Schweiz kann und muss ihre Treibhausgasemissionen rasch und sozialverträglich reduzieren, sagt Klimaspezialist Stefan Salzmann.

Wo steht die Schweiz derzeit in Bezug auf das Pariser Klimaabkommen?

Im Moment stehen wir diesbezüglich in einer Warteposition, da das neue CO2-Gesetz noch einem Referendum unterstellt ist. Dieses Gesetz, das im Herbst 2020 vom Parlament verabschiedet wurde, verlangt für die Schweiz eine Reduktion des CO2-Ausstosses um mindestens 50 Prozent. 37,5 Prozent der Einsparungen müssten im Inland erfolgen, der Rest kann im Ausland kompensiert werden. Langfristig soll die Schweiz ab 2050 nicht mehr Treibhausgase in die Atmosphäre ausstossen, als durch natürliche und technische Speicher wiederaufgenommen werden. Nach aktuellem Kenntnisstand der Wissenschaft reichen diese Klimaziele nicht, um die im Pariser Abkommen angestrebte Beschränkung der Klimaerwärmung auf 1,5 Grad zu erreichen. Die Folgen sind ungewiss – irreversible Schäden wie zum Beispiel das Absterben von Korallen werden eintreten. Die wohlhabende Schweiz verfügt über die notwendigen Mittel und trägt gemäss Pariser Abkommen mehr Verantwortung als andere Länder. Sie muss deshalb schneller reduzieren und vorangehen.

Wie lauten demnach die Forderungen der Klima-Allianz Schweiz?

Die Klima-Allianz Schweiz, in der rund hundert Organisationen, darunter auch HEKS und Fastenaktion, zusammengeschlossen sind, fordert bis 2030 eine Reduktion der Treibhausgasemissionen im Inland um 60 Prozent gegenüber 1990. Die Klima-Allianz hat dafür einen Klimamasterplan für die Schweiz ausgearbeitet, der die notwendigen Massnahmen auflistet und zeigt, dass diese umsetzbar sind. Wenn man auf diesem Pfad weiterdenkt, erreichen wir um das Jahr 2040 das Ziel Netto-Null.

Was bedeutet das genau?

Netto-Null heisst, unter dem Strich werden nicht mehr Treibhausgas-Emissionen ausgestossen, als durch sogenannte Senken wieder kompensiert werden können. In der Schweiz nimmt zum Beispiel die Waldfläche zu, dadurch wird CO2 gebunden. Das kann als negative Emissionen angerechnet werden, was weiterhin einen minimalen Ausstoss an Treibhausgasen erlauben würde. Es gibt allerdings Modellrechnungen, die implizieren, dass man in Zukunft CO2 aus der Luft saugen und im Boden binden kann. Solche künftigen Technologien werden kaum je in grossem Stil zum Einsatz kommen und sollten genauso wenig in die Netto-Null-Rechnung einbezogen werden wie die Kompensation von Treibhausgasemissionen durch die Finanzierung von Aufforstungen im Ausland. Dies, weil langfristig alle Länder weltweit das Klimaziel Netto-Null erreichen müssen und ergo nichts mehr verkaufen können. Das heisst: Wir können unsere Hausaufgaben nicht exportieren – wir müssen das Klimaziel Netto-Null im Inland erreichen, ganz ohne im Ausland erkaufte Senken. Wenn dies bereits vor 2040 gelingt, umso besser; Je länger man mit der Umsetzung wartet, desto teurer wird es.

Der Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen ist die zentrale Forderung der Klimapolitik – gleichzeitig muss dieser Ausstieg auch sozialverträglich sein.

Diese Zielsetzung ist eine wichtige Motivation für das klimapolitische Engagement der Fastenaktion und HEKS. Die sozialen Aspekte sind Teil des angestrebten Wandels und müssen mitgedacht werden. Der Begriff Klimagerechtigkeit steht für unsere Forderung nach einer sozialgerechten Umsetzung der Klimapolitik. Diese hat eine zeitliche wie eine internationale Komponente: Es geht darum, den Planeten sowohl für künftige Generationen wie für Menschen in Regionen, die von den Auswirkungen des Klimawandels besonders stark betroffen sind, zu schützen. Für uns steht Gerechtigkeit, vor allem gegenüber den Menschen im globalen Süden, im Zentrum. Das führt unweigerlich dazu, dass wir über unseren Energiekonsum respektive über unseren ökologischen Fussabdruck nachdenken müssen. Dies, weil eine gerechte
Klimapolitik nicht davon ausgehen kann, dass die ganze Welt so viel Energie verbraucht, wie wir das gegenwärtig in reichen Ländern tun.

Jocelyn Verano in ihrem zerstörten Haus. Taifune treten auf den Philippinen aufgrund des Klimawandels immer stärker und öfters auf. Bild: Bob Timonera
Das heisst, wir müssen auf Dinge verzichten?

Ich glaube tatsächlich, dass es ohne Verzicht nicht geht. Das muss aber nicht unbedingt negativ konnotiert sein. Der Verzicht auf eine Flugreise heisst nicht, dass ich daheim in meiner Stube hocken bleibe. Corona hat gezeigt: Plötzlich machen alle Ferien in der Schweiz – und finden es schön. Man arbeitet im Home-Office, der Velohändler erzielt Rekordumsätze. In diese Richtung muss man denken und auch die Potenziale eines solchen Wandels erkennen. Die Schweiz als reiches Land und wir als Individuen mit einem grossen Fussabdruck tragen hier eine Verantwortung.

Weshalb müssen ausgerechnet wir die Verantwortung für die Folgen des Klimawandels am anderen Ende der Welt übernehmen?

Weil unser Fussabdruck um ein Vielfaches höher ist als jener der Mehrheit der Menschen, die bereits akut vom Klimawandel betroffen sind. Zudem gibt es eine historische Dimension der Verantwortung: Unser heutiger Wohlstand in der Schweiz basiert unter anderem auf der Industrialisierung und der Nutzung fossiler Energien. Das heisst, wir haben über die letzten hundert Jahre riesige Mengen von Treibhausgasemissionen verursacht. Das bringt uns in die Verantwortung, jetzt auch schneller zu reduzieren als andere, die weniger zur Klimaerwärmung beigetragen haben.

Wie können wir die notwendige Beschleunigung bei der Treibhausgasreduktion erreichen?

In den letzten zwei Jahren hat die Klimajugend den Anliegen der Klimabewegung in der Schweiz enormen Rückenwind verschafft. Wir müssen uns nicht mehr ständig darum bemühen, Verschlechterungen abzuwehren, man kann in der Klimapolitik auch wieder gestalten, die Erfolgschancen sind gestiegen. Das verbesserte CO2-Gesetz ist ein erster Schritt, wir brauchen aber weitere Schritte. Das können wir schaffen, indem wir die Potenziale einer klimafreundlichen Entwicklung aufzeigen. Zur Sensibilisierung tragen aber auch besorgniserregende Ereignisse wie Hitzesommer, ausbleibender Schnee oder zunehmender Steinschlag in den Bergen bei. Hierzulande führt das jedoch kaum zu existenziellen Bedrohungen. Ganz anders die Situation etwa in jenen philippinischen Küstendörfern, wo Stürme und der ansteigende Meeresspiegel die Menschen zum Wegzug in die Slums der Grossstädte zwingen. Das sind Realitäten, die sich in der Schweiz kaum jemand vorstellen kann. Hierzulande haben wir die Mittel, uns vor Unwettern zu schützen und die Folgen des Klimawandels aufzufangen. Dank der Verfügbarkeit von fossilen Energien haben wir über Jahrzehnte unseren Wohlstand aufgebaut. Umso wichtiger ist es, dass wir in der Schweiz gegenüber den vom Klimawandel bedrohten Menschen im globalen Süden unsere Verantwortung wahrnehmen und entsprechend handeln. — Interview: Gabriela Neuhaus

Das Leben auf Klimakurs bringen

Bern/Luzern, 2. Februar 2021. Die KlimaGespräche stossen trotz der Corona-Krise auf Anklang. 2020 hat die aus England stammende Methode mehr als 200 Menschen in der ganzen Deutschschweiz dabei unterstützt, ihr Leben auf Klimakurs zu bringen und ihren CO2-Ausstoss zu reduzieren. Nun gehen die KlimaGespräche mit 27 neuen Moderatorinnen und Moderatoren an acht Orten und auch Online in die nächste Runde.

Viele Schweizerinnen und Schweizer machen sich Sorgen über den Klimawandel. Trotzdem sind die wenigsten bereit, ihren Lebensstil anzupassen und etwa auf das Auto, die Ferienwohnung, exotische Lebensmittel oder ein neues Handy zu verzichten. Dies zu ändern, ist das Ziel der KlimaGespräche. Die in Grossbritannien entwickelte Methode vereint technische und psychologische Aspekte und setzt auf die Dynamik und Unterstützung der Gruppe. Mit Erfolg: Untersuchungen zeigen, dass Menschen dank der KlimaGespräche ihren CO2-Ausstoss innert fünf Jahren um die Hälfte verringern konnten.

Die Methode wird inzwischen in zahlreichen Ländern wie Frankreich, Grossbritannien, Holland und Kanada erfolgreich angewandt. 2019 lancierten HEKS und Fastenaktion die KlimaGespräche, die vom Bundesamt für Umwelt und verschiedenen Städten und Kantonen unterstützt werden, auch in der Deutschschweiz. Im vergangenen Jahr haben mehr als 200 Personen von St. Gallen über Zürich und Basel bis ins Wallis daran teilgenommen. Zudem wurden auch vier Online-Gespräche durchgeführt.

Wer an den KlimaGesprächen teilgenommen hat, kann sich im Anschluss selber zum Moderator oder zur Moderatorin ausbilden lassen. Dank 27 neu ausgebildeten Moderatorinnen und Moderatoren sollen mit einer neuen Serie von KlimaGesprächen auch 2021 möglichst viele Personen an acht Orten in der Deutschschweiz erreicht werden. Auch Online gibt es erneut mehrere Angebote.

Information allein reicht nicht 

«Die KlimaGespräche setzen dort an, wo die Wissensvermittlung aufhört», sagt Daniel Wiederkehr, Verantwortlicher für die KlimaGespräche in der Deutschschweiz. Denn die Erfahrung der letzten Jahre zeige deutlich, dass Informationen über den Klimawandel allein nicht genügen, um Menschen zu Verhaltensveränderungen zu bewegen. «Es braucht die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema», sagt Wiederkehr. In Gruppen zu sechs bis zehn Personen und unter der Leitung von jeweils zwei ModeratorInnen analysieren die Teilnehmenden im Rahmen von sechs Gesprächsrunden die eigenen Gewohnheiten in den Bereichen Wohnen, Mobilität, Ernährung und Konsum und deren Folgen fürs Klima. Zudem setzen sie sich in den Gesprächen damit auseinander, wie sie auch ihr Umfeld für einen nachhaltigen Lebensstil sensibilisieren können.   

Gleichzeitig werden innere Prozesse wie Ängste und Motivation beleuchtet, die eine langfristige Verhaltensänderung erschweren können. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Widerständen und der Austausch in der Gruppe helfen, das Gefühl der Machtlosigkeit zu überwinden und zu einem Lebensstil zu finden, der eine langfristige Reduktion der CO2-Emissionen ermöglicht. «Die KlimaGespräche öffnen die Augen: Zusammenhänge werden klarer und ich komme auf Ideen, was ich als Einzelperson gegen den Klimawandel tun kann», fasst eine Teilnehmerin ihre Erfahrungen zusammen. «Wer etwas ändern möchte und den Dreh nicht schafft, ist hier genau richtig. Informationen und Austausch in einer guten Mischung, Ermutigung und gemeinsames Nachdenken bringen einen weiter», sagt eine andere Teilnehmerin.

 

Anmeldung und mehr Informationen: www.sehen-und-handeln.ch/klimagespraeche 

Rückfragen und Auskünfte:

  • Pascale Schnyder, HEKS; schnyder@bfa-ppp.ch; 076 562 30 88
  • Daniel Wiederkehr, Fastenaktion; wiederkehr@fastenaktion.ch; 079 402 43 28

Gedenkfeier am Trientgletscher

Luzern/Bern, 30. Dezember 2020. Am 1. Januar 2021 beginnt die Laufzeit des Klimaabkommens von Paris. In der Verantwortung stehen die Vertragsstaaten des Abkommens. Dieses erteilt jedem Land den Auftrag, nationale Klimaziele zu erlassen und diese alle fünf Jahre zu verschärfen. Die Hilfswerke Fastenaktion und HEKS verbinden mit dem effektiven Startpunkt des Abkommens auch Hoffnung.

Die Klimakrise ist schon heute vielerorts traurige Realität. So berichtete MeteoSchweiz am 21. Dezember 2020 vom erneuten Rekordwärme-Jahr. Im September 2020 wurde eine Gedenkfeier für die in der Schweiz bereits verschwundenen Gletscher gehalten. Und für viele Menschen in Afrika, Asien, Lateinamerika und Ozeanien ist die Klimakrise Alltag. In Armut lebende Menschen sind am stärksten betroffen, da ihnen die Mittel fehlen, sich an neue Lebensumstände anzupassen. Partnerorganisationen von Fastenaktion und HEKS berichten von immer häufigeren und stärkeren Wetterkatastrophen, welche die Existenzen in ganzen Regionen zerstören. Anhaltende Dürren gefährden das Recht auf Nahrung, steigende Meeresspiegel zwingen Menschen zur Umsiedlung. 

In den meisten reichen Ländern, wie der Schweiz, geht mit 2020 ein weiteres Jahr der kleinen Schritte zu Ende. Angesichts der Herausforderungen ist das fahrlässig, irrational und deutet auf kurzfristige Denkmuster hin. Mit jedem Jahr sinkt der Handlungsspielraum. Je später wir handeln, desto schwieriger und teurer wird der Kampf gegen die Klimakrise und ihre Folgen.  

Die Zeit drängt

Es ist bereits jetzt klar: Verschärfungen der heutigen Klimaziele werden notwendig sein, denn im Moment führen die noch nicht umgesetzten Versprechen der Länder zu einer Erwärmung zwischen 3 bis 4 Grad, statt der 1.5 bis 2 Grad, wie sie das Abkommen vorgibt. Die nationale Politik muss jetzt handeln. Und dass sie handeln kann, hat sie in der Corona-Pandemie bewiesen. Noch fehlt das Verständnis für das Ausmass der Bedrohung durch die Klimakrise, da sie schleichend fortschreitet. Die Zeit bis 2030 wird entscheidend sein – bis dahin müssen substanzielle Reduktionen der CO2-Emissionen auf globalem Niveau erreicht sein. Reichen Volkswirtschaften mit gut ausgebildeten Menschen kommt hierbei eine grosse Verantwortung zu.

So auch der Schweiz. Das revidierte CO2-Gesetz ist gut, aber nicht gut genug. Es sind dringend weitere Schritte zur Umsetzung des Abkommens notwendig, wie die Dekarbonisierung des Schweizer Finanzplatzes und den Verbrauchsstopp von fossilen Brenn- und Treibstoffen bis spätestens 2040. Damit dies möglich ist, muss das Parlament noch in dieser Legislatur handeln. HEKS und Fastenaktion fordern die Umsetzung der Gletscherinitiative in einem indirekten Gegenvorschlag auf Gesetzesebene um den Prozess zu beschleunigen. Die Schweiz und die internationale Klimapolitik sind in der Pflicht. Der 1. Januar 2021 ist hierfür ein symbolisch wichtiger Tag – denn jetzt tritt das Pariser Klimaabkommen in Kraft. Das Abkommen konsequent umzusetzen ist die Lösung für die Klimakrise und lebensnotwendig für viele Menschen auf der Welt.

Kontakt:

Stefan Salzmann, 
Co-Präsident Klima-Allianz Schweiz, Klimaverantwortlicher Fastenaktion, 041 227 59 53 (wird auf Handy umgeleitet)

Yvan Maillard-Ardenti, 
Klimaverantwortlicher HEKS, 079 380 65 73

Bildnachweis: Meinrad Schade (Headerbild und Vorschaubild)
Soeur-Nathalie

Sœur Nathalie Kangaji ist Rechtsanwältin in der kongolesischen Minenstadt Kolwezi
und leitet die juristische Beratungsstelle des «Centre d’aide juridico-judiciaire»,
einer Partnerorganisaton von HEKS und Fastenaktion.

Kongolesische Juristin hofft auf die KVI

Die Demokratische Republik Kongo (DRK) birgt eine Vielzahl natürlicher Ressourcen und strategisch wichtiger Mineralien, dazu gehören insbesondere Kupfer und Kobalt.

Kobalt wird für die Herstellung von wiederaufladbaren Batterien für Smartphones und Elektrofahrzeuge benötigt und ist daher heute der begehrteste Rohstoff der Welt. Deshalb sind die Kupfer- und Kobaltminen und ihre Aktivitäten zu unentbehrlichen Pfeilern der Wirtschaft geworden.

Die Region Lualaba ist in Bezug auf den Bergbau für die DRK äusserst wichtig. Dies zeigt sich auch an den bedeutenden Kupfer- und Kobaltminen in dieser Region. In der Tat verfügt sie über fast die Hälfte der weltweiten Kobaltreserven. Paradoxerweise steht der unermessliche Reichtum dieser Minen im Gegensatz zur extremen Armut der lokalen Bevölkerung, die von den Bergbauaktivitäten kaum profitiert. Man müsste sich also fragen, wie die Einnahmen aus der Kobaltgewinnung für eine echte Entwicklung dieser Provinz und speziell der umliegenden Gemeinden genutzt werden könnten. 

In dieser Provinz Lualaba liegt auch Kolwezi, einer der Orte mit den grössten Kobaltvorkommen der Welt. Es ist kein Zufall, dass sich Mutanda Mining und Kamoto Copper Company, zwei Tochtergesellschaften von Glencore, hier niedergelassen haben. Die Minenaktivitäten folgen dabei der wirtschaftlichen Logik, dies oft zum Nachteil der lokalen Bevölkerung. Denn der Bergbau bedeutet immer Risiken für Umwelt und Gesundheit der Bevölkerung.

Gefährliche Minenaktivitäten

Tatsächlich zahlen die direkt betroffenen lokalen Gemeinschaften einen hohen Preis. Sie leiden unter Wasser-, Luft- und Bodenverschmutzungen – sowie deren Folgen für die Gesundheit. Hinzu kommen weitere Vorfälle, die die Menschenrechte verletzen. Oder der Unfall eines Lastwagens, der im Auftrag einer der Tochterfirmen von Glencore Säure transportierte. Er kippte auf der Strasse nach Kolwezi in der Nähe des Dorfes Kabwe, was im Februar 2019 zahlreiche Schwerverletzte und 21 Todesopfer forderte.

Angesichts dieser gravierenden Auswirkungen auf die umliegenden Gemeinden und die Umwelt, stellt sich die wichtige Frage der Haftung der Konzerne. Das kongolesische Recht sieht zwar vor, dass Minenbetreiber die durch sie verursachten Schäden ersetzen müssen, in der Realität sieht es leider anders aus. Denn in der Praxis verhalten sich multinationale Konzerne wie Herrscher.

So wird im Fall eines Unfalles oft jegliche Sorgfalt missachtet. Bei sichtbaren Schäden, zum Beispiel durch von Giftmüll verunreinigtes Wasser, kontaminierte Böden, geschädigte Ernten oder wenn gar Menschenleben betroffen sind, verlangen die Minen zuerst wissenschaftliche Beweise. Danach reden die Bergbaukonzerne die Fakten klein oder leugnen sie ganz und verweigern jegliche Wiedergutmachung. Noch komplizierter wird das Problem, wenn die Auswirkungen unsichtbar oder latent sind.

Gesetze greifen nicht

Die Wiedergutmachung durch eine gütliche Einigung, wie sie im kongolesischen Bergbaugesetz vorgesehen ist, erweist sich, angesichts des Widerstands der multinationalen Konzerne, für die Opfer oft als schwierig. Als einzige Möglichkeit bleibt der juristische Weg, um Druck auszuüben.

Wir haben noch kein starkes Rechtssystem. Das Land kämpft nach wie vor für eine faire und unabhängige Justiz. Unser Justizsystem leidet noch an weiteren Übeln, dazu gehört Korruption. Daher ist ein faires Gerichtsverfahren gegen multinationale Konzerne schwierig.

Aus diesem Grund unterstütze ich die Konzernverantwortungsinitiative voll und ganz und lade alle Schweizerinnen und Schweizer guten Willens ein, dafür zu stimmen. Die Initiative gibt den Opfern die Möglichkeit, ihre Klage in der Schweiz einzureichen. Dadurch erhalten sie die Chance auf eine faire Wiedergutmachung für erlittene Schäden.

Bedenken Sie, dass die wirtschaftliche Macht der multinationalen Konzerne in einem Land mit einer schwachen Justiz grosses Gewicht hat. Sie kann dazu benutzt werden, das Recht zu instrumentalisieren. Deshalb stellt sich unser Justizsystem oft in den Dienst der Stärksten, der Vermögenden.

Chance für Prävention und Justiz

In Bergbaugebieten bereiten die Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung grosse Sorgen. Es ist empörend festzustellen, dass einzig wirtschaftliche Interessen zählen – auf Kosten von Menschenleben. Keine Behörde und kein Konzern übernimmt die Verantwortung und beachtet den Zustand der Umwelt und noch weniger den Gesundheitszustand der von den Minenaktivitäten direkt betroffenen Bevölkerung.

Wenn nicht rechtzeitig verantwortungsvolle Präventionsmassnahmen ergriffen werden, wirken sich die Minenaktivitäten negativ auf die Gesundheit der Bevölkerung aus. Die Initiative wäre solch eine Massnahme, damit Glencore seine Tochterunternehmen Mutanda Mining und Kamoto Copper Company aufgrund seiner Sorgfaltspflicht in Bezug auf die Einhaltung der Menschenrechte und den Schutz der Umwelt überwacht. So gesehen ist die Konzernverantwortungsinitiative eine Präventionsmassnahme im Bereich der öffentlichen Gesundheit zugunsten der Menschen im globalen Süden, die von diesen Aktivitäten betroffen sind.

Die Konzernverantwortungsinitiative wird die Entstehung einer effizienten und fairen Justiz für alle ermöglichen. Dies, weil die Schweiz zu den Ländern gehört, die in Menschenrechtsfragen sehr weit fortgeschritten sind, und weil die Menschenrechtsinstitutionen dort ihren Sitz haben. Zudem könnte allen Parteien zugesichert werden, dass das Recht auf einen fairen Prozess garantiert ist.  

 

Soeur Nathalie Kangaji auf die Frage, wie die Konzern-Initiative den Menschen im Kongo helfen könnte.

Webreport: Im Schatten des Kobaltbooms

Lesen Sie dazu auch unseren Webreport „Im Schatten des Kobaltbooms“

Ihre Spende ist wichtig

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Bern/Luzern, 21. Oktober 2020. Die Kupfer- und Kobaltminen des Schweizer Rohstoffkonzerns Glencore in der Demokratischen Republik Kongo bergen erhebliche Risiken für Umwelt und Menschen in ihrem Umfeld. Ein neuer Bericht von HEKS und Fastenaktion zeigt, wie schwierig es für Geschädigte in einem Land mit schwachen staatlichen Institutionen ist, zu ihrem Recht zu kommen. Abhilfe könnte künftig die Konzernverantwortungsinitiative schaffen, über die in einem Monat abgestimmt wird.

Im Februar 2014 überquerte der 23-jährige Mutombo Kasuyi das Gelände der Kupfer- und Kobaltmine KCC, die dem Schweizer Rohstoffkonzern Glencore gehört. Dabei wurde er von einer Sicherheitspatrouille der Mine festgenommen und kurz danach in ein Spital in Kolwezi gebracht, wo ein Arzt seinen Tod feststellte. Mutombos Familie erstattete sofort Strafanzeige; zwei Obduktionen ergaben, dass Mutombo wahrscheinlich durch Gewalt zu Tode gekommen war. Trotzdem wurden in einem ersten Gerichtsverfahren zwei angeklagte Sicherheitskräfte freigesprochen.

Die zweite Instanz wies das Verfahren aber zurück, da der Prozess nicht rechtskonform gewesen sei: Die Mitglieder der KCC-Sicherheitspatrouille hatten sich widersprochen, und wichtige Beweisstücke waren unter mysteriösen Umständen verschwunden oder ignoriert worden. Das war vor drei Jahren, doch seither ist nichts mehr geschehen. Anfang 2020 wurde schliesslich klar, dass der entscheidende Rückweisungsentscheid plötzlich aus den Akten verschwunden war. Mutombos Familie wartet also seit über sechs Jahren auf ein rechtskräftiges Urteil und auf Klarheit über die Ereignisse vom Februar 2014.

Keine Garantie auf fairen Prozess

Die Entwicklungsorganisationen Fastenaktion und HEKS haben diese Justizgeschichte aus der Demokratischen Republik Kongo (DRK) in ihrem neusten Bericht minutiös recherchiert. Der Fall zeigt exemplarisch auf, wie schwierig der Zugang zur Justiz in Ländern mit schwachen staatlichen Institutionen wie der DRK sein kann. Und er illustriert, dass in solchen Staaten das Recht auf einen fairen Prozess nicht garantiert ist.

Abhilfe würde die Konzernverantwortungsinitiative schaffen. Denn die mutmasslichen Täter waren entweder direkt bei der Glencore-Tochter KCC angestellt oder standen unter deren operationeller Aufsicht. Somit wäre zu prüfen, ob der Sachverhalt unter die Haftungsklausel der Vorlage fallen würde, über die am 29. November abgestimmt wird. Die Initiative könnte Opfern wie Mutombos Familie künftig den Weg zum Recht in der Schweiz ebnen, wo sie (möglicherweise) eine zivile Haftungsklage gegen Glencore einreichen könnte.

Toxische Risikoauslagerung

Der jüngste Bericht ist der fünfte von HEKS und Fastenaktion über die Tätigkeit von Glencore in der DRK seit 2011. Neben dem Fall von Mutombo Kasuyi dokumentiert er den tragischen Unfall eines Tanklastwagens mit Schwefelsäure in der Nähe von Kolwezi im Februar 2019, bei dem 21 Menschen starben und sieben Personen teilweise schwer verletzt wurden. Die Säure war für Glencores Mutanda-Mine bestimmt, der Konzern hatte aber den Transport an ein anderes Unternehmen ausgelagert. Dieses beauftragte einen weiteren Subunternehmer, welcher den Transport wiederum an einen privaten Lastwagenbesitzer delegierte.

Diese Risikoauslagerung über drei Stufen hatte zur Folge, dass im konkreten Schadenfall niemand haften wollte: Der Lastwagenbesitzer hatte sein Fahrzeug nicht versichert und tauchte nach dem Unfall unter. Erst anderthalb Jahre später, als Fastenaktion und HEKS bereits über den Fall recherchierten, bot der Eigentümer des Lastwagens über seine Anwälte einem Teil der Opfer Entschädigungen an. Glencore wiederum muss sich die Frage gefallen lassen, ob der Konzern alles unternommen hat, um sicherzustellen, dass alle in seiner Lieferkette für Chemikalientransporte verwendeten Fahrzeuge mit einer Versicherung gedeckt waren.

Verhandlung vor Milo Raus Kongo-Tribunal

Der Unfall des Schwefelsäuretransporters ist einer der Fälle, die im neuen Kongo-Tribunal des Schweizer Regisseurs und Autors Milo Rau verhandelt werden. Am kommenden Sonntag, 25. Oktober, werden die Ergebnisse dieser «Kolwezi Hearings» zu einer Reihe von Menschrechtsverletzungen, Fällen von Umweltverschmutzung und Korruption in der Bergbauregion von Kolwezi im Schiffbau des Zürcher Schauspielhauses zusammengefasst und debattiert.

Material zum Download:
Fotos und Grafik, Zusammenfassung des Berichts, Vollversion des Berichts

Auskünfte: Nina Burri, HEKS, +41 79 489 38 24;

Bern. 09.10.2020. Die Erdöl-Lobby, unterstützt von der SVP, gab heute bekannt, das Referendum gegen das neue CO2-Gesetz zu ergreifen. Die Klima-Allianz Schweiz, mit über 90 Organisationen der Zivilgesellschaft, steht hinter dem CO2-Gesetz. Sie wird sich im Abstimmungskampf entschieden für diese längst fällige Weichenstellung in der Klimapolitik engagieren. Das Gesetz ist das Produkt eines langen parlamentarischen Prozesses mit breitem Konsens.

Mit dem in der Herbstsession verabschiedeten Klimagesetz werden die Weichen gestellt für einen Klimaschutz im Sinne des Pariser Klimaabkommens, dem sich auch die Schweiz verpflichtet hat. «Im Falle einer Annahme dieses Erdöl-Referendums, wäre die Schweizer Klimapolitik für mehrere Jahre komplett blockiert», sagt Christian Lüthi, Geschäftsleiter der Klima Allianz Schweiz, und fügt an: «Die Autoverkäufer und die Ölindustrie, in deren Verbänden die SVP stark vertreten ist, verstecken ihre eigenen Wirtschaftsinteressen hinter vermeintlich negativen Auswirkungen auf den Mittelstand.» Das neue CO2-Gesetz legt wichtige und sozialverträgliche Massnahmen für Sektoren fest, die bisher gar keine Massnahmen hatten, wie die Luftfahrt und der Finanzplatz.

Die Klima-Allianz Schweiz umfasst zahlreiche Umweltorganisationen, sowie auch Organisationen aus dem Gesundheitsbereich, aus der Entwicklungszusammenarbeit und Verbänden wie Casafair, der sich für nachhaltiges Bauen und Wohnen engagiert. «Im CO2-intensiven Gebäudebereich macht das neue CO2-Gesetz endlich Nägel mit Köpfen. Verantwortungsvolle Eigentümer*innen sind sich der Dringlichkeit für wirkungsvolle gesetzliche Massnahmen bewusst und unterstützen den Ausstieg aus fossilen Heizungen», sagt Kathy Steiner von Casafair.

Das Verursacherprinzip und der soziale Ausgleich werden im neuen Gesetz ernst genommen. «Das CO2-Gesetz stellt die Weichen für einen gerechten Klimaschutz. Aus einer globalen Perspektive sind die neuen Instrumente des CO2-Gesetzes ein wichtiger Schritt in Richtung Klimagerechtigkeit», sagt Stefan Salzmann der Fastenaktion und Co-Präsident der Klima Allianz Schweiz.

«Das CO2-Gesetz ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Es schafft die dringend nötigen Grundlagen für einen effektiven Klimaschutz, für den wir uns als Allianz – auch über das CO2-Gesetz hinaus – einsetzen werden», betont Christian Lüthi.

Zur Klima-Allianz

Die Klima-Allianz Schweiz wurde 2004 gegründet und ist ein Bündnis zivilgesellschaftlicher Organisationen für den Klimaschutz. Auch Fastenaktion und Bot für alle sind Teil davon. Mit ihren über 90 Mitglieder- und Partnerorganisationen aus den Bereichen Umwelt, Entwicklung, Kirche, Jugend, Gewerkschaften und Konsumentenschutz engagiert sie sich für eine gerechte, zukunftsfähige Klimapolitik.

Kontakt:

Christian Lüthi, Geschäftsleiter Klima-Allianz, , 076 580 44 99 (DE/FR)
Lars-Florian Tödter, Stellvertretender Geschäftsleiter Klima-Allianz, , 079 658 73 85 (DE/FR)
Kathy Steiner, Geschäftsleiterin Casafair, , 079 703 73 77 (DE)

Bern/Luzern, 2. September 2020. Batterien sind der Knackpunkt der Elektromobilität. Eine Studie von HEKS, Fastenaktion und des VCS Verkehrs-Clubs der Schweiz untersucht erstmals den Umgang der wichtigsten Akku-Hersteller mit Umwelt- und Menschenrechtsfragen. Probleme bestehen vor allem bei der Transparenz der Lieferketten, der Rohstoffförderung und beim Recycling der Akkus.

Heutige Elektroautos speichern die Energie in Lithium-Ionen-Batterien. Um einen Einblick in den Umgang mit Umwelt- und Menschenrechtsfragen bei deren Produktion zu erhalten, haben HEKS, Fastenaktion und der VCS die Geschäftspolitik der sechs weltweit grössten Hersteller von Fahrzeugbatterien analysiert. Das Schweizer Unternehmen ABB war ebenfalls Gegenstand der Untersuchung. Der Technologie-konzern produziert allerdings keine Autobatterien, sondern montiert unter anderem integrierte Energiespeichersysteme für öffentliche Verkehrsmittel.

In der Gesamtbewertung schneidet der südkoreanische Hersteller Samsung SDI am besten ab, während just der chinesische Weltmarktführer CATL auf dem Schlussrang landet – dies vor allem aufgrund mangelnder Transparenz. Die Rückverfolgbarkeit der Lieferketten weist indessen bei allen Herstellern erhebliche Mängel auf. So fehlen praktisch überall Angaben zu den Minen, aus denen die Rohstoffe stammen.

Sorgfaltspflicht umfassend wahrnehmen

Ausserdem beschränken die Unternehmen ihre Sorgfaltspflicht auf sogenannte Konfliktmineralien und auf Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo, das wegen verbreiteter Kinderarbeit in den Minen als problematisch gilt. Andere Rohstoffe wie etwa Lithium oder Nickel, deren Abbau ebenfalls gravierende soziale und ökologische Schäden verursacht, werden weitgehend ausgeblendet.

Die Herausgeber der Studie fordern deshalb die Hersteller der Batterien auf, ihre Sorgfaltspflicht entlang der gesamten Lieferkette und für alle verwendeten Rohstoffe wahrzunehmen. Entscheidend sind dabei mehr Transparenz in Bezug auf die Herkunft der Rohstoffe, die Arbeitsbedingungen in den entsprechenden Minen und die sozialen und Umweltfolgen in deren Umfeld. Zudem sollten die Unternehmen Missstände in den Lieferketten nicht nur identifizieren, sondern zusammen mit Akteuren der Zivilgesellschaft für Lösungen sorgen.

Recycling fördern und Verkehr reduzieren

Verbesserungsmöglichkeiten sehen Fastenaktion, HEKS und der VCS auch im Ausbau des Recyclings. Sie fordern die Politik auf, entsprechende Innovationen zu fördern sowie Anreize und Regulationen zu schaffen, damit Batterien möglichst lange genutzt und vollständig rezykliert werden. Denn heute ist die Förderung immer neuer Batterierohstoffe oft billiger als deren Wiederverwendung. Recycling muss auch dazu beitragen, die CO2-Emissionen der Akkuherstellung zu reduzieren. Bisher richten nur drei der untersuchten Unternehmen ihre Emissionsziele an den Zielen des Pariser Klimaabkommens aus.

Unter dem Strich ist die Ökobilanz von Elektrofahrzeugen besser als jene von Fahrzeugen, die mit fossiler Energie betrieben werden. Um den Rohstoffbedarf zu begrenzen, braucht es aber eine Reduktion des Fahrzeugbestands. Dazu muss sich das Mobilitätsverhalten ändern, etwa durch den vermehrten Umstieg auf den öffentlichen Verkehr sowie die Förderung von Carpooling, Carsharing und des Veloverkehrs.

Factsheet zur Studie, Grafik und Vollversion der Studie zum Download:

«Die Batterie: Knackpunkt der Elektromobilität» (Vollständige Studie)

Factsheet zur Studie

Grafik zu den Ergebnissen der Studie

Auskünfte:

  • Karin Mader; ,+ 41 79 489 38 24
  • Anette Michel; , +41 31 328 58 65

Bauern und Bäuerinnen ernähren die Welt und sind paradoxerweise in vielen Ländern die Hauptbetroffenen von Hunger und extremer Armut. Seit 2018 legt die UN-Deklaration die Rechte der weltweit marginalisierten Kleinbauern und -bäuerinnen* fest. Eine neue Studie zeigt, dass in der Schweizer Aussenpolitik ein beachtlicher Handlungsbedarf besteht, um die Umsetzung der UN-Deklaration, zu der sich die Schweiz verpflichtet hat, voranzubringen. Die Studie wurde heute Vormittag den zuständigen Schweizer Ämtern vorgestellt.

Für die weltweite Ernährungssicherung spielen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern eine zentrale Rolle. Dennoch sind sie gleichzeitig die Hauptbetroffenen von Hunger und extremer Armut. Zahlreiche Regierungen vernachlässigen in ihrer Landwirtschafts- und Handelspolitik ihre Rechte und Bedürfnisse, und überlassen das Geschäft mit der Nahrung den Agrarkonzernen.

Im Verhandlungsprozess der 2018 von der UNO angenommenen Deklaration über die Rechte der Kleinbäuerinnen und -bauern (UNDROP), mit der ein umfassendes internationales Instrument vorliegt, um ihre Rechte einzufordern und zu verteidigen, hatte der Bund eine Schlüsselrolle inne und setzte sich für deren Annahme ein.

Nun aber zeigt die von Schweizer NGOs in Auftrag gegebene Studie, dass die Schweiz zentrale Bereiche ihrer Aussenpolitik kohärenter gestalten sollte, um zur weltweiten Verwirklichung der Bauernrechte beizutragen.

Die Richtung stimmt, aber es bleibt noch viel zu tun

Die von den Organisationen FastenaktionHEKS, Cetim, FIAN-Schweiz, Heks, Swissaid und Uniterre in Auftrag gegebene Studie, analysiert die Schweizer Aussenpolitik in den Bereichen Handel, Saatgut und Landrechte sowie die Entwicklungszusammenarbeit im Lichte der UN-Deklaration, deckt Mängel auf und präsentiert einen Forderungskatalog.

Die Schweiz setzt auf Handelsliberalisierung und trifft bestimmte Massnahmen zum Schutz der Schweizer Landwirtschaft. Diese national ausgerichtete Politik benachteiligt jedoch die Kleinbauern und -bäuerinnen in den Ländern des Südens und verletzt die in der UNDROP verankerten Rechte. Dadurch verlieren unzählige Menschen ihr Recht auf Land, auf biologische Vielfalt sowie auf eine saubere und gesunde Umwelt. Hier ist die Schweiz aufgefordert, genau hinzuschauen und die Auswirkungen der bestehenden oder künftiger Freihandelsabkommen auf Bauernfamilien in der Schweiz sowie in Partnerländern zu überprüfen. Zudem muss die Mitsprache der Bäuerinnen und Bauern in den Verhandlungen aktiv gefördert und die Standards entsprechend angepasst werden. Die Schweiz soll sich klar für das Recht auf Saatgut positionieren und damit auf strenge Sortenschutzgesetze als Bestandteil von Freihandelsabkommen verzichten.

Bauern und Bäuerinnen züchten, nutzen und vervielfältigen seit jeher Saatgut und tragen damit zum Schutz der Biodiversität bei. Über die Entwicklungszusammenarbeit soll die Schweiz die Entwicklung alternativer Sortenschutzgesetze anregen sowie lokale bäuerliche Saatgutsysteme stärken.

Projekte des Bundes im Einklang mit den Rechten der Bäuerinnen und Bauern

Zudem zeigt die Studie, dass in der neuen Botschaft zur Strategie der internationalen Zusammenarbeit 2021-2024 die Bauernrechte, ausser im Globalprogramm für Ernährungssicherheit der Deza, keine Erwähnung finden, und dass die starke Beteiligung des Privatsektors ein beträchtliches Risiko hinsichtlich der Einhaltung der Menschenrechte und traditioneller Landnutzung darstellt. Die Schweiz muss jedoch sicherstellen, dass alle Projekte von Seco und Deza in Einklang mit den Rechten der Bäuerinnen und Bauern stehen. Um ihre Mitsprache und Mitwirkung zu ermöglichen und zu stärken, empfiehlt die Studie bei der internationalen Zusammenarbeit, Bauern und Bäuerinnen zu unterstützen, damit sie ihre Rechte einfordern und wahrnehmen können. Zudem soll sie die Bildung und Förderung bäuerlicher Organisationen und nationaler bäuerlicher Räte unterstützen.

Beim heutigen Treffen zwischen den NGOs und Vertreterinnen und Vertretern der Bundesämter, darunter das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten und das Institut für Geistiges Eigentum, konnten die Studienresultate präsentiert werden. Die Auftraggeber/innen der Studie schätzen diese Offenheit und hoffen weiterhin auf einen konstruktiven Dialog.

*Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte von Kleinbauern und -bäuerinnen und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten.

Hier finden sie die neue Studie zur Umsetzung der UN-Deklaration durch die Schweiz:

Weitere Auskunft: 

, Fastenaktion, +41 78 764 34 31

, Swissaid, +41 78 700 49 61 

Setzen Sie sich mit den Bäuerinnen und Bauern für das Recht auf Nahrung ein!

Herzlichen Dank für Ihre wertvolle Spende.

Alle Filmvorführungen des neuen Dokumentarfilms «der Konzern-Report» wurden aufgrund der vom BAG empfohlenen Schutzmassnahmen gegen das Corona-Virus abgesagt. Bestellen Sie deshalb die DVD des Filmes.

Glencore vergiftet Flüsse in Kolumbien. Syngenta verkauft tödliche Pestizide in Indien, die bei uns schon lange verboten sind. Immer wieder verletzen Konzerne mit Sitz in der Schweiz die Menschenrechte und ignorieren minimale Umweltstandards. Die Initiative fordert eine Selbstverständlichkeit: Wenn Konzerne das Trinkwasser verseuchen oder ganze Landstriche zerstören, sollen sie dafür geradestehen. Die Volksinitiative kommt am 29. November 2020 zur Abstimmung.

Der Film lässt Menschen auf zwei Kontinenten zu Wort kommen, die durch Schweizer Konzerne geschädigt werden. Dick Marty und weitere Stimmen aus dem In- und Ausland erklären, warum sie klare Regeln verlangen, damit Konzerne für Verfehlungen geradestehen müssen.

Damit jeder und jede den Film zuhause anschauen kann, können Sie hier die DVD für 10 Schweizer Franken bestellen.

Drei weitere Dinge, die Sie tun können, um sich für die Initiative einzusetzen:

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Ob Kleber, Fahnen, Velodreiecke oder weiteres Material zur Konzern-Initiative: Hier können Sie kostenlos Kampagnenmaterial bestellen.

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In der ganzen Schweiz entstehen immer mehr Lokalkomitees für die Konzernverantwortungsinitiative. Schliessen Sie sich hier einem Lokalkomittee an.

Setzen Sie sich mit uns für die Menschenrechte ein

Unterschreiben Sie die Petition an Glencore: In Cerro de Pasco reisst eine Glencore-Mine ein riesiges Loch mitten in der Stadt. Dadurch werden Boden, Wasser und Luft stark verschmutzt.

Glencore versucht das Problem in Cerro de Pasco, einer Stadt in den peruanischen Anden mit 70’000 Einwohner/innen, kleinzureden. Das Unternehmen will sich aus der Verantwortung zu stehlen, zeigt eine Haaranalyse bei Kindern, dass sich die Bleibelastung in den letzten Jahren weiter verschlimmerte. Die Vergiftungen führen zu Blutarmut, Behinderungen und Lähmungen.

Die Konzernverantwortungsinitiative, die Fastenaktion mitbegründet hat, lancierte gestern einen Protestbrief an die Konzernspitze von Glencore. Das Unternehmen darf sich nicht weiter aus der Verantwortung stehlen und muss sofort aufhören, Kinder und Erwachsene in Cerro de Pasco mit Schwermetallen zu vergiften.

Gemeinsam schaffen wir es, dass Konzerne wie Glencore endlich für das, was sie anrichten, geradestehen müssen.

 

Drei Dinge, die Sie bereits heute tun können:

Protestbrief online

Bitte unterschreiben Sie den Protestbrief und helfen mit, diese Machenschaften von Glencore breit bekannt zu machen. 

Glencore Protestbrief

Hier finden Sie Unterschriftenbogen zum Ausdrucken, wenn Sie selbst Unterschriften sammeln wollen. 

Setzen Sie sich mit uns für die Menschenrechte ein

Bern, 9. Juli 2020 – 250 Organisationen aus 60 Ländern rufen die Schweiz, Norwegen und Liechtenstein in einem offenen Brief dazu auf, den Ländern des globalen Südens nicht länger strenge Sortenschutzgesetze aufzudrängen, die sie selber nicht erfüllen. Diese Forderung der EFTA-Länder nach strengem Sortenschutz – eine Art Patentschutz auf Saatgut – schränkt den freien Umgang mit Saatgut drastisch zu Lasten der Bäuerinnen und Bauern im globalen Süden ein. Das Recht auf Nahrung, die Ernährungssouveränität und die agrarbiologische Vielfalt sind gefährdet.

250 Organisationen aus der ganzen Welt haben sich aus Sorge um die bäuerlichen Saatgutsysteme, die ein Garant für die agrarbiologische Vielfalt und eine unverzichtbare Ressource für die Züchtung neuer Nutzpflanzen sind, an die Regierungen der Schweiz, Liechtenstein und Norwegen gewandt. Sie verlangen, dass die Forderung nach UPOV-91-kompatiblen Sortenschutzgesetzen aus den Verhandlungsmandaten für künftige Freihandelsabkommen gestrichen werden.

Seit über zwanzig Jahren machen die Länder der Europäischen Freihandelsassoziation EFTA (Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz) in ihren Freihandelsabkommen Druck auf die Länder des globalen Südens, Sortenschutzrechte gemäss dem internationalen Übereinkommen UPOV 91 einzuführen (UPOV = Internationales Übereinkommens zum Schutz von Pflanzenzüchtungen. Die Akte von 1991 wurde von nur 19 Industrieländern des Nordens und Südafrika für ihre eigenen Bedürfnisse verhandelt). Dies hat eine unverhältnismässige Einschränkung der Rechte der Bäuerinnen und Bauern, Saatgut für die nächste Aussaat zurückzubehalten, zu tauschen und zu verkaufen, zur Folge. Und das, obwohl die Schweiz, Norwegen und Liechtenstein, diese Standards in ihrem eigenen Land nicht umsetzen. (Island hat ein nationales Sortenschutzrecht nach UPOV 91 Standards.)

Dieser «Double Standard» ist umso stossender, als in den Ländern des Südens die bäuerlichen Saatgutsysteme, die durch die UPOV-Standards in ihren Grundfesten erschüttert werden, eine viel zentralere Bedeutung für die Ernährung und Einkommenssicherung haben als in Europa. Den Ländern des globalen Südens diese Standards aufzuzwingen, die ohne ihre Beteiligung ausgehandelt wurden, ist ein neokoloniales Diktat. Die Länder sollen selbst über Gesetze und Politiken in Bezug auf Saatgut, die ihrem landwirtschaftlichen System und den Bedürfnissen ihrer Bevölkerung entsprechen, entscheiden können.

Aktuell verhandelt die EFTA ein Abkommen mit Malaysia. Im Februar 2020 standen auch intellektuelle Eigentumsrechte inklusive Sortenschutz à la UPOV 91 auf der Agenda. Es ist gerade im Fall Malaysia unverständlich, warum die EFTA-Länder auf UPOV 91 beharren. Das Land verfügt bereits über ein Sortenschutzgesetz, das in einem beschränkten Rahmen auch die Rechte der Bäuerinnen und Bauern auf Saatgut respektiert. Die «Koalition Recht auf Saatgut» hat Mitte Juni gegenüber dem Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft in einer Replik ihre Besorgnis darüber eindringlich dargelegt und dessen Argument ‘Sicherung des Wirtschaftsstandorts Schweiz’ zurückgewiesen.

Der Verzicht auf UPOV Standards in Freihandelsabkommen wäre ein bedeutender Beitrag zur Erreichung der Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung, insbesondere dem Ziel Nr. 2 (Kein Hunger) und dem Ziel Nr. 15, welches dem Verlust der biologischen Vielfalt ein Ende setzen will.

 

Für weitere Informationen:

  • , Verantwortliche Entwicklungspolitik Saatgut SWISSAID; Tel. +41 (0)78 700 49 61
  • , Koordinator APBREBES; +41 (0)79 344 02 54
  • , Handelspolitik Public Eye; Tel. +41 (0)44 277 79 11

Saatgut soll den Bäuerinnen und Bauern gehören, die es nutzen. Dies fordern über 2300 Menschen aus 11 Ländern in ihren Briefen ans Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Dieses hat mit einer Stellungnahme reagiert – welche ihrerseits HEKS und Fastenaktion kommentieren. 

Während der Ökumenischen Kampagne der Fastenaktion und HEKS von Februar bis April 2020 haben rund 2’400 Bäuer/innen und Bürger/innen aus 11 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas sowie der Schweiz über 1’300 Briefe an das Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco) geschickt. Darin haben sie das Seco aufgefordert, in den Freihandelsabkommen (FHA) mit Ländern des globalen Südens nicht länger Sortenschutzgesetze gemäss des UPOV91-Übereinkommens zu verlangen. Diese schränken den Zugang zu Saatgut ein und bedrohen damit die Saatgutvielfalt und Ernährungssicherheit. 

In einer Stellungnahme vom Februar 2020 reagierte das Seco auf diese Briefe – auf die nun die Koalition «Recht auf Saatgut» (darunter Fastenaktion und HEKS) ihrerseits ausführlich reagiert hat (Lange Fassung).

Eine Analyse der Koalition zu den wichtigsten Punkten des Seco finden Sie hier in einer Kurzfassung:  

Reaktion auf die Stellungnahme des Seco (Kurzfassung)

Beitritt zu UPOV91 ist keine Voraussetzung – aber Grundforderung

Die Schweiz würde «den Beitritt zu UPOV nicht zur Voraussetzung für den Abschluss eines Freihandelsabkommens» machen. Für die Schweizer Koalition «Recht auf Saatgut» ist diese Behauptung irreführend. Gemäss der Seco-Stellungnahme ist der Beitritt zu UPOV bzw. einem Sortenschutzgesetz gemäss UPOV91-Kriterien zwar keine Voraussetzung für ein Freihandelsabkommen mit der Schweiz. Es ist aber eine Grundforderung der Schweiz beim Beginn aller Verhandlungen für Freihandelsabkommen mit Nicht-UPOV Staaten.

Ein System von wenigen, dass für viele gelten soll

Das UPOV-Abkommen wird von den Interessen der Saatgutindustrie dominiert, auch wenn mittlerweile Entwicklungsländer zu den Mitgliedern zählen. Ursprünglich wurde das Abkommen 1961 durch sechs westeuropäische Länder verhandelt. Bei der Ausarbeitung der Version von 1991, die von der Schweiz in den Freihandelsabkommen eingefordert wird, waren die damals 20 UPOV-Mitgliedstaaten beteiligt. Das einzige Land des Südens am Verhandlungstisch war Südafrika, in dem dazumal Apartheid herrschte. Die Stimme des globalen Südens blieb aussen vor. Die UPOV-Konvention kann deshalb punkto Legitimität in keiner Weise mit einem Abkommen der UNO oder ihrer Fachorganisationen gleichgestellt werden, bei denen praktisch alle Länder an den Verhandlungen teilnehmen dürfen.  Die Entwicklungsländer unter den heutigen UPOV-Mitgliedern haben – wo immer möglich – die Version von 1978 ratifiziert, die ihnen auch punkto Bauernrechte mehr Freiheiten erlaubt. Ebenfalls grosse Landwirtschaftsproduzenten wie China, Brasilien oder Argentinien haben die Version 78 unterzeichnet. Das Seco fordert nun von viel ärmeren Ländern wie Indonesien oder Malaysia, dass sie strengere Sortenschutzmassnahmen einführen als diese Mega-Agrarproduzenten. Andere Entwicklungsländer, welche die UPOV-Akte von 1991 ratifiziert haben, taten dies, weil sie durch Freihandelsverträge wie jene der EFTA oder den USA dazu gezwungen wurden (z.B. Peru, Marokko, Costa Rica).  

Wasser predigen, Wein trinken

Anders als vom Seco behauptet, ist es deshalb nicht naheliegend, dass die Schweiz und die EFTA von den Partnerländern ein Sortenschutzrecht gemäss UPOV 91 einfordern. Umso mehr, da drei der vier EFTA-Staaten (Schweiz, Norwegen und Liechtenstein) diese Anforderungen mit ihren eigenen Gesetzen ja selbst gar nicht erfüllen: Die EFTA-Länder fordern von den Partnerländern strengere Sortenschutzgesetze, als sie selbst bereit sind einzuführen.

In seiner Stellungnahme suggeriert das Seco Offenheit, die Rechte der Bäuerinnen und Bauern am Saatgut besser zu berücksichtigen: «Ziel jedes von der Schweiz ausgehandelten FHAs ist es, die bestmögliche Lösung für alle Betroffenen zu schaffen. Die Schweiz und die andere EFTA-Mitgliedsstaaten sind darum offen, mit Partnerländern bei Bedarf individuelle Alternativlösungen zu finden… Dies wurde beispielsweise in den kürzlich abgeschlossenen Verhandlungen mit Indonesien und den Philippinen gemacht.»

Dies ist nicht korrekt. Gemäss dem Freihandelsvertrag muss Indonesien alle «wesentlichen Bestimmungen» von UPOV 91 umsetzen. Auch weiterhin ihre lokalen Sorten schützen zu dürfen, ist das Einzige, was Indonesien zugestanden wurde. Dies hat aber keinen direkten Zusammenhang mit dem Recht der Bauern und Bäuerinnen, Saatgut geschützter Sorten nachzubauen, zu tauschen oder zu verkaufen. Von einer «Alternativlösung» kann in diesem Fall also nicht die Rede sein.

 Im Widerspruch zu Bauernrechten

Um eine bestmögliche Lösung zu finden, ist es unabdingbar, auch die Interessen der Bäuerinnen und Bauern in den Verhandlungsprozess einfliessen zu lassen. Da die Verhandlungen zu den Freihandelsabkommen jedoch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, gibt es für die Betroffenen keine Möglichkeit, direkt an den Gesprächen teilzunehmen. Dieser Ausschluss steht im Widerspruch zu den Rechten der Bäuerinnen und Bauern wie sie auch im Internationalen Saatgutvertrag der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) und in der Bauernrechtsdeklaration der UNO verankert sind. Darüber hinaus weigert sich das Seco bis heute, die Auswirkungen von UPOV91 auf die Menschenrechte zu prüfen. Obwohl verschiedene Studien und Berichte darauf hinweisen, dass die Einführung von UPOV91 sehr wohl Menschenrechte gefährden können, allen voran das Recht auf Nahrung.

Interessen der Konzerne als Priorität

Eine konkrete Forderung in den Briefen der Bäuerinnen, Bauern und weiteren Bürger/innen war unter anderem, in den laufenden FHA-Verhandlungen mit Malaysia auf die Forderung nach UPOV zu verzichten. Auf dieses konkrete Anliegen geht die Stellungnahme nicht ein.

Ausserdem verweist das Seco auf den Forschungsstandort Schweiz, der «auch in Partnerländern an einem angemessenen Schutz der Rechte an geistigem Eigentum interessiert ist». Es macht damit klar, dass es auch weiterhin die Interessen von kommerziellen und staatlichen Züchter*innen, darunter die marktdominierenden internationalen Agrarkonzerne, höher gewichtet als die Rechte der Bäuerinnen und Bauern.

Die Stellungnahme schliesst mit der Bereitschaft des Seco, «den Dialog mit den verschiedenen Interessengruppen weiterzuführen». Die Schweizer Koalition «Recht auf Saatgut» wird das Gespräch mit dem Seco weiterführen.

Setzen Sie sich mit uns für die Menschenrechte ein

Mit Ihrer Spende können Bäuerinnen und Bauern weiterhin für Gerechtigkeit kämpfen

Grosse Saatgutkonzerne gewinnen immer mehr Kontrolle über den Saatgutmarkt. Indem den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern verboten wird, ihr Saatgut zu tauschen oder zu verkaufen, geraten diese in eine immer grössere Abhängigkeit von den Saatgutkonzernen. Dies gefährdet nicht nur ihre Existenzgrundlage, sondern stellt auch eine Bedrohung für die Ernährungssicherheit weltweit dar. Denn die Bauernfamilien, welche heute 70% der weltweit konsumierten Nahrungsmittel produzieren, sehen ihren Zugang zu lokalem Saatgut gefährdet.

In Honduras setzt sich unsere Partnerorganisation ANAFAE, ein Netzwerk, für Ernährungssouveränität, Rechte der Bauernfamilien und für Agrarökologie ein. Denn auch in Zentralamerika ist heute der Zugang zum lokalen Saatgut gefährdet.

Octavio Sánchez Escoto wäre als Gast der Ökumenischen Kampagne 2020 vom 17. bis 29. März in der Westschweiz unterwegs gewesen und hätte in zahlreichen Schulen, Kirchgemeinden und Pfarreien über das Kampagnenthema und von seiner Arbeit in Honduras berichtet. Leider war dies aufgrund der aktuellen Gesundheitskrise nicht möglich. Wir laden Sie deshalb dazu ein, Octavio in diesen vier Videos kennenzulernen, die unsere Partnerorganisation in Honduras produziert hat.

Die Situation der Kleinbauernfamilien in Honduras

Die Arbeit von ANAFAE

Das Saatgut und die Kleinbauernfamilien

Saatgut und der gesetzliche Rahmen in Honduras

Ines Pérez und Yojana Miner.

Inés Pérez Hernández und Yojana Miner, die Koordinatorinnen des ökumenischen Landesprogramms Guatemala berichten regelmässig zur Corona-Krise im Land. Sie rechnen mit lang andauernden negativen Folgen für die benachteiligte indigene Bevölkerung.

«Die informelle Wirtschaft ist zum Stillstand gekommen. Das betrifft jene schwer, die von Tag zu Tag leben. Es herrscht grosse Besorgnis darüber, wie die Nahrungsmittel beschafft werden könne, wenn man die Häuser nicht verlassen darf und keine finanziellen Mittel vorhanden sind.

Die Überweisungen an Familien, welche Verwandte in den Vereinigten Staaten oder in anderen Ländern haben, fliessen nicht mehr reibungslos, denn die Banken haben 75 Prozent ihrer Dienstleistungen eingestellt. Wir befürchten starke negative Auswirkungen: Es fehlt an Nahrung und die Unterernährung – rund 60 Prozent der Bevölkerung leben bereits unter der Armutsschwelle – wird zunehmen.

Davon betroffen ist vor allem die indigene, ländliche Bevölkerung, also unsere Hauptzielgruppe in den Projekten. Diese Krise wird bei ihr wohl tiefe Spuren hinterlassen. Die Partnerorganisationen der Fastenaktion und HEKS, mussten einen grossen Teil ihrer Aktivitäten aufgrund des Versammlungsverbots reduzieren. Sie arbeiten aber mit alternativen Kanälen, über das Telefon und die Sozialen Medien und informieren die Menschen in den Projekten auch, wie sie sich schützen können. 

Wir selbst arbeiten seit Mitte März von zu Hause aus und sind in stetem Kontakt mit all unseren Partnerorganisationen, unterstützen sie, so gut es geht. Wir hoffen, dass die Projekte von Oktober bis Dezember ihre geplanten Aktivitäten  nachholen können. 

Der Kongress stellte bis anhin seine Arbeit nicht ein – das ist ein weiteres grosses Risiko, denn es könnten während der Ausgangssperren Gesetze verabschiedet werden, welche die Rechte der Bevölkerung verletzen. Wir hoffen, dass das Gesetz zu den Nichtregierungsorganisationen nicht jetzt behandelt wird. Es würde unsere Arbeitsmöglichkeiten stark einschränken.

Was den Fokus des Guatemala-Programms betrifft: Das zentrale Problem in dieser Krise ist der Zugang zu und die Verfügbarkeit von Nahrung. Es zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es ist, das Recht auf Nahrung zu betonen und wie notwendig es ist, die Anliegen der ländlichen, indigenen Bevölkerung ins Zentrum zu stellen.»

Inés Pérez und Yojana Miner, Koordinatorinnen des ökumenischen Landesprogramms Guatemala.

 

Fastenaktion und HEKS setzen alles daran, ihre Partnerorganisationen in Guatemala weiter im gleichen Umfang zu unterstützen, damit sie nicht gezwungen sind, Mitarbeitende zu entlassen und sie ihre Arbeit den Umständen anpassen können. 

Um diese Arbeit halten und weiterführen zu können, sind wir froh um jede Spende. 

Unterstützen Sie die Menschen in Guatemala - gerade jetzt!
Präsident von Guatemala, Alejandro Giammattei

Die Entwicklung der Corona-Krise in Guatemala

Am 13. März verkündete Präsident Giammattei den ersten Corona-Fall des Landes – ein Guatemalteke, der aus Italien gekommen war. Bereits ab 16. März wurden daraufhin alle Schulen geschlossen und weitere Massnahmen verkündet:

  • Land-, Luft- und Seegrenzen sind geschlossen, die Einreise von Ausländerinnen und Ausländern nach Guatemala ist verboten.
  • Keine Versammlungen mehr für mehr als 3 Personen, Osterprozessionen sind abgesagt.
  • Es herrscht totale Ausgangssperre von 16 – 4 Uhr.
  • Der öffentliche Verkehr wird eingestellt.
  • Einkaufszentren sind geschlossen, ebenso Bars, Clubs und Restaurants. Ausnahmen sind Apotheken, Tankstellen und grundlegende Dienstleistung.
  • Personen über 60, solche mit besonderen Risiken und Schwangere müssen grundsätzlich zu Hause blieben.

Die Regelungen gelten vorläufig bis zum 20. April, die Schulen bleiben bis Ende April geschlossen. Wer die angeordnete Ausgangssperre nicht einhält oder andere Regeln bricht, hat mit drastische Strafen zu rechnen: Geldbussen ab umgerechnet 850 Franken oder Gefängnis bis zu 6 Jahren. Das trifft vor allem Menschen, die im informellen Sektor arbeiten und die Ausgangssperre nicht einhalten können.

Vor Ostern wurden die Massnahmen verschärft – unter anderem sind alle Reisen innerhalb des Landes verboten. Der Präsident versprach gleichzeitig 11 Milliarden Quetzal – rund 1.35 Milliarden Franken – bereit zu stellen: Unter anderem sollen 2 Millionen Familien für drei Monate je 1000 Quetzales – rund 120 Franken – erhalten. Ob und wie dies umgesetzt wird, ist offen. Es wurde auch das Thema der häuslichen Gewalt angesprochen und die Frauen wurden gebeten, sich zu melden, wenn sie davon betroffen sind. 

Am 8. April meldete die Regierung, dass täglich rund 20 Ansteckungen dazu kommen und 11‘000 Personen unter Quarantäne gestellt wurden. Wohl wissend, dass das Gesundheitssystem für eine Krise nicht gewappnet ist, drohte der Präsident, die Präventionsmassnahmen erst dann zurückzuziehen, wenn die Neuansteckungen weniger als 12  pro Tag betragen.  Bis zum 12. April gab es insgesamt 156 bestätige Ansteckungen, davon starben 5 Personen, 19 Personen gelten als geheilt. 

Juana Vásquez

Weil unser Kampagnengast Juana Vásquez aus Guatemala wegen der Lage zum Corona-Virus nicht in die Schweiz reisen konnte, zeigen wir Ihnen ihre Anliegen in einem Kurzfilm.

«Alles in der Natur ist miteinander verbunden und geordnet. Deshalb ist der Respekt für die Mutter, die Erde, die Natur, die Pflanzen und Tiere und der Respekt unter den Menschen fundamental», sagt Juana Vásquez, ausgebildete Lehrerin, Saatguthüterin und Widerstandskämpferin aus Guatemala. Sie setzt sich für den Erhalt des traditionellen Saatguts ein und wehrt sich mit unserer Partnerorganisation Komon Ajq’ijab’ gegen die Verbreitung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln.

Während gut zwei Wochen, von Mitte bis Ende März, wäre Juana Vásquez Arcón, eine Maya Zacapulteca aus Guatemala, in der Schweiz unterwegs gewesen. Das Programm vollgepackt, weil das Interesse an ihrer Person und an ihrer Botschaft gross war. Die zwei Wochen wären für sie – sie ist bereits 75 Jahre alt – und für uns bestimmt sehr intensiv gewesen. Doch von der Bedeutsamkeit des Kampagnenthemas überzeugt, war es für uns alle in erster Linie eine Gelegenheit, um für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren. Wegen der Corona-Pandemie fiel ihre Reise ins Wasser.

Damit wir Ihnen dennoch einen Einblick in die Situation in Guatemala und die Kosmovision der Maya geben können, haben unsere Partner in Guatemala eigens einen Film für die Ökumenische Kampagnen produziert. In «Saatgut ist Leben»erzählt uns Doña Juana von ihrem Leben, dem Kampf um das Saatgut und der bewegten Geschichte Guatemalas.

Die Botschaft von Juana Vásquez ist klar und sie zeigt sich kämpferisch. Sie richtet zum Schluss des Filmes ihr Wort an die Ausgeschlossenen, an die Diskriminierten und Unterdrückten: «Wir können den Wandel schaffen». Dazu fordert sie uns auf, uns zu vereinen und unsere Kräfte zu bündeln, damit das Saatgut, die Samen, das Leben nicht zerstört werden.

Mehr Informationen über Juana Vásquez finden Sie in einem Interview, welches wir mit ihr als Vorbereitung für die Kampagne geführt haben. Weitere Artikel zur Geschichte Guatemalas, der Situation der Menschenrechte und über die grassierende Straflosigkeit in dem zentralamerikanischen Land stehen interessierten Leserinnen und Lesern zur Verfügung.

 

Setzen Sie sich mit uns für die Menschenrechte ein

Wählen Sie hier den Betrag, den Sie spenden möchten

Viele Menschen machen sich Sorgen wegen des Corona-Virus. Veranstaltungen wie Suppentage in Ihrer Pfarrei oder Kirchgemeinde müssen abgesagt werden. Dies ist für viele, die Zeit und Herzblut in die Ökumenische Kampagne investiert haben, keine einfache Zeit.

Hart treffen diese Absagen auch die Menschen in unseren Projekten, die auf die Kollekten aus den Suppentagen angewiesen sind. 

Wir machen Pfarreien und Kirchgemeinden deshalb ein Angebot: Kleine Suppe – grosse Wirkung. Verteilen Sie an ihre Pfarreimitglieder eine kleine Fastensuppe, die in Ruhe zu Hause genossen werden kann. Zusammen mit einer Bitte um eine Spende an Fastenaktion oder HEKS. Unten finden Sie praktische Hinweise zu dieser Ausnahme-Aktion. 

Was ist die „kleine Suppe“?
Wir haben eine Reiscremesuppe von Morga ausgewählt, die mit frischem Gemüse und Kräutern ergänzt werden kann. Eine Packung reicht für fünf Portionen

Wo kann ich sie beziehen?
Sie können die Suppen in unseren regulären Shop bestellen (Shop HEKS / Shop Fastenaktion), wo Sie auch die anderen Materialien zur Ökumenischen Kampagne beziehen konnten. Wir liefern eine Postkarte dazu, welche die Aktion beschreibt. 

Wie viel kostet die Suppe? 
Der Richtpreis beträgt pro Suppenbeutel 1 Franken. Wir freuen uns, wenn Sie bei der Verteilung der Suppe um Spenden für unsere Projekte bitten.

Wann wird sie geliefert?
Da Morga die Suppen extra für uns produzieren muss, können diese erst ab Ende März geliefert werden. Ihre Bestellung können Sie aber jetzt gleich machen.

Wie kann ich die Reissuppe versenden?
Eine Packung Reissuppe passt in ein C5-Kuvert und kann normal verschickt werden.

Wie lange ist sie haltbar?
Das Haltbarkeitsdatum ist der 16.09.2021

Laden Sie dazu hier die Flyer herunter
Flyer für HEKS / Flyer für Fastenaktion

Haben Sie noch Fragen? Melden Sie sich bei uns!

  • Maria Dörnenburg (Beratung Kirchgemeinden), HEKS, 031 380 65 62, Mail
  • Phil Eicher (Betreuung & Beratung Pfarreien), Fastenaktion, 041 227 59 13,

Bern/ Luzern. HEKS und Fastenaktion verschenken Rosen an Spitäler, Alters- und Pflegeheim. Diese wären für den Verkauf bestimmt – doch daraus wird wegen des Corona-Virus nichts. Mit der «alternativen Rosenaktion» soll den Betagten in den Heimen und den Menschen in Spitalpflege eine kleine Freude bereitet werden. Aber auch den Mitarbeitenden in den Gesundheitsinstitutionen soll durch die Rosen für ihren Einsatz gedankt werden.

Morgen Samstag hätten hunderte von Freiwilligen Rosen mit dem Label Max Havelaar für die beiden Hilfswerke Fastenaktion und HEKS verkaufen sollen. Der Erlös wäre vollumfänglich den Projekten der Werke im globalen Süden zu Gute gekommen. Doch leider können die Rosen aufgrund der Umstände jetzt nicht verkaufen werden.

Statt die Rosen verwelken zu lassen, haben die Werke beschlossen, die Rosen zu verschenken. So erhalten heute Freitag Spitäler, Alters- und Pflegeheime in Zürich, Luzern, Bern, Basel und Lausanne insgesamt 50’000 Rosen.

Damit wollen die Hilfswerke den Betagten und den Personen die im Spital sind, und die jetzt keinen Besuch mehr empfangen dürfen – und natürlich auch den Mitarbeitenden der Spitäler, Alters- und Pflegheimen, ein kleines Zeichen der Zuversicht, der Dankbarkeit und der Solidarität senden.

HEKS und Fastenaktion drücken auch allen mitmachenden Institutionen ihren Dank aus. «Wir sind tief beeindruckt, was innerhalb von drei Tagen entstehen konnte. Nur dank ihres unkomplizierten Handels in einer Zeit, in der alle vielfach gefordert sind, wurde die Aktion möglich», sagt Mischa von Arb, Koordinator der Ökumenischen Kampagne.

Weitere Informationen und Material zum Download:

Für weitere Fragen:
Mischa von Arb, Kampagnenkoordinator Fastenaktion & HEKS, Mail, +41 78 625 27 12

© Fastenaktion/ HEKS

Bern/ Luzern. Dieses Jahr fällt sie erstmals seit den 17 Jahren ihres Bestehens aus: Die Fairtrade-Rosenaktion vom kommenden Samstag ist abgesagt, es werden keine Rosen verkauft. Fastenaktion, HEKS und Partner sein, deren Projekten der Erlös zu Gute gekommen wäre, ziehen Konsequenzen aus den Ereignissen.

Viele Freiwillige aus den Pfarreien und Kirchgemeinden hatten sich bereit erklärt, am Samstag, 21. März Rosen für die Projekte der Hilfswerke zu verkaufen. Daraus wird nun wegen des Corona-Virus nichts.

«Das schmerzt uns sehr. Der Aktionstag ist eine schöne Gelegenheit, um die Ökumenische Kampagne nach aussen zu tragen und er zeigt das tolle Engagement der Kirchgemeinden und Pfarreien», sagt Matthias Dörnenburg, Leiter Kommunikation Fastenaktion. «Doch die Gesundheit der Teilnehmenden geht klar vor.»

Die Fairtrade-Rosenaktion nimmt jährlich rund eine halbe Million Franken ein – Geld, das nun in den Ländern in Afrika, Asien und Lateinamerika fehlen wird. Dort setzen sich HEKS, Fastenaktion und Partner sein für die Überwindung von Hunger und Armut und ein Leben in Würde ein.

Was mit den über 80’000 bestellten Rosen passiert, wird nun abgeklärt. So wurden verschiedene Altersheime angefragt, ob die Rosen gratis verteilt werden dürften. Viele der Bewohnerinnen und Bewohner können derzeit von ihren Angehörigen nicht oder nur vereinzelt besucht werden. Die Rosen sollen aber auch den Mitarbeitenden eine Freude bereiten, die in diesen schwierigen Zeiten arbeiten müssen. Denn Blumen sind da, um Freude zu schenken, und nicht, um in einem Kühllager zu verwelken.

Mit der App «Give a rose» können – und dies über das ganze Jahr hindurch – virtuelle Rosen verschickt und mit einer persönlichen Mitteilung versehen werden: Auch ohne Rosenaktionstag eine Möglichkeit, Freude und Zuversicht zu schenken.

Weitere Informationen und Material zum Download:

Auskünfte:

Madlaina Lippuner, Koordination Kommunikation Ökumenische Kampagne,
, 076 307 28 77.

Über 4500 Personen gingen am 22. Februar auf die Strasse um für eine sozialere und ökologischere Landwirtschaft zu demonstrieren. Bäuerinnen, Bürger, Politikerinnen und Aktivisten von jung bis alt sorgten für einen bunten und fröhlichen Umzug. In Vorfeld hatten die Beteiligten gemeinsam die Vision 2030 erarbeitet, um zu skizzieren wie die Schweizer Landwirtschaft in 10 Jahren aussehen könnte. Diese wurde im Anschluss an die Demo an Parlamentarier und Parlamentarierinnen übergeben.

Die Saatgutkoalition war durch HEKS und Fastenaktion mit einem Stand auf dem Bundesplatz vertreten. Tina Goethe konnte mit einer kurzen Rede auf die Problematik des Saatguts aufmerksam machen. Die Briefaktion stiess auf grosses Interesse. 230 Personen haben während der Demo einen Brief an das Seco geschrieben, mit der Forderung, künftig in den Freihandelsabkommen darauf zu verzichten, andere Länder zu einem restriktiven Sortenschutz zu zwingen und damit die Rechte der Bäuerinnen und Bauern zu beschneiden.

Alle Bilder und mehr Infos zur Briefaktion finden Sie hier.

Vision 2030 von Landwirtschaft mit Zukunft

 

«Ich bin heute hier, weil wir uns dafür einsetzen, dass das Saatgut in den Händen von Bäuerinnen und Bauern bleibt. Wir von HEKS und Fastenaktion unterstützen Bauernorganisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika in ihrem Widerstand gegen den Versuch der Agrarkonzerne, Saatgut zu privatisieren und zu monopolisieren.

Ich bin begeistert, dass wir heute so viele sind. Und dass wir gemeinsam eine Landwirtschaft wollen, die sozial ist, die ökologisch ist, die bäuerlich ist.

Saatgut ist dafür zentral. Es steht am Anfang jeder Lebensmittelproduktion. Wenn das Saatgut nicht mehr in der Hand von Bäuerinnen und Bauern ist, können wir unsere Vision einer sozial-ökologischen Landwirtschaft nicht erreichen.

In den Industrieländern haben die Konzerne den Saatgutmarkt längst übernommen. Und es sind nur noch eine Handvoll grosser Agrarfirmen, die den kommerziellen Saatgutmarkt weltweit kontrollieren. Bayer-Monsanto aus Deutschland, Corteva-Agriscience aus den USA. Und natürlich Syngenta, mittlerweile chinesisch, aber mit Hauptsitz in Basel. Die drei teilen 60 Prozent des kommerziellen Saatgutmarktes unter sich auf. Das ist ein Skandal. Wer das Saatgut kontrolliert, kontrolliert unsere Ernährung.

Diese Übermacht der Unternehmen dürfen nicht akzeptieren! Sie haben viel zu viel Einfluss darauf, wie die Landwirtschaft heute und in Zukunft aussieht.

Ihren Einfluss setzen die Firmen auch in Afrika, Asien und Lateinamerika ein, um neue Märkte zu erschliessen. Und die Schweiz unterstützt sie dabei tatkräftig.

Das Vehikel dazu sind Freihandelsabkommen. Wenn die Schweiz verhandelt, sind die Interessen der Agrarkonzerne immer mit an Bord. Beim Abkommen mit Indonesien zum Beispiel, hat die Schweiz durchgesetzt, dass Indonesien ein strenges Sortenschutzgesetz verabschieden muss.

Sortenschutz ist eine Art Copyright auf Saatgut. Damit erhalten die Konzerne auf ihre Sorten das alleinige Verfügungsrecht. Wer solches Saatgut kauft, darf es genau einmal aussäen.

Alles andere ist den Bauern verboten: sie dürfen solcherart sortengeschütztes Saatgut nicht aus der Ernte zurückbehalten für die nächste Aussaat. Sie dürfen es nicht mit anderen tauschen. Sie dürfen es nicht auf dem lokalen Markt verkaufen.

Auf all das drohen mit dem neuen, strengen Sortenschutz hohe Strafen. Aber genau das: Nachbau, Tausch und Verkauf auf dem lokalen Markt machen die Bäuerinnen und Bauern seit Jahrtausenden. In Ländern des globalen Südens sind diese Praktiken auch heute noch Grundlage für Ernährungssicherheit und biologische Vielfalt.

Wenn jetzt die Schweiz Länder wie Indonesien und aktuell auch Malaysia dazu drängt, strenge Sortenschutzgesetze zu verabschieden, dann schützt sie damit nur die Interessen der Agrarkonzerne. Und bringt damit die Länder dazu, die bäuerlichen Saatgutsysteme zu zerstören.

Verantwortlich für die Verhandlungen der Freihandelsabkommen ist das Staatssekretariat für Wirtschaft, das Seco. Im Moment laufen die Verhandlungen zum Abkommen mit Malaysia.

Darum schicken im Moment Bauern und Bäuerinnen aus Malaysia und vielen anderen Ländern weltweit Briefe ans Seco. Sie fordern, dass das Seco aufhört, in den Freihandelsabkommen strenge Sortenschutzgesetze zu verlangen.

Schliesst Euch den Bauern und Bäuerinnen an. Schreibt auch Ihr einen Brief an das Seco. An unserem Stand haben wir die Briefe vorbereitet. Kommt unbedingt vorbei. Wir freuen uns riesig über Eure Unterstützung – damit das Saatgut in den Händen der Bäuerinnen und Bauern bleibt!»

Setzen Sie sich mit uns für die Menschenrechte ein

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Banner an einem Agrarökologie-Forum im Senegal.

Fastenaktion und HEKS setzen sich stark für Agrarökologie als zukunftsfähige Anbaumethode ein. Worum geht's da genau? Mareike Jäger ist Dipl. Ing. Agr. Landwirtin, arbeitet an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Wädenswil und gibt Auskunft.

Was ist Agrarökologie? Gibt es unterschiedliche Ansätze?

Weltweit existieren verschiedene Ansichten darüber, was unter dem Begriff Agrarökologie zu verstehen ist. Die Forschung sieht darin vor allem eine wissenschaftliche Disziplin, welche die Wechselwirkung zwischen Agrarökosystemen und Kulturlandschaften untersucht. Während zum Beispiel in Brasilien die Agrarökologie als eine Art ökologische Landwirtschaft institutionalisiert ist, entwickelte sich in Europa der Biolandbau als eine Bewegung für eine nachhaltige Form der Landwirtschaft als verwandtes Konzept aus der Agrarökologie-Bewegung heraus. Es entstehen neuartige Formen der Landbewirtschaftung und vielfältige Produktionssysteme, die sich natürliche Ökosysteme zum Vorbild nehmen.

Wo und wie kommt sie in der Schweiz zum Einsatz?

Die Agrarpolitik unterstützt zwar die Schaffung vielfältigerer Strukturen zur Förderung der Biodiversität auf dem Landwirtschaftsbetrieb, doch gefördert wird eher ein künstliches Nebeneinander von Produktions- und Ökofläche. Konsequent umgesetzte agrarökologische Produktionsformen wie die Permakultur sind heute noch selten in der Schweiz.

Warum ist Agrarökologie erfolgversprechend?

Wir sehen bei den Agroforstsystemen, dass die Folgen des Klimawandels stärker abgepuffert werden können. Baumstrukturen auf Ackerflächen können helfen, die Wasserhaltefähigkeit der Böden zu verbessern und die Verdunstung zu verringern. Insgesamt wird man es schaffen müssen die Resillienz des gesamten Systems zu verbessern, anstatt einzelne kleine Hebel einzusetzen – wie der immer perfektioniertere Einsatz von Technik und Smartfarming.

Welches ist die grösste Herausforderung bei der Umsetzung?

Letzten Endes sind agrarökologische Methoden noch wenig bekannt in der breiten Praxis. Es wird, gemessen am Forschungsbudget für die konventionelle Landwirtschaft, kaum in die Forschung nachhaltiger Produktionssysteme investiert. Auch in der Ausbildung an den landwirtschaftlichen Schulen sind agrarökologische Themen heute noch Mangelware. Vor allem in den Bereichen Forschung und Bildung sehe ich den grössten Entwicklungsbedarf. Die Agrarpolitik ist insgesamt an agrarökologischen Themen interessiert, stösst aber immer wieder Grenzen, wenn es darum geht, neue Methoden und Nutzungsformen in der Landwirtschaft an das Direktzahlungssystem anzupassen. So bleiben nachhaltige Methoden für Landwirte häufig finanziell unattraktiv.

Wie kann jede und jeder Einzelne agrarökologisch anbauen?

Jeder Einzelne kann mit seinem Konsumverhalten dazu beitragen, die Agrarökologie zu fördern, indem möglichst regional, fair und saisonal eingekauft wird – im besten Fall direkt auf den Betrieben. In vielen grösseren Städten der Schweiz entstehen neue solidarische Landwirtschaftsprojekte, wo auch Menschen ohne Höfe sich einbringen können und wo sowohl Risiko als auch Ernte mit den Landwirten geteilt wird. Viele agrarökologische Methoden eignen sich auch für die Nachahmung im Kleinen: von der Kräuterspirale im Garten bis zum Wurmkomposter auf dem Balkon. Wer mehr Platz hat, pflanzt Wildobststräucher und einheimische Blühstauden im Garten.

Setzen Sie sich mit uns für die Menschenrechte ein

Der Ständerat hat gestern einen Alibi-Gegenvorschlag verabschiedet. Damit hat sich die Konzernlobby durchgesetzt. Konzerne wie Glencore und Syngenta sollen nicht für angerichtete Schäden geradestehen müssen, sondern bloss einmal im Jahr eine Hochglanzbroschüre veröffentlichen.

Nach dem Entscheid des Ständerats wird die Schweiz wahrscheinlich nächstes Jahr über die Konzernverantwortungsinitiative abstimmen. Der von Bundesrätin Keller-Sutter kurzfristig zurechtgezimmerte Alibi-Gegenvorschlag fand im Ständerat eine Mehrheit. Diese Vorlage wird selbstverständlich nicht zu einem Rückzug der Initiative führen, da sie keinerlei verbindliche Regeln bringt.

Die Mehrheit des Ständerats stellt sich mit dem Entscheid schützend vor skrupellose Konzerne wie Syngenta und Glencore und verhindert damit, dass diese Konzerne in Zukunft für Menschenrechtsverletzungen geradestehen müssen. Der verabschiedete Alibi-Gegenvorschlag bringt keinerlei Verbesserungen, soll aber den Stimmberechtigten vorgaukeln, dass es die Konzernverantwortungsinitiative nicht mehr brauche.

Dick Marty ist überzeugt, dass die Bevölkerung dieser Trickserei nicht auf den Leim geht:

«Ich bin überzeugt, dass der Alibi-Gegenvorschlag die Stimmberechtigten nicht verunsichern wird. Denn wir alle wissen, dass gerade die skrupellosesten Konzerne noch so gerne Hochglanzbroschüren veröffentlichen. Konzerne wie Glencore werden erst anständig wirtschaften, wenn Menschenrechtsverletzungen auch Konsequenzen haben und sie dafür geradestehen müssen.»

Abstimmung nächstes Jahr

Die Abstimmung findet wahrscheinlich im Herbst/Winter 2020 statt. Der Abstimmungskampagne sieht Dick Marty gelassen entgegen:

«Die grosse Unterstützung – gerade auch aus Wirtschaftskreisen – stimmt mich optimistisch. Ich bin sehr zuversichtlich, denn unsere Initiative fordert eine Selbstverständlichkeit. Wenn Konzerne das Trinkwasser vergiften oder ganze Landstriche zerstören, sollen sie dafür geradestehen.»

Nach über zwei Jahren Beratungen in 20 Kommissionssitzungen und trotz zweimaliger klarer Zustimmung des Nationalrates hätte der Ständerat die Gelegenheit gehabt, einen breit getragenen Kompromiss zu verabschieden. Dieser hätte zu minimalen Regeln gegen die schlimmsten Menschenrechtsverletzungen durch Konzerne geführt. Die Initiant/innen hatten angekündigt, im Falle einer definitiven Verabschiedung die Initiative zurückzuziehen.

Jetzt liegt es am Nationalrat, ob er an seinem Gegenvorschlag festhalten will. Mit dem Entscheid des Ständerats ist aber eine Abstimmung sehr wahrscheinlich geworden.

Setzen Sie sich mit uns für die Menschenrechte ein

(Stellungnahme von OCP (21.06.2019))

Der marokkanische Staatskonzern OCP verschmutzt mit seinen Düngerfabriken die Luft und schädigt damit die Gesundheit von Angestellten und Bevölkerung. Mindestens elf Schweizer Rohstoffhändler stehen gemäss einem neuen Bericht von HEKS, SWISSAID und Fastenaktion in Geschäftsbeziehung zu OCP und sind damit in die Menschenrechtsverletzungen und die Umweltverschmutzung in Marokko verwickelt. Dies belegt die Dringlichkeit der Konzernverantwortungsinitiative, zu der sich der Nationalrat nächste Woche erneut äussern wird.

Die Düngerfabriken von OCP (Office Chérifien des Phosphates) in Safi und Jorf Lasfar an der marokkanischen Atlantikküste stossen grosse Mengen an Luftschadstoffen wie Fluorwasserstoff und Feinstaub aus. Diese Umweltverschmutzung hat massive gesundheitliche Folgen für die Angestellten und die Bevölkerung im Umfeld der Fabriken, in denen Phosphat aus Marokko zu Düngemitteln verarbeitet wird.

Gemäss einem neuen Bericht der Entwicklungsorganisationen SWISSAID, HEKS und Fastenaktion leiden zahlreiche Angestellte der beiden Fabriken an Atemwegs- und Krebserkrankungen. Laut Berichten von Gewerkschaften sind schon viele von ihnen daran gestorben. Messungen der Luftqualität in der Nähe der OCP-Fabrik Safi ergaben denn auch sehr hohe Werte: Die Belastung mit Feinstaub (PM2.5) lag 6 bis 16mal höher als der von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene tägliche Richtwert.

Auch die Bevölkerung im Umfeld der beiden Düngerfabriken ist von den Folgen der Umweltbelastung stark betroffen. Zahlreiche von den Autoren des Berichts befragte Menschen leiden unter Augenreizungen, Atemwegserkrankungen oder Zahnfluorose. Kinder in Dörfern in der Nähe des Werks Jorf Lasfar berichteten, sie müssten auf dem Schulweg wegen des beissenden Geruchs ihre Nasen mit Tüchern bedecken.

Schweizer Rohstoffhändler verwickelt

OCP ist der weltweit grösste Produzent von Phosphatgestein und der zweitgrösste Hersteller von Phosphatdünger. Er verfügt mit der Saftco SA über eine Filiale in Genf, die 2017 über 300’000 Tonnen Düngemittel vermarktet hat. Der Bericht zeigt auf, dass neben Saftco mindestens zehn weitere Schweizer Rohstoffhändler mit OCP in Geschäftsbeziehung stehen. Keine dieser Firmen scheint aber ein Sorgfaltsprüfungsverfahren in Bezug auf die Achtung von Umweltstandards und Menschenrechten durch ihren marokkanischen Lieferanten durchgeführt zu haben.

Genau dies empfiehlt jedoch ein letztes Jahr von SECO und EDA veröffentlichter Leitfaden zur Umsetzung der UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte durch den Rohstoffhandelssektor, der in der Schweiz mit rund 570 Unternehmen prominent vertreten ist. Dies zeigt erneut, dass blosse staatliche Empfehlungen und freiwillige Massnahmen  von Firmen wenig nützen, um die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards bei Geschäften von Schweizer Unternehmen im Ausland zu gewährleisten.

HEKS, SWISSAID und Fastenaktion fordern OCP und die Schweizer Düngerhändler auf, eine umfassende Sorgfaltsprüfung durchzuführen und Massnahmen zur Vermeidung von Menschrechtsverletzungen zu treffen. Dies sieht auch die Konzernverantwortungsinitiative vor, welche Schweizer Unternehmen zum Einhalten von Menschenrechten und Umweltstandards weltweit verpflichten will. Der Nationalrat wird sich nächste Woche erneut zu Initiative und Gegenvorschlag äussern. Scheitert der Gegenvorschlag, dürfte die Initiative 2020 zur Abstimmung kommen.

Auskünfte:

  • Yvan Maillard Ardenti, HEKS, maillard@bfa-ppp.ch,+ 41 79 489 3824
  • Marc Ummel, SWISSAID, m.ummel@swissaid.ch, +41 79 694 4921

Bern/Luzern, 26. März 2019. Am kommenden Samstag, 30. März, verkaufen Freiwillige vielerorts Rosen für Projekte von HEKS, Fastenaktion und Partner sein. Zu jeder duftenden gibt es auch eine digitale Rose: Mit der App «Give a Rose» kann diese mitsamt einer Widmung verschenkt werden.

An zahlreichen Orten in der ganzen Schweiz findet am 30. März 2019 der traditionelle Rosenverkauf im Rahmen der Ökumenischen Kampagne statt. Viele Freiwillige bieten Rosen für eine symbolische Spende von fünf Franken an und informieren über die Arbeit von Fastenaktion, HEKS und Partner sein.

Coop stellt die 100’000 Rosen vergünstigt zur Verfügung. Zu jeder verkauften Rose gehört ein Code, mit dem zusätzlich eine virtuelle Rose verschenkt werden kann. Der Code lässt sich auf der App «Give a Rose» einlösen, die unter diesem Namen in den App-Stores heruntergeladen werden kann. Natürlich können mit der App noch weitere digitale Rosen gekauft und verschenkt werden. Ab dem 2. April wird Coop zudem eine Aktionswoche durchführen und von jedem verkauften Fairtrade-Strauss 50 Rappen an die drei Hilfswerke spenden.

Ob duftend oder digital – jede Rose bereitet dreifach Freude: Erstens, weil der Erlös an Projekte von HEKS, Fastenaktion und Partner sein geht, beispielsweise an das ökumenische Projekt in Guatemala. Zweitens, weil fair produzierte und gehandelte Max Havelaar-Rosen verkauft werden. Die Fair-Trade-Prämie kommt direkt den Mitarbeitenden auf den Rosenfarmen zu Gute, sei es durch Weiterbildungen oder durch Schulbildung für die Kinder. Und drittens, weil jede verschenkte Rose die Empfängerin oder den Empfänger glücklich macht.

Jubiläumskampagne für «starke Frauen»

Unter dem Motto «Gemeinsam für starke Frauen. Gemeinsam für eine gerechte Welt.» feiern Fastenaktion, HEKS und Partner sein 2019 die 50. Ökumenische Kampagne. Unter dem Hashtag #50starkefrauen zeigen Menschen aus der ganzen Schweiz, wer ihre persönliche «starke Frau» ist – und warum. Ihren Höhepunkt findet die Kampagne am Jubiläums-Suppentag am 13. April in Bern. Dabei wird auch die Ausstellung «50 Frauenportraits» erstmals gezeigt, welche 50 Akteurinnen aus den Projektländern der Hilfswerke und aus der Schweiz portraitiert.

Weitere Informationen und Material zum Download:

Auskünfte:

  • , Medienverantwortliche Fastenaktion; 041 227 5951
  • , Medienverantwortlicher HEKS; 079 489 3824

Seit 50 Jahren engagieren sich Fastenaktion und HEKS gemeinsam für eine gerechtere Welt.

1968 erfasste der gesellschaftliche Aufbruch auch die Kirchen: Das Zweite Vatikanische Konzil und der Ökumenische Rat der Kirchen forderten die Kirche auf, sich stärker mit der Welt auseinanderzusetzen und sich auch in politische Themen aktiv einzumischen. Gleichzeitig war Ende der 1960er-Jahre der Enthusiasmus für die Entwicklungshilfe in der Bevölkerung verflogen. Es wurde immer klarer, dass es mehr braucht als ein paar Jahre engagierten Einsatz, um die – im damaligen Sprachgebrauch – «unterentwickelten» Gebiete dieser Welt von der Armut zu befreien.

Vor diesem Hintergrund entschieden sich HEKS (damals Brot für Brüder), Fastenaktion und Swissaid im Winter 1969 zu einer gemeinsamen Informationskampagne. Es gebe die «Notwendigkeit einer neuen und intensiven Information zur Frage der Entwicklungshilfe». Und es sei «unverantwortlich, als Christen auf die Herausforderungen der 3. Welt weiterhin getrennt zu antworten». Bei der Gestaltung der Plakate wurde bewusst auf die damals üblichen Kinder mit Hungerbäuchen verzichtet. Dafür wurden Slogans entwickelt, die bis heute zum Denken anregen: «Was müsste man tun, um 40 Millionen Menschen verhungern zu lassen? Nichts.» oder «Niemand hungert, weil wir zu viel essen, sondern weil wir zu wenig denken».

Diese Kampagne war, wie es die Gründer nannten, der «Trompetenstoss» zum Auftakt der langjährigen Zusammenarbeit, die heuer ihr 50-Jahr-Jubiläum feiert. Im Jahr 1973 gaben HEKS und Fastenaktion die erste gemeinsame Agenda heraus, die mit ihren Sprüchen und der geballten Ladung an Information zum Markenzeichen der Kampagne wurde. Mit der Zeit wurde das Angebot breiter und man wagte sich auch an anspruchsvolle Projekte wie das Hungertuch und gemeinsame Liturgiematerialien. Die Suppentage, noch heute ein Symbol für gelebte Ökumene, werden seit 1976 jährlich von Kirchgemeinden und Pfarreien in der ganzen Schweiz durchgeführt.

Bei den Ursachen ansetzen

Wie schon 1969 standen auch später die Sensibilisierung und das Aufrütteln der Menschen in der Schweiz im Vordergrund. Es ging HEKS und Fastenaktion in ihren Kampagnen immer darum, bei den Ursachen anzusetzen und die strukturellen Gründe von Ungerechtigkeit und Armut zu beleuchten. Frieden, Umweltschutz, Menschenrechte, gerechte Geschlechterbeziehungen, faires Wirtschaften und die Suche nach einem neuen, nachhaltigen Lebensstil sind Themen, welche die Kampagne seit 50 Jahren prägen. Bei vielen sind Fortschritte sichtbar: Wer hätte in den 1970er-Jahren gedacht, dass Fair-Trade-Bananen dereinst ein Kassenschlager der Grossverteiler werden? Oder wer hätte nach der Kontroverse um die Ja-Parole der Werke zur Uno-Abstimmung von 1986 gedacht, dass diese Jahre später eine Volksinitiative für mehr Konzernverantwortung mitlancieren würden? Fastenaktion und HEKS wagten sich immer auch an heisse Eisen und wurden dafür heftig kritisiert. Doch sie haben auch geholfen, das Profil der beiden Werke zu schärfen. Und «Das Herz muss Hände haben» – der Agendaspruch vom 27. März 1976 hat bis heute seine Gültigkeit behalten.

Sehen Sie sich hier eine Auswahl der Plakate an, die uns durch die Ökumenischen Kampagnen hindurch begleitet haben.

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Im Zentrum der Ökumenischen Kampagne 2019 stehen Frauen: Als mutige Akteurinnen, die sich für ihre Rechte und Lebensgrundlagen einsetzen und für eine Wirtschaft kämpfen, die nicht zerstört, sondern dem Leben dient.

Anlässlich des Jubiläums haben die beiden Werke 50 Frauen aus dem In- wie Ausland porträtiert und als Dank für alle engagierten Personen der letzten 50 Jahren wird es am 13. April einen Jubiläumssuppentag und –gottesdienst geben.

Die Verhandlungen in Katowice an der 24. Klimakonferenz sind in vollem Gange. Beim Klimawandel geht es längst nicht nur um ein ökologisches Problem, welches nur die Wissenschaft und Politik beschäftigt: Der Klimawandel ist für alle spür- und sichtbar geworden und bedroht die Menschenrechte – darauf wollen wir auch heute, am Tag der Menschenrechte, aufmerksam machen.

 

Hitzesommer, schmelzende Gletscher, Wirbelstürme, Dürren und Wüstenbildung oder der steigende Meeresspiegel, der Küstenzonen und deren Bewohnerinnen und Bewohner bedroht. Die Auswirkungen des Klimawandels kennen wir selbst zu genüge – aus der Schweiz und aus den Medien.Fakt ist: Umweltkatastrophen bedrohen zahlreiche Menschenrechte – arme Menschen sind dabei überdurchschnittlich betroffen. Sie haben wenige Möglichkeiten, sich anzupassen. Dabei haben sie am wenigsten zum Klimawandel beigetragen.

 

Durch extreme Wetterereignisse ist ihr Leben – und damit auch ihr Recht auf Leben – bedroht. Klimaveränderungen führen dazu, dass es vermehrt zu Missernten kommt und das Recht auf Nahrung nicht mehr gewährleitet werden kann. Sowohl Trockenheit wie auch Überschwemmungen verletzen das Recht auf Wasser und Hygiene. Hitzebedingter Smog beeinträchtigt die gesundheitliche Situation und damit das Menschenrecht auf Gesundheit. Eine Veränderung der Küstenlandschaft treibt Menschen zur Migration in ihnen unbekannte Gebiete ohne Infrastruktur oder soziale Netzwerke – auch das Menschenrecht auf eine angemessene Unterkunft wird dadurch verletzt.

 

Fastenopfer-Koordinator Luciano Padrao im Gespräch mit lokalen Gemeinschaften in Brasilien.
Damit ist die Aufzählung von bedrohten Menschenrechten durch den Klimawandel keineswegs abgeschlossen: Im Regenwald Brasiliens beispielsweise leben die Manoki. Sie sind auf einen intakten Wald angewiesen, er ist ihre Lebensgrundlage, vielfach auch spiritueller Ort. Für Staudammprojekte wird Wald abgeholzt  und Co2 freigesetzt, was den Klimawandel weiter vorantreibt. Das Recht auf Entwicklung oder die Rechte indigener Völker bleiben auf der Strecke.

 

Diese Ungerechtigkeit geht Fastenaktion mit dem Thema «Klimagerechtigkeit» an. Denn es darf nicht sein, dass diese grundlegenden Menschenrechte durch den Klimawandel untergraben werden.

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