Wer an den KlimaGesprächen teilnimmt, verringert in der Folge seinen CO2-Fussabdruck massgeblich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Center for Development and Environment (CDE) der Universität Bern.

Gemeinsam den CO2-Ausstoss reduzieren

Neue Studie belegt: KlimaGespräche wirken

Wer an den KlimaGesprächen teilnimmt, verringert in der Folge seinen CO2-Fussabdruck massgeblich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Center for Development and En-vironment (CDE) der Universität Bern. Seit 2019 haben mehr als 400 Personen an den von HEKS und Fastenaktion angebotenen Gesprächen teilgenommen, die auf persönliche Aus-einandersetzung und Austausch in der Gruppe setzen. Ab September finden an diversen Orten in der Schweiz erstmals KlimaGespräche in einem neuen Format statt.

Dürre und Hitzewellen machen der Schweiz und ganz Europa zu schaffen. Viele Menschen machen sich deshalb immer mehr Sorgen über den Klimawandel. Trotzdem ist es für die meisten schwierig, ihren Lebensstil anzupassen und etwa auf das Auto, die Ferienwohnung, exotische Lebensmittel oder ein neues Handy zu verzichten. Dies zu ändern, ist das Ziel der KlimaGespräche. Dazu vereint dieses Format technische und psychologische Aspekte und setzt auf die Dynamik der Gruppe (siehe Infobox).

Mit Erfolg: Eine vom CDE durchgeführte wissenschaftliche Untersuchung verglich den CO2-Ausstoss der Teilnehmenden mit einer entsprechenden Kontrollgruppe. Der Klima-Fussabdruck sank in der Gruppe der Teilnehmenden um 1,2 Tonnen CO2 stärker als bei der Kontrollgruppe. Dies entspricht rund zehn Prozent des durchschnittlichen Schweizer Klima-Fussabdrucks. Klar am stärksten war der Rückgang im Bereich Mobilität, wobei vor allem der Verzicht auf Flugreisen einen grossen Beitrag leistete. Doch auch in anderen Bereichen gelang eine Reduktion, etwa im Bereich Ernährung und beim Konsum.

Besonders bemerkenswert: «Obwohl die Teilnehmenden bereits sehr klimafreundlich in die Gespräche gingen, konnten signifikante Veränderungen in verschiedenen Verhaltensbereichen im Ver-gleich zur Kontrollgruppe erzielt werden. Dieser Einfluss könnte noch vergrössert werden, wenn eine breitere Zielgruppe angesprochen werden könnte», bemerkten die Autor:innen der Studie. Die Teilnehmenden erachteten es zudem als deutlich wahrscheinlicher, dass sie in Zukunft klimafreundli-che Verhaltensweisen umsetzen werden. Auch die Unterstützung für eine strengere Klimaschutzpolitik und ihr umweltfreundliches Alltagsverhalten erhöhten sich.

Neue KlimaGespräche ab September

Ab Mitte September starten zahlreiche neue KlimaGespräche in der ganzen Deutschschweiz. Die Resultate der CDE-Studie fliessen in die geplanten Gespräche ein, die in einem überarbeiteten Format und mit aktualisierten Inhalten starten. Neu analysieren die Gruppen in vier statt wie bisher sechs Gesprächsrunden ihre eigenen Gewohnheiten in den Bereichen Mobilität, Ernährung sowie Konsum und deren Folgen fürs Klima. Grösseres Gewicht erhalten ausserdem die Fragen, wie die Teilnehmenden ihr Umfeld für einen nachhaltigen Lebensstil sensibilisieren und wie sie sich über das eigene Verhalten hinaus für den Klimaschutz einsetzen können.

Infobox: Die KlimaGespräche

Die KlimaGespräche verbinden Fakten mit der persönlichen Erfahrung und Lebenswelt. So geht es nebst Information vor allem darum, sich selbst mit eigenen Gewohnheiten, Dilemmata und Werten auseinanderzusetzen und dank dem Austausch in der Gruppe ins Handeln zu kommen. «In unseren Partnerprojekten im Süden sehen wir die verheerenden Auswirkungen der Klimakrise, wir hier in Europa müssen unseren Beitrag leisten», sagt Daniel Wiederkehr, Verantwortlicher für die KlimaGe-spräche in der Deutschschweiz. Dabei setzen die KlimaGespräche dort an, wo die Wissensvermittlung aufhört. Denn die Erfahrung der letzten Jahre zeigt deutlich, dass Informationen über den Klimawandel allein nicht genügen, um Menschen zu Verhaltensveränderungen zu bewegen. «Es braucht die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema», sagt Wiederkehr.

Die Methode der KlimaGespräche wird inzwischen in zahlreichen Ländern wie Frankreich, Grossbri-tannien, Holland und Kanada erfolgreich angewandt. HEKS und Fastenaktion lancierten die Gespräche, die vom Bundesamt für Umwelt und verschiedenen Kirchgemeinden, Städten und Kantonen unterstützt werden, 2019 in der Deutschschweiz. In den vergangenen Jahren haben mehr als 400 Personen von St. Gallen über Zürich und Basel bis ins Wallis daran teilgenommen. Wer an den KlimaGesprächen teilgenommen hat, kann sich im Anschluss selber zum Moderator oder zur Modera-torin ausbilden lassen. Damit sollen möglichst viele Personen an verschiedensten Orten in der Deutschschweiz erreicht werden.

Mehr Informationen, Daten der geplanten KlimaGespräche und Anmeldung:

Studie des CDE: Zusammenfassung

Rückfragen und Auskünfte:

  • Barbara Lutz, HEKS; ; 031 385 18 40
  • Daniel Wiederkehr, Fastenaktion; ; 041 227 59 48
Am Samstag, 26. März, verkauften Freiwillige vielerorts Rosen für Projekte von HEKS, Fastenaktion und Partner sein. Zu jeder duftenden gibt es auch eine digitale Rose: Auf der Webseite «Give a Rose» kann diese zusammen mit einer Widmung verschenkt werden.

Zürich/Luzern, 21. März 2022. Am kommenden Samstag, 26. März, verkaufen Freiwillige vielerorts Rosen für Projekte von HEKS, Fastenaktion und Partner sein. Zu jeder duftenden gibt es auch eine digitale Rose: Auf der Webseite «Give a Rose» kann diese zusammen mit einer Widmung verschenkt werden.

An über 500 Orten in der ganzen Schweiz findet am 26. März 2022 der traditionelle Rosenverkauf im Rahmen der Ökumenischen Kampagne statt. Viele Freiwillige bieten Rosen für eine symbolische Spende von fünf Franken an und informieren über die Arbeit von Fastenaktion, HEKS und Partner sein. Über 70’000 Rosen sind bestellt worden, das sind fast wieder so viele wie vor der Corona-Pandemie.

«Wir sind sehr erfreut, dass so viele Kirchgemeinden und Pfarreien mitmachen», sagt Maggie Pfister, Bereichsleiterin Kommunikation bei Fastenaktion, «und dies, obschon die Situation mit Corona immer noch unsicher ist». Genau deswegen setzen die drei Entwicklungsorganisationen auch auf die Website «Give a Rose»: Zu jeder verkauften Rose gehört ein Gutschein, mit dem zusätzlich eine virtuelle Rose verschenkt werden kann.

Jede Rose bereitet dreifach Freude: Erstens, weil der Erlös an Projekte von HEKS, Fastenaktion und Partner sein geht. Zweitens, weil fair produzierte und gehandelte Max Havelaar-Rosen verkauft werden. Die Fair-Trade-Prämie kommt direkt den Mitarbeitenden auf den Rosenfarmen zugute. Und drittens, weil jede verschenkte Rose – ob duftend oder digital – die Empfängerin oder den Empfänger glücklich macht.

Die Ökumenische Kampagne macht dieses Jahr erneut auf die Klimakrise aufmerksam. Unter dem Motto «Klimagerechtigkeit – jetzt!» lassen die Entwicklungsorganisationen Menschen aus Afrika, Asien und Lateinamerika zu Wort kommen, die von den Folgen der Klimaerhitzung berichten. Und sie fordern Bundesrat und Parlament mit einer Petition dazu auf, endlich griffige Massnahmen gegen die Klimakrise zu erlassen.

Weitere Informationen und Material zum Download:

Auskünfte:

  • Selina Stadler, Kommunikation Ökumenische Kampagne Fastenaktion; +41 41 227 59 22;
  • Lorenz Kummer, Medien und Campaigning HEKS; +41 79 489 3824;
Die Schweizer Klimapolitik stockt und die Zeit drängt! Mit den Instrumenten von heute erreichen wir die Ziele von morgen nicht. Doch eine Klimaerhitzung über 1,5° C würde irreparable Schäden verursachen.

Luzern/Zürich, 15. März 2022. Ab heute lebt die Schweiz in bezug auf die Klimagerechtigkeit auf Kosten anderer. Die Menge CO2, welche die Schweiz ausstossen darf, um die 1.5-Grad-Beschränkung einzuhalten, ist erreicht. Fastenaktion, HEKS und Partner sein forderten deshalb an einer Medienkonferenz in Bern ambitionierte Klimaziele. Es braucht konkrete und griffige Massnahmen, damit die Schweiz das Ziel Netto-Null bis 2040 erreicht. Nur so können die Klimagerechtigkeit garantiert und jene Menschen gestärkt werden, die am meisten unter den Auswirkungen der Klimaerhitzung leiden.

Um die globale Erwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen, wie es das Pariser Klimaabkommen anstrebt, hat sich die Schweiz das Netto-Null-Ziel bis 2050 gesetzt. In Bezug auf die Klimagerechtigkeit haben wir jedoch heute schon unser ganzes CO2-Guthaben aufgebraucht. Zu diesem Schluss kam eine Diskussion zum Thema Klimagerechtigkeit von Ethiker:innen aus kirchlichen Institutionen. Diskutiert wurde auf der Grundlage von klimawissenschaftlichen Daten des Weltklimarates. Ab heute dürfte die Schweiz folglich kein CO2 mehr ausstossen. Dies tut sie aber weiterhin – auf Kosten anderer. «Jetzt ist es an der Zeit, konsequent und ambitioniert zu handeln. Die Schweiz muss ihren Beitrag zu mehr Klimagerechtigkeit leisten», sagte Judith Macchi, Themenbeauftragte für Klima und Umwelt bei HEKS, an der Medienkonferenz in Bern.  

Bemühungen für mehr Klimagerechtigkeit

In einem offenen Brief fordern die Hilfswerke von Bundesrat und Parlament ambitioniertere Klimaziele. «Wir verlangen die konsequente Abkehr von fossilen Energieträgern», erklärte Stefan Salzmann, Beauftragter für Klima- und Energiepolitik bei Fastenaktion. «Das Netto-Null-Ziel muss 2040 erreicht sein – nicht 2050 wie bis anhin – und dies auf einem mindestens linearen Absenkpfad. Zudem sollen die Beiträge zur Finanzierung von Emissionsminderungen und Anpassungen in anderen Ländern erhöht werden». Im Rahmen der Ökumenischen Kampagne haben die Hilfswerke deshalb eine Petition lanciert, die über Postkarten an Bundesrätin Sommaruga unterzeichnet werden kann. Bundesrat und Parlament werden darin aufgefordert, eine mutige und weitsichtige Klimapolitik zu betreiben und ihre Verantwortung für Klimagerechtigkeit wahrzunehmen.   

Sicht aus dem Süden

Jedes zusätzliche Zehntelgrad an globaler Erwärmung führt zu häufigeren Wetterextremen, mit welchen die Menschen in den Programmländern der drei Hilfswerke vermehrt zu kämpfen haben. Die Dürre in Madagaskar hat zu einer Hungersnot geführt, Taifune auf den Philippinen sorgten für Verwüstung und Armut, Überschwemmungen in Kolumbien raubten den Betroffenen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Die Folgen des Klimawandels sind sichtbar, und wohlhabende Länder wie die Schweiz stehen in der Verantwortung zu handeln. Zum einen, weil sie deutlich mehr zur Klimaerwärmung beitragen als die Menschen im globalen Süden, die jedoch ungleich stärker davon betroffen sind; zum anderen, weil sie im Gegensatz zu ärmeren Regionen die nötigen Ressourcen dafür haben. Der neueste IPCC-Bericht betont die Bedrohung des Klimawandels für die Menschheit und die Erde: Werde nicht bald entschlossen gehandelt, schliesse sich «für alle das Fenster auf eine sichere,  lebenswerte und nachhaltige Zukunft». 

Weiterführende Unterlagen:

  • «Handeln», das Magazin von HEKS zum Thema 
  • «Perspektiven», das Magazin von Fastenaktion zum Thema  

Auskünfte:  

  • Bettina Filacanavo, Medien und Information, HEKS, ; 076 461 88 70 
  • Selina Stadler, Kommunikation Ökumenische Kampagne, , 041 227 59 22 
Die Klimakrise ist akut. Am stärksten betroffen sind Menschen im globalen Süden, die am we-nigsten zum Klimawandel beitragen. Das ist ungerecht.

Medienmitteilung

Energieverschwendung führt zu Überschwemmungen

2. März 2022, Luzern/Zürich. Die Klimakrise ist akut. Am stärksten betroffen sind Menschen im globalen Süden, die am wenigsten zum Klimawandel beitragen. Das ist ungerecht. Während viele Menschen keinen Zugang zu «sauberer» Energie haben, verbrauchen wir im Norden zu viel Energie. Dieser Überkonsum ist einer der grössten Treiber der Klimakrise, die zu Hunger und Armut bei den Menschen im globalen Süden führt. Länder wie die Schweiz, die über ihre Ver-hältnisse leben, müssen daher mehr für den Klimaschutz tun und ihren CO2-Ausstoss verrin-gern. Darum fordern Fastenaktion, HEKS und Partner sein in der Ökumenischen Kampagne 2022 mehr Klimagerechtigkeit.

Würden alle Menschen der Welt so konsumieren wie wir in der Schweiz, bräuchten wir mehr als drei Erden. Wir haben jedoch nur diese eine, und die gilt es zu beschützen. Deshalb fordert die Ökumenische Kampagne für die Schweiz die Reduktion des CO2-Ausstosses auf Netto-Null bis 2040. Die Energieproduktion ist weltweit für rund 70 Prozent des CO2-Ausstosses verantwortlich. Wir können und müssen unseren Energieverbrauch reduzieren – einerseits durch einen bewussteren und nach-haltigeren Konsum, andererseits durch den Umstieg auf erneuerbare Energien. Dafür braucht es ein Umdenken auf individueller Ebene sowie konkrete politische Vorgaben.

Die Forderung «Klimagerechtigkeit-jetzt» der Ökumenischen Kampagne 2022 von Fastenaktion, HEKS und Partner sein will für Klimaschutz, Alternativenergie und Eigenverantwortung sensibilisie-ren. Dies geht Hand in Hand mit den grundsätzlichen Themen der Organisationen, wie die Verteidigung der Menschenrechte, die Überwindung der Armut oder das Recht auf Nahrung. Wir haben das nötige Wissen, die Technologien und die Ressourcen zur Umstellung auf erneuerbare Energien. Fastenaktion und HEKS fördern dies mit ihren Projekten. Die Umstellung darf jedoch keinesfalls auf Kosten der Ärmsten geschehen, sondern muss sozial und ökologisch verträglich sein.

Globale Zusammenhänge erkennen und handeln

«Mein Haus wurde überschwemmt», berichtet eine Frau aus Indonesien; «wir haben immer weniger Wasser» ein Mann aus Kolumbien. So gegensätzlich die Aussagen der Betroffenen auch scheinen, so ähnlich sind sie in ihrem Ursprung. Der Klimawandel zeigt sich besonders verheerend in den Projektländern der drei Organisationen. Zu viel oder zu wenig Regen, Überschwemmungen, Taifune, Dürren – solche extremen Wetterereignisse führen dazu, dass die betroffene Bevölkerung mit Hunger und Armut zu kämpfen hat. Um diese Entwicklung zu stoppen, muss der globale Temperaturanstieg auf 1.5°C beschränkt bleiben – so wie im Pariser Klimaabkommen vereinbart. Deshalb beziehen Fastenaktion, HEKS und Partner sein mit der Ökumenischen Kampagne auch politisch Position und fordern Parlament und Bundesrat auf zur raschen Revision des CO2-Gesetzes.

Weiterführende Unterlagen:

Auskünfte:

  • Selina Stadler, Kommunikation Ökumenische Kampagne,
    , 041 227 59 22
  • Lorenz Kummer, Medien und Campaigning, HEKS,
    , 079 489 3824
In einigen Regionen der Welt sind die Grenzen der Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel bereits erreicht. Zu diesem alarmierenden Schluss kommt der heute veröffentlichte Bericht des Weltklimarats (IPCC). Besonders betroffen sind Menschen im globalen Süden, die wenig zur Klimakrise beigetragen haben. Die Entwicklungsorganisationen Fastenaktion und HEKS fordern deshalb dringend mehr Klimagerechtigkeit.

28. Februar 2022, Zürich/Luzern. In einigen Regionen der Welt sind die Grenzen der Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel bereits erreicht. Zu diesem alarmierenden Schluss kommt der heute veröffentlichte Bericht des Weltklimarats (IPCC). Besonders betroffen sind Menschen im globalen Süden, die wenig zur Klimakrise beigetragen haben. Die Entwicklungsorganisationen Fastenaktion und HEKS fordern deshalb dringend mehr Klimagerechtigkeit.

Der Umfang des IPCC-Berichts ist gigantisch, die Ergebnisse einmal mehr alarmierend: Rund 270 internationale Klimaexpert:innen haben über 34 000 wissenschaftliche Publikationen ausgewertet und auf dieser Grundlage den 2500 Seiten starken zweiten Teil des sechsten IPCC-Berichts erstellt. Darin geht es um die Folgen des Klimawandels für Natur und Menschen und um die Anpassungen, die nötig sind, um das Leben auf der Erde im Gleichgewicht zu halten.

Der neueste Bericht des Weltklimarats macht deutlich: «In Armut lebende Menschen sind nicht in der Lage, sich ausreichend an die Klimaerhitzung anzupassen. Das gefährdet ihre Versorgung mit Nahrungsmitteln. Hier sind die Verursacher:innen der Klimakrise in der Pflicht. Sie müssen Unterstützung bieten», erklärt Stefan Salzmann, Programmverant-wortlicher für Klimagerechtigkeit und Klimapolitik bei Fastenaktion, der zum Bericht einen Blogbeitrag verfasst hat. Quer über die 18 Kapitel des Berichts wird klar, wie gross die Herausforderungen sind: Die Klimaerhitzung ist so weit fortgeschritten, dass gewisse Regionen sich bereits jetzt nicht mehr an die Folgen dieser Krise anpassen können.

Eine Frage der Gerechtigkeit

Es sind vor allem Menschen im globalen Süden, die zunehmend in ihrer Existenz bedroht sind. Dies bestätigt Judith Macchi, Themenverantwortliche für Klimawandel und Resilienz bei HEKS: «Wir erleben es derzeit im südlichen Äthiopien. Eine Dürre alle zehn Jahre war dort früher normal. Nun aber häufen sich diese Extremwetter-Ereignisse. Aktuell kämpfen die Menschen mit der dritten Dürre seit 2012, und es gelingt ihnen nicht mehr, sich von einem zum nächsten Dürreschock zu erholen.»

Das Beispiel Äthiopien führt vor Augen, dass Menschen die Folgen einer Krise ausbaden müssen, die sie nicht mitverursacht haben. Im neuen Positionspapier zum Thema Klimagerechtigkeit definiert HEKS, was es unter diesem Begriff versteht und wie es in seinen Projekten Menschen rund um den Globus in ihrem Kampf gegen die Folgen der Klimaerhitzung unterstützt. Dazu kommen Forderungen für eine klimagerechte Welt. «Wir verlangen, dass der Klimawandel nicht nur als umwelt-, sondern auch als sozial- und menschenrechtspolitisches Problem angegangen wird», so Macchi. «Deshalb engagieren wir uns für den Schutz der Rechte der Schwächsten und eine gerechte Verteilung der Kosten und Lasten des Klimawandels.»

Ökumenische Kampagne

In der Schweiz rücken Fastenaktion und HEKS das Thema Klimagerechtigkeit durch die Ökumenische Kampagne ins Bewusstsein. Die diesjährige Kampagne, die am 2. März beginnt, thematisiert im Rahmen des vierjährigen Kampagnenzyklus «Klimagerechtigkeit-jetzt! die Energieverschwendung in wohlhabenden Ländern wie der Schweiz, während viele Menschen in Ländern des globalen Südens keinen Zugang zu verlässlicher und sauberer Energie haben. Konkret fordern die Entwicklungsorganisationen Bundesrat und Parlament zur raschen Revision des CO2-Gesetzes auf – mit dem Ziel, den CO2-Ausstoss der Schweiz bis 2040 auf Netto Null zu reduzieren.

Auskünfte:

  • Lorenz Kummer, Medien und Campaigning HEKS; +41 79 489 3824;
  • Stefan Salzmann, Klima- und Energiepolitik, Fastenaktion; , +41 41 227 59 53
Die Petition wurde am 27. April von Yvan Maillard, Brot für alle, an zwei Vertreter/innen der Nationalbank in Bern übergeben. Foto: Patrik Kummer/Brot für alle

Bern/Luzern, 30. April 2021. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) nimmt ihre klimapolitische Verantwortung nach wie vor nicht wahr. An der heutigen Online-Generalversammlung erklärte sie auf Fragen der Entwicklungsorganisationen HEKS und Fastenaktion bloss, sie beteilige sich am «internationalen Erfahrungsaustausch» im Rahmen eines Netzwerks von Zentralbanken, ohne jedoch konkrete Massnahmen zur Reduktion ihrer Klimawirkung zu benennen.

Am Mittwoch hatten die beiden Hilfswerke der Bank eine von 14’000 Personen unterzeichnete Petition übergeben, welche die SNB zum Ausstieg aus Investitionen in fossile Energien aufforderte (vgl. Medienmitteilung von heute Morgen). 

Die SNB teilte mit, dass sie dem Pariser Abkommen nicht unterstellt sei und dass das Schweizer CO2-Gesetz keine Vorschriften für ihre Anlagen beinhalte. Weiter betont sie, dass sie eine breite Diversifizierung der Anlagen anstrebe. Obwohl die Nationalbank behauptet, dass sie sich seit längerem intensiv mit dem Thema Klimawandel beschäftigt, hat sie bisher nur wenig getan: Die SNB hat Unternehmen aus ihrem Portfolio ausgeschlossen, die primär Kohleminen betreiben. Das sind aber nur fünf Unternehmen unter den 150 Unternehmen des SNB-Portfolios, die in fossilen Energien tätig sind. Diese fünf Unternehmen machen nur 0.1 Prozent der SNB-Investitionen in fossile Energien aus. 

So bleibt die SNB im Rückstand im Vergleich zu anderen Zentralbanken, die aus Klima- und Risikogründen Investitionen in fossile Energien abstossen – etwa die Banque de France und die Schwedische Bank, die vollständig aus Kohle, Erdöl und Erdgas aussteigen. Eine von der NGO «Positive Money» publizierte Studie bestätigt den Rückstand der SNB in Sachen Klimaschutz. Die Schweiz liegt im Rating deutlich hinter den Zentralbanken ihrer Nachbarländer. 

Auskünfte: 

  • Yvan Maillard Ardenti, HEKS; 079 489 3824;  
  • Matthias Dörnenburg, Fastenaktion; 041 227 59 21;

Die Petition wurde am 27. April von Yvan Maillard, Brot für alle, an zwei Vertreter/innen der Nationalbank in Bern übergeben. Foto: Patrik Kummer/Brot für alle

Bern/Luzern, 30. April 2021. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) soll aus Investitionen in fossile Energien aussteigen, die den Klimawandel anheizen. Dies fordern die Entwicklungsorganisationen Fastenaktion und HEKS mit einer von 14'000 Personen unterzeichneten Petition. Diese wurde der SNB am Mittwoch auf dem Berner Bundesplatz übergeben. Die Klimaverantwortung der SNB wird auch an der heutigen Generalversammlung der Bank ein Thema sein.

Mit einer von 13’929 Personen unterzeichneten Petition fordern deshalb die Entwicklungsorganisationen Fastenaktion und HEKS die SNB auf, alle Investitionen in fossile Energien umgehend abzustossen. Die Petition wurde am Mittwoch einem Vertreter der Nationalbank auf dem Berner Bundesplatz übergeben. Die Hilfswerke werden die Klimaverantwortung der SNB auch an der heutigen Online-Generalversammlung (GV) zum Thema machen und die Bank mit entsprechenden Fragen zu deren Anlagestrategie konfrontieren.

SNB hinkt hinterher

Mit ihrer Investitionsstrategie steht die SNB in Widerspruch zu eigenen Anlagerichtlinien. Diese schreiben vor, dass die Bank auf Investitionen verzichten muss, die «grundlegende Menschenrechte massiv verletzen oder systematisch gravierende Umweltschäden verursachen». Im Rahmen der diesjährigen Ökumenischen Kampagne zeigten HEKS und Fastenaktion unter dem Motto «Klimagerechtigkeit – jetzt!» auf, dass vor allem ärmere Menschen im globalen Süden die Folgen der Klimaerhitzung, etwa mehr Wirbelstürme oder längere Dürren, schon heute als Verletzung ihrer Menschenrechte erleben – ausgerechnet jene Menschen also, die kaum etwas zur Klimakrise beitragen.

Die von der Organisation Campax mitunterstützte Petition fordert die SNB deshalb auf, ihre Vorbildfunktion wahrzunehmen und mit dem Ausstieg aus fossilen Energien einen Beitrag zu mehr globaler Klimagerechtigkeit zu leisten. Als einer der weltweit grössten institutionellen Investoren hätte die SNB dafür noch viel Potenzial: Zwar gab die Bank im Dezember 2020 bekannt, Unternehmen aus ihrem Portfolio auszuschliessen, die primär Kohleminen betreiben. Das ist aber nur ein kleiner Schritt, weil 99.9 Prozent der Investitionen in fossile Energien davon unberührt bleiben.

Andere Zentralbanken sind weiter und steigen aus Klima- und Risikogründen aus fossilen Energien aus. Um in Übereinstimmung mit dem Klimaabkommen von Paris zu sein, plant etwa die Banque de France bis 2024 den vollständigen Ausstieg aus der Kohle und den Ausschluss von Öl- und Gasunternehmen aus ihrem Portfolio. Eine Ende März von der NGO «Positive Money» publizierte Studie bestätigt den Rückstand der SNB in Sachen Klimaschutz. Die Schweiz liegt im Rating deutlich hinter den Zentralbanken ihrer Nachbarländer, aber auch hinter den entsprechenden Instituten der EU, Grossbritanniens, Brasiliens und Chinas.

Weitere Informationen

Auskünfte:

  • Yvan Maillard Ardenti, HEKS, 079 489 38 24,
  • Matthias Dörnenburg, Fastenaktion, 041 227 59 21,

Das Leben auf Klimakurs bringen

Bern/Luzern, 2. Februar 2021. Die KlimaGespräche stossen trotz der Corona-Krise auf Anklang. 2020 hat die aus England stammende Methode mehr als 200 Menschen in der ganzen Deutschschweiz dabei unterstützt, ihr Leben auf Klimakurs zu bringen und ihren CO2-Ausstoss zu reduzieren. Nun gehen die KlimaGespräche mit 27 neuen Moderatorinnen und Moderatoren an acht Orten und auch Online in die nächste Runde.

Viele Schweizerinnen und Schweizer machen sich Sorgen über den Klimawandel. Trotzdem sind die wenigsten bereit, ihren Lebensstil anzupassen und etwa auf das Auto, die Ferienwohnung, exotische Lebensmittel oder ein neues Handy zu verzichten. Dies zu ändern, ist das Ziel der KlimaGespräche. Die in Grossbritannien entwickelte Methode vereint technische und psychologische Aspekte und setzt auf die Dynamik und Unterstützung der Gruppe. Mit Erfolg: Untersuchungen zeigen, dass Menschen dank der KlimaGespräche ihren CO2-Ausstoss innert fünf Jahren um die Hälfte verringern konnten.

Die Methode wird inzwischen in zahlreichen Ländern wie Frankreich, Grossbritannien, Holland und Kanada erfolgreich angewandt. 2019 lancierten HEKS und Fastenaktion die KlimaGespräche, die vom Bundesamt für Umwelt und verschiedenen Städten und Kantonen unterstützt werden, auch in der Deutschschweiz. Im vergangenen Jahr haben mehr als 200 Personen von St. Gallen über Zürich und Basel bis ins Wallis daran teilgenommen. Zudem wurden auch vier Online-Gespräche durchgeführt.

Wer an den KlimaGesprächen teilgenommen hat, kann sich im Anschluss selber zum Moderator oder zur Moderatorin ausbilden lassen. Dank 27 neu ausgebildeten Moderatorinnen und Moderatoren sollen mit einer neuen Serie von KlimaGesprächen auch 2021 möglichst viele Personen an acht Orten in der Deutschschweiz erreicht werden. Auch Online gibt es erneut mehrere Angebote.

Information allein reicht nicht 

«Die KlimaGespräche setzen dort an, wo die Wissensvermittlung aufhört», sagt Daniel Wiederkehr, Verantwortlicher für die KlimaGespräche in der Deutschschweiz. Denn die Erfahrung der letzten Jahre zeige deutlich, dass Informationen über den Klimawandel allein nicht genügen, um Menschen zu Verhaltensveränderungen zu bewegen. «Es braucht die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema», sagt Wiederkehr. In Gruppen zu sechs bis zehn Personen und unter der Leitung von jeweils zwei ModeratorInnen analysieren die Teilnehmenden im Rahmen von sechs Gesprächsrunden die eigenen Gewohnheiten in den Bereichen Wohnen, Mobilität, Ernährung und Konsum und deren Folgen fürs Klima. Zudem setzen sie sich in den Gesprächen damit auseinander, wie sie auch ihr Umfeld für einen nachhaltigen Lebensstil sensibilisieren können.   

Gleichzeitig werden innere Prozesse wie Ängste und Motivation beleuchtet, die eine langfristige Verhaltensänderung erschweren können. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Widerständen und der Austausch in der Gruppe helfen, das Gefühl der Machtlosigkeit zu überwinden und zu einem Lebensstil zu finden, der eine langfristige Reduktion der CO2-Emissionen ermöglicht. «Die KlimaGespräche öffnen die Augen: Zusammenhänge werden klarer und ich komme auf Ideen, was ich als Einzelperson gegen den Klimawandel tun kann», fasst eine Teilnehmerin ihre Erfahrungen zusammen. «Wer etwas ändern möchte und den Dreh nicht schafft, ist hier genau richtig. Informationen und Austausch in einer guten Mischung, Ermutigung und gemeinsames Nachdenken bringen einen weiter», sagt eine andere Teilnehmerin.

 

Anmeldung und mehr Informationen: www.sehen-und-handeln.ch/klimagespraeche 

Rückfragen und Auskünfte:

  • Pascale Schnyder, HEKS; schnyder@bfa-ppp.ch; 076 562 30 88
  • Daniel Wiederkehr, Fastenaktion; wiederkehr@fastenaktion.ch; 079 402 43 28

Nein zur KVI – der Einsatz für Menschenrechte geht weiter

Fastenaktion und HEKS sind enttäuscht über das Nein der Stände zur Konzernverantwortungsinitiative (KVI). Das Volks-Ja zeigt: Für die Bevölkerung ist klar, dass Schweizer Konzerne auch im Ausland Verantwortung übernehmen müssen. Bundesrat und Wirtschaftsverbände werden nun dafür sorgen müssen, dass diesem Wunsch der Bevölkerung entsprochen wird. Das Ja der Mehrheit der Bevölkerung ermutigt die beiden Organisationen, ihre Arbeit im Bereich der Menschenrechte im globalen Süden weiterzuführen.

Als Mitinitianten der KVI sind HEKS und Fastenaktion enttäuscht über das Nein der Stände zur Initiative. Die beiden Werke sind aber überzeugt, dass sich der Einsatz für die Menschenrechte und den Schutz der Umwelt in den letzten Jahren gelohnt hat. Dies bekräftigt auch das Volks-Ja. Selten hat eine politische Kampagne so viel bewegt und zu derart intensiver Diskussion angeregt. Die breite Unterstützung von tausenden von Freiwilligen, im kirchlichen Umfeld und in der Zivilgesellschaft zeigt, was der Bevölkerung wichtig ist: eine wirtschaftliche starke Schweiz, die aber auch die Menschenrechte und den Schutz der Umwelt hochhält.

Die grosse Sensibilisierung in diesem Bereich, die in den letzten Jahren stattfand, ist klar der Konzernverantwortungsinitiative zu verdanken. Vor einigen Jahren sprachen nur wenige über Menschenrechtsverletzungen durch Schweizer Konzerne. Heute bestreitet niemand mehr, dass sich auch Unternehmen an Menschenrechte und Umweltstandards halten müssen – auch im Ausland.

Die Arbeit geht weiter

Während des Abstimmungskampfs haben der Bundesrat und die Wirtschaftsverbände immer wieder betont, dass sie das Ziel der Initiative – den Schutz der Menschenrechte und der Umwelt – voll und ganz teilen. Fastenaktion und HEKS erwarten deshalb, dass den Verlautbarungen auch Taten folgen und sich diese positiv auf die Situation für die Menschen rund um die Projekte von Schweizer Konzernen auswirken.

Das Ja der Mehrheit der Bevölkerung ist für HEKS und Fastenaktion ein Ansporn, ihre Arbeit im Bereich der Menschenrechte weiterzuführen. Die beiden Organisationen werden sich weiterhin für die Rechte der Ärmsten einsetzen, Missstände zusammen mit ihren Partnerorganisationen ansprechen und Gerechtigkeit einfordern, in der Schweiz aber auch direkt vor Ort. Denn wenn Konzerne Menschenrechte verletzen oder die Umwelt zerstören, muss dies publik gemacht werden. Profit erwirtschaften zulasten der Schwächsten der Gesellschaft darf nicht sein.

Weitere Auskünfte:

  • HEKS: Nina Burri, Verantwortliche Unternehmen und Menschenrechte, 079 489 38 24
  • Fastenaktion: Bernd Nilles, Geschäftsleiter, 079 738 97 57

Bildnachweis: Meinrad Schade (Headerbild und Vorschaubild)
Soeur-Nathalie

Sœur Nathalie Kangaji ist Rechtsanwältin in der kongolesischen Minenstadt Kolwezi
und leitet die juristische Beratungsstelle des «Centre d’aide juridico-judiciaire»,
einer Partnerorganisaton von HEKS und Fastenaktion.

Kongolesische Juristin hofft auf die KVI

Die Demokratische Republik Kongo (DRK) birgt eine Vielzahl natürlicher Ressourcen und strategisch wichtiger Mineralien, dazu gehören insbesondere Kupfer und Kobalt.

Kobalt wird für die Herstellung von wiederaufladbaren Batterien für Smartphones und Elektrofahrzeuge benötigt und ist daher heute der begehrteste Rohstoff der Welt. Deshalb sind die Kupfer- und Kobaltminen und ihre Aktivitäten zu unentbehrlichen Pfeilern der Wirtschaft geworden.

Die Region Lualaba ist in Bezug auf den Bergbau für die DRK äusserst wichtig. Dies zeigt sich auch an den bedeutenden Kupfer- und Kobaltminen in dieser Region. In der Tat verfügt sie über fast die Hälfte der weltweiten Kobaltreserven. Paradoxerweise steht der unermessliche Reichtum dieser Minen im Gegensatz zur extremen Armut der lokalen Bevölkerung, die von den Bergbauaktivitäten kaum profitiert. Man müsste sich also fragen, wie die Einnahmen aus der Kobaltgewinnung für eine echte Entwicklung dieser Provinz und speziell der umliegenden Gemeinden genutzt werden könnten. 

In dieser Provinz Lualaba liegt auch Kolwezi, einer der Orte mit den grössten Kobaltvorkommen der Welt. Es ist kein Zufall, dass sich Mutanda Mining und Kamoto Copper Company, zwei Tochtergesellschaften von Glencore, hier niedergelassen haben. Die Minenaktivitäten folgen dabei der wirtschaftlichen Logik, dies oft zum Nachteil der lokalen Bevölkerung. Denn der Bergbau bedeutet immer Risiken für Umwelt und Gesundheit der Bevölkerung.

Gefährliche Minenaktivitäten

Tatsächlich zahlen die direkt betroffenen lokalen Gemeinschaften einen hohen Preis. Sie leiden unter Wasser-, Luft- und Bodenverschmutzungen – sowie deren Folgen für die Gesundheit. Hinzu kommen weitere Vorfälle, die die Menschenrechte verletzen. Oder der Unfall eines Lastwagens, der im Auftrag einer der Tochterfirmen von Glencore Säure transportierte. Er kippte auf der Strasse nach Kolwezi in der Nähe des Dorfes Kabwe, was im Februar 2019 zahlreiche Schwerverletzte und 21 Todesopfer forderte.

Angesichts dieser gravierenden Auswirkungen auf die umliegenden Gemeinden und die Umwelt, stellt sich die wichtige Frage der Haftung der Konzerne. Das kongolesische Recht sieht zwar vor, dass Minenbetreiber die durch sie verursachten Schäden ersetzen müssen, in der Realität sieht es leider anders aus. Denn in der Praxis verhalten sich multinationale Konzerne wie Herrscher.

So wird im Fall eines Unfalles oft jegliche Sorgfalt missachtet. Bei sichtbaren Schäden, zum Beispiel durch von Giftmüll verunreinigtes Wasser, kontaminierte Böden, geschädigte Ernten oder wenn gar Menschenleben betroffen sind, verlangen die Minen zuerst wissenschaftliche Beweise. Danach reden die Bergbaukonzerne die Fakten klein oder leugnen sie ganz und verweigern jegliche Wiedergutmachung. Noch komplizierter wird das Problem, wenn die Auswirkungen unsichtbar oder latent sind.

Gesetze greifen nicht

Die Wiedergutmachung durch eine gütliche Einigung, wie sie im kongolesischen Bergbaugesetz vorgesehen ist, erweist sich, angesichts des Widerstands der multinationalen Konzerne, für die Opfer oft als schwierig. Als einzige Möglichkeit bleibt der juristische Weg, um Druck auszuüben.

Wir haben noch kein starkes Rechtssystem. Das Land kämpft nach wie vor für eine faire und unabhängige Justiz. Unser Justizsystem leidet noch an weiteren Übeln, dazu gehört Korruption. Daher ist ein faires Gerichtsverfahren gegen multinationale Konzerne schwierig.

Aus diesem Grund unterstütze ich die Konzernverantwortungsinitiative voll und ganz und lade alle Schweizerinnen und Schweizer guten Willens ein, dafür zu stimmen. Die Initiative gibt den Opfern die Möglichkeit, ihre Klage in der Schweiz einzureichen. Dadurch erhalten sie die Chance auf eine faire Wiedergutmachung für erlittene Schäden.

Bedenken Sie, dass die wirtschaftliche Macht der multinationalen Konzerne in einem Land mit einer schwachen Justiz grosses Gewicht hat. Sie kann dazu benutzt werden, das Recht zu instrumentalisieren. Deshalb stellt sich unser Justizsystem oft in den Dienst der Stärksten, der Vermögenden.

Chance für Prävention und Justiz

In Bergbaugebieten bereiten die Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung grosse Sorgen. Es ist empörend festzustellen, dass einzig wirtschaftliche Interessen zählen – auf Kosten von Menschenleben. Keine Behörde und kein Konzern übernimmt die Verantwortung und beachtet den Zustand der Umwelt und noch weniger den Gesundheitszustand der von den Minenaktivitäten direkt betroffenen Bevölkerung.

Wenn nicht rechtzeitig verantwortungsvolle Präventionsmassnahmen ergriffen werden, wirken sich die Minenaktivitäten negativ auf die Gesundheit der Bevölkerung aus. Die Initiative wäre solch eine Massnahme, damit Glencore seine Tochterunternehmen Mutanda Mining und Kamoto Copper Company aufgrund seiner Sorgfaltspflicht in Bezug auf die Einhaltung der Menschenrechte und den Schutz der Umwelt überwacht. So gesehen ist die Konzernverantwortungsinitiative eine Präventionsmassnahme im Bereich der öffentlichen Gesundheit zugunsten der Menschen im globalen Süden, die von diesen Aktivitäten betroffen sind.

Die Konzernverantwortungsinitiative wird die Entstehung einer effizienten und fairen Justiz für alle ermöglichen. Dies, weil die Schweiz zu den Ländern gehört, die in Menschenrechtsfragen sehr weit fortgeschritten sind, und weil die Menschenrechtsinstitutionen dort ihren Sitz haben. Zudem könnte allen Parteien zugesichert werden, dass das Recht auf einen fairen Prozess garantiert ist.  

 

Soeur Nathalie Kangaji auf die Frage, wie die Konzern-Initiative den Menschen im Kongo helfen könnte.

Webreport: Im Schatten des Kobaltbooms

Lesen Sie dazu auch unseren Webreport „Im Schatten des Kobaltbooms“

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Bern/Luzern, 21. Oktober 2020. Die Kupfer- und Kobaltminen des Schweizer Rohstoffkonzerns Glencore in der Demokratischen Republik Kongo bergen erhebliche Risiken für Umwelt und Menschen in ihrem Umfeld. Ein neuer Bericht von HEKS und Fastenaktion zeigt, wie schwierig es für Geschädigte in einem Land mit schwachen staatlichen Institutionen ist, zu ihrem Recht zu kommen. Abhilfe könnte künftig die Konzernverantwortungsinitiative schaffen, über die in einem Monat abgestimmt wird.

Im Februar 2014 überquerte der 23-jährige Mutombo Kasuyi das Gelände der Kupfer- und Kobaltmine KCC, die dem Schweizer Rohstoffkonzern Glencore gehört. Dabei wurde er von einer Sicherheitspatrouille der Mine festgenommen und kurz danach in ein Spital in Kolwezi gebracht, wo ein Arzt seinen Tod feststellte. Mutombos Familie erstattete sofort Strafanzeige; zwei Obduktionen ergaben, dass Mutombo wahrscheinlich durch Gewalt zu Tode gekommen war. Trotzdem wurden in einem ersten Gerichtsverfahren zwei angeklagte Sicherheitskräfte freigesprochen.

Die zweite Instanz wies das Verfahren aber zurück, da der Prozess nicht rechtskonform gewesen sei: Die Mitglieder der KCC-Sicherheitspatrouille hatten sich widersprochen, und wichtige Beweisstücke waren unter mysteriösen Umständen verschwunden oder ignoriert worden. Das war vor drei Jahren, doch seither ist nichts mehr geschehen. Anfang 2020 wurde schliesslich klar, dass der entscheidende Rückweisungsentscheid plötzlich aus den Akten verschwunden war. Mutombos Familie wartet also seit über sechs Jahren auf ein rechtskräftiges Urteil und auf Klarheit über die Ereignisse vom Februar 2014.

Keine Garantie auf fairen Prozess

Die Entwicklungsorganisationen Fastenaktion und HEKS haben diese Justizgeschichte aus der Demokratischen Republik Kongo (DRK) in ihrem neusten Bericht minutiös recherchiert. Der Fall zeigt exemplarisch auf, wie schwierig der Zugang zur Justiz in Ländern mit schwachen staatlichen Institutionen wie der DRK sein kann. Und er illustriert, dass in solchen Staaten das Recht auf einen fairen Prozess nicht garantiert ist.

Abhilfe würde die Konzernverantwortungsinitiative schaffen. Denn die mutmasslichen Täter waren entweder direkt bei der Glencore-Tochter KCC angestellt oder standen unter deren operationeller Aufsicht. Somit wäre zu prüfen, ob der Sachverhalt unter die Haftungsklausel der Vorlage fallen würde, über die am 29. November abgestimmt wird. Die Initiative könnte Opfern wie Mutombos Familie künftig den Weg zum Recht in der Schweiz ebnen, wo sie (möglicherweise) eine zivile Haftungsklage gegen Glencore einreichen könnte.

Toxische Risikoauslagerung

Der jüngste Bericht ist der fünfte von HEKS und Fastenaktion über die Tätigkeit von Glencore in der DRK seit 2011. Neben dem Fall von Mutombo Kasuyi dokumentiert er den tragischen Unfall eines Tanklastwagens mit Schwefelsäure in der Nähe von Kolwezi im Februar 2019, bei dem 21 Menschen starben und sieben Personen teilweise schwer verletzt wurden. Die Säure war für Glencores Mutanda-Mine bestimmt, der Konzern hatte aber den Transport an ein anderes Unternehmen ausgelagert. Dieses beauftragte einen weiteren Subunternehmer, welcher den Transport wiederum an einen privaten Lastwagenbesitzer delegierte.

Diese Risikoauslagerung über drei Stufen hatte zur Folge, dass im konkreten Schadenfall niemand haften wollte: Der Lastwagenbesitzer hatte sein Fahrzeug nicht versichert und tauchte nach dem Unfall unter. Erst anderthalb Jahre später, als Fastenaktion und HEKS bereits über den Fall recherchierten, bot der Eigentümer des Lastwagens über seine Anwälte einem Teil der Opfer Entschädigungen an. Glencore wiederum muss sich die Frage gefallen lassen, ob der Konzern alles unternommen hat, um sicherzustellen, dass alle in seiner Lieferkette für Chemikalientransporte verwendeten Fahrzeuge mit einer Versicherung gedeckt waren.

Verhandlung vor Milo Raus Kongo-Tribunal

Der Unfall des Schwefelsäuretransporters ist einer der Fälle, die im neuen Kongo-Tribunal des Schweizer Regisseurs und Autors Milo Rau verhandelt werden. Am kommenden Sonntag, 25. Oktober, werden die Ergebnisse dieser «Kolwezi Hearings» zu einer Reihe von Menschrechtsverletzungen, Fällen von Umweltverschmutzung und Korruption in der Bergbauregion von Kolwezi im Schiffbau des Zürcher Schauspielhauses zusammengefasst und debattiert.

Material zum Download:
Fotos und Grafik, Zusammenfassung des Berichts, Vollversion des Berichts

Auskünfte: Nina Burri, HEKS, +41 79 489 38 24;

Bern/Luzern, 2. September 2020. Batterien sind der Knackpunkt der Elektromobilität. Eine Studie von HEKS, Fastenaktion und des VCS Verkehrs-Clubs der Schweiz untersucht erstmals den Umgang der wichtigsten Akku-Hersteller mit Umwelt- und Menschenrechtsfragen. Probleme bestehen vor allem bei der Transparenz der Lieferketten, der Rohstoffförderung und beim Recycling der Akkus.

Heutige Elektroautos speichern die Energie in Lithium-Ionen-Batterien. Um einen Einblick in den Umgang mit Umwelt- und Menschenrechtsfragen bei deren Produktion zu erhalten, haben HEKS, Fastenaktion und der VCS die Geschäftspolitik der sechs weltweit grössten Hersteller von Fahrzeugbatterien analysiert. Das Schweizer Unternehmen ABB war ebenfalls Gegenstand der Untersuchung. Der Technologie-konzern produziert allerdings keine Autobatterien, sondern montiert unter anderem integrierte Energiespeichersysteme für öffentliche Verkehrsmittel.

In der Gesamtbewertung schneidet der südkoreanische Hersteller Samsung SDI am besten ab, während just der chinesische Weltmarktführer CATL auf dem Schlussrang landet – dies vor allem aufgrund mangelnder Transparenz. Die Rückverfolgbarkeit der Lieferketten weist indessen bei allen Herstellern erhebliche Mängel auf. So fehlen praktisch überall Angaben zu den Minen, aus denen die Rohstoffe stammen.

Sorgfaltspflicht umfassend wahrnehmen

Ausserdem beschränken die Unternehmen ihre Sorgfaltspflicht auf sogenannte Konfliktmineralien und auf Kobalt aus der Demokratischen Republik Kongo, das wegen verbreiteter Kinderarbeit in den Minen als problematisch gilt. Andere Rohstoffe wie etwa Lithium oder Nickel, deren Abbau ebenfalls gravierende soziale und ökologische Schäden verursacht, werden weitgehend ausgeblendet.

Die Herausgeber der Studie fordern deshalb die Hersteller der Batterien auf, ihre Sorgfaltspflicht entlang der gesamten Lieferkette und für alle verwendeten Rohstoffe wahrzunehmen. Entscheidend sind dabei mehr Transparenz in Bezug auf die Herkunft der Rohstoffe, die Arbeitsbedingungen in den entsprechenden Minen und die sozialen und Umweltfolgen in deren Umfeld. Zudem sollten die Unternehmen Missstände in den Lieferketten nicht nur identifizieren, sondern zusammen mit Akteuren der Zivilgesellschaft für Lösungen sorgen.

Recycling fördern und Verkehr reduzieren

Verbesserungsmöglichkeiten sehen Fastenaktion, HEKS und der VCS auch im Ausbau des Recyclings. Sie fordern die Politik auf, entsprechende Innovationen zu fördern sowie Anreize und Regulationen zu schaffen, damit Batterien möglichst lange genutzt und vollständig rezykliert werden. Denn heute ist die Förderung immer neuer Batterierohstoffe oft billiger als deren Wiederverwendung. Recycling muss auch dazu beitragen, die CO2-Emissionen der Akkuherstellung zu reduzieren. Bisher richten nur drei der untersuchten Unternehmen ihre Emissionsziele an den Zielen des Pariser Klimaabkommens aus.

Unter dem Strich ist die Ökobilanz von Elektrofahrzeugen besser als jene von Fahrzeugen, die mit fossiler Energie betrieben werden. Um den Rohstoffbedarf zu begrenzen, braucht es aber eine Reduktion des Fahrzeugbestands. Dazu muss sich das Mobilitätsverhalten ändern, etwa durch den vermehrten Umstieg auf den öffentlichen Verkehr sowie die Förderung von Carpooling, Carsharing und des Veloverkehrs.

Factsheet zur Studie, Grafik und Vollversion der Studie zum Download:

«Die Batterie: Knackpunkt der Elektromobilität» (Vollständige Studie)

Factsheet zur Studie

Grafik zu den Ergebnissen der Studie

Auskünfte:

  • Karin Mader; ,+ 41 79 489 38 24
  • Anette Michel; , +41 31 328 58 65

Bauern und Bäuerinnen ernähren die Welt und sind paradoxerweise in vielen Ländern die Hauptbetroffenen von Hunger und extremer Armut. Seit 2018 legt die UN-Deklaration die Rechte der weltweit marginalisierten Kleinbauern und -bäuerinnen* fest. Eine neue Studie zeigt, dass in der Schweizer Aussenpolitik ein beachtlicher Handlungsbedarf besteht, um die Umsetzung der UN-Deklaration, zu der sich die Schweiz verpflichtet hat, voranzubringen. Die Studie wurde heute Vormittag den zuständigen Schweizer Ämtern vorgestellt.

Für die weltweite Ernährungssicherung spielen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern eine zentrale Rolle. Dennoch sind sie gleichzeitig die Hauptbetroffenen von Hunger und extremer Armut. Zahlreiche Regierungen vernachlässigen in ihrer Landwirtschafts- und Handelspolitik ihre Rechte und Bedürfnisse, und überlassen das Geschäft mit der Nahrung den Agrarkonzernen.

Im Verhandlungsprozess der 2018 von der UNO angenommenen Deklaration über die Rechte der Kleinbäuerinnen und -bauern (UNDROP), mit der ein umfassendes internationales Instrument vorliegt, um ihre Rechte einzufordern und zu verteidigen, hatte der Bund eine Schlüsselrolle inne und setzte sich für deren Annahme ein.

Nun aber zeigt die von Schweizer NGOs in Auftrag gegebene Studie, dass die Schweiz zentrale Bereiche ihrer Aussenpolitik kohärenter gestalten sollte, um zur weltweiten Verwirklichung der Bauernrechte beizutragen.

Die Richtung stimmt, aber es bleibt noch viel zu tun

Die von den Organisationen FastenaktionHEKS, Cetim, FIAN-Schweiz, Heks, Swissaid und Uniterre in Auftrag gegebene Studie, analysiert die Schweizer Aussenpolitik in den Bereichen Handel, Saatgut und Landrechte sowie die Entwicklungszusammenarbeit im Lichte der UN-Deklaration, deckt Mängel auf und präsentiert einen Forderungskatalog.

Die Schweiz setzt auf Handelsliberalisierung und trifft bestimmte Massnahmen zum Schutz der Schweizer Landwirtschaft. Diese national ausgerichtete Politik benachteiligt jedoch die Kleinbauern und -bäuerinnen in den Ländern des Südens und verletzt die in der UNDROP verankerten Rechte. Dadurch verlieren unzählige Menschen ihr Recht auf Land, auf biologische Vielfalt sowie auf eine saubere und gesunde Umwelt. Hier ist die Schweiz aufgefordert, genau hinzuschauen und die Auswirkungen der bestehenden oder künftiger Freihandelsabkommen auf Bauernfamilien in der Schweiz sowie in Partnerländern zu überprüfen. Zudem muss die Mitsprache der Bäuerinnen und Bauern in den Verhandlungen aktiv gefördert und die Standards entsprechend angepasst werden. Die Schweiz soll sich klar für das Recht auf Saatgut positionieren und damit auf strenge Sortenschutzgesetze als Bestandteil von Freihandelsabkommen verzichten.

Bauern und Bäuerinnen züchten, nutzen und vervielfältigen seit jeher Saatgut und tragen damit zum Schutz der Biodiversität bei. Über die Entwicklungszusammenarbeit soll die Schweiz die Entwicklung alternativer Sortenschutzgesetze anregen sowie lokale bäuerliche Saatgutsysteme stärken.

Projekte des Bundes im Einklang mit den Rechten der Bäuerinnen und Bauern

Zudem zeigt die Studie, dass in der neuen Botschaft zur Strategie der internationalen Zusammenarbeit 2021-2024 die Bauernrechte, ausser im Globalprogramm für Ernährungssicherheit der Deza, keine Erwähnung finden, und dass die starke Beteiligung des Privatsektors ein beträchtliches Risiko hinsichtlich der Einhaltung der Menschenrechte und traditioneller Landnutzung darstellt. Die Schweiz muss jedoch sicherstellen, dass alle Projekte von Seco und Deza in Einklang mit den Rechten der Bäuerinnen und Bauern stehen. Um ihre Mitsprache und Mitwirkung zu ermöglichen und zu stärken, empfiehlt die Studie bei der internationalen Zusammenarbeit, Bauern und Bäuerinnen zu unterstützen, damit sie ihre Rechte einfordern und wahrnehmen können. Zudem soll sie die Bildung und Förderung bäuerlicher Organisationen und nationaler bäuerlicher Räte unterstützen.

Beim heutigen Treffen zwischen den NGOs und Vertreterinnen und Vertretern der Bundesämter, darunter das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten und das Institut für Geistiges Eigentum, konnten die Studienresultate präsentiert werden. Die Auftraggeber/innen der Studie schätzen diese Offenheit und hoffen weiterhin auf einen konstruktiven Dialog.

*Erklärung der Vereinten Nationen über die Rechte von Kleinbauern und -bäuerinnen und anderen Menschen, die in ländlichen Regionen arbeiten.

Hier finden sie die neue Studie zur Umsetzung der UN-Deklaration durch die Schweiz:

Weitere Auskunft: 

, Fastenaktion, +41 78 764 34 31

, Swissaid, +41 78 700 49 61 

Setzen Sie sich mit den Bäuerinnen und Bauern für das Recht auf Nahrung ein!

Herzlichen Dank für Ihre wertvolle Spende.

Grosse Saatgutkonzerne gewinnen immer mehr Kontrolle über den Saatgutmarkt. Indem den Kleinbäuerinnen und Kleinbauern verboten wird, ihr Saatgut zu tauschen oder zu verkaufen, geraten diese in eine immer grössere Abhängigkeit von den Saatgutkonzernen. Dies gefährdet nicht nur ihre Existenzgrundlage, sondern stellt auch eine Bedrohung für die Ernährungssicherheit weltweit dar. Denn die Bauernfamilien, welche heute 70% der weltweit konsumierten Nahrungsmittel produzieren, sehen ihren Zugang zu lokalem Saatgut gefährdet.

In Honduras setzt sich unsere Partnerorganisation ANAFAE, ein Netzwerk, für Ernährungssouveränität, Rechte der Bauernfamilien und für Agrarökologie ein. Denn auch in Zentralamerika ist heute der Zugang zum lokalen Saatgut gefährdet.

Octavio Sánchez Escoto wäre als Gast der Ökumenischen Kampagne 2020 vom 17. bis 29. März in der Westschweiz unterwegs gewesen und hätte in zahlreichen Schulen, Kirchgemeinden und Pfarreien über das Kampagnenthema und von seiner Arbeit in Honduras berichtet. Leider war dies aufgrund der aktuellen Gesundheitskrise nicht möglich. Wir laden Sie deshalb dazu ein, Octavio in diesen vier Videos kennenzulernen, die unsere Partnerorganisation in Honduras produziert hat.

Die Situation der Kleinbauernfamilien in Honduras

Die Arbeit von ANAFAE

Das Saatgut und die Kleinbauernfamilien

Saatgut und der gesetzliche Rahmen in Honduras

Viele Menschen machen sich Sorgen wegen des Corona-Virus. Veranstaltungen wie Suppentage in Ihrer Pfarrei oder Kirchgemeinde müssen abgesagt werden. Dies ist für viele, die Zeit und Herzblut in die Ökumenische Kampagne investiert haben, keine einfache Zeit.

Hart treffen diese Absagen auch die Menschen in unseren Projekten, die auf die Kollekten aus den Suppentagen angewiesen sind. 

Wir machen Pfarreien und Kirchgemeinden deshalb ein Angebot: Kleine Suppe – grosse Wirkung. Verteilen Sie an ihre Pfarreimitglieder eine kleine Fastensuppe, die in Ruhe zu Hause genossen werden kann. Zusammen mit einer Bitte um eine Spende an Fastenaktion oder HEKS. Unten finden Sie praktische Hinweise zu dieser Ausnahme-Aktion. 

Was ist die „kleine Suppe“?
Wir haben eine Reiscremesuppe von Morga ausgewählt, die mit frischem Gemüse und Kräutern ergänzt werden kann. Eine Packung reicht für fünf Portionen

Wo kann ich sie beziehen?
Sie können die Suppen in unseren regulären Shop bestellen (Shop HEKS / Shop Fastenaktion), wo Sie auch die anderen Materialien zur Ökumenischen Kampagne beziehen konnten. Wir liefern eine Postkarte dazu, welche die Aktion beschreibt. 

Wie viel kostet die Suppe? 
Der Richtpreis beträgt pro Suppenbeutel 1 Franken. Wir freuen uns, wenn Sie bei der Verteilung der Suppe um Spenden für unsere Projekte bitten.

Wann wird sie geliefert?
Da Morga die Suppen extra für uns produzieren muss, können diese erst ab Ende März geliefert werden. Ihre Bestellung können Sie aber jetzt gleich machen.

Wie kann ich die Reissuppe versenden?
Eine Packung Reissuppe passt in ein C5-Kuvert und kann normal verschickt werden.

Wie lange ist sie haltbar?
Das Haltbarkeitsdatum ist der 16.09.2021

Laden Sie dazu hier die Flyer herunter
Flyer für HEKS / Flyer für Fastenaktion

Haben Sie noch Fragen? Melden Sie sich bei uns!

  • Maria Dörnenburg (Beratung Kirchgemeinden), HEKS, 031 380 65 62, Mail
  • Phil Eicher (Betreuung & Beratung Pfarreien), Fastenaktion, 041 227 59 13,

Bern/Luzern, 9. Dezember 2019. Das eigene Leben auf Klimakurs zu bringen, ist nicht ganz einfach. Aber es ist möglich: Die in England entwickelte Methode der KlimaGespräche setzt auf die Dynamik der Gruppe und unterstützt so die Teilnehmenden, ihren persönlichen CO2-Ausstoss massiv zu reduzieren. Nun lancieren HEKS und Fastenaktion die Methode auch in der Deutschschweiz.

Viele Schweizerinnen und Schweizer machen sich Sorgen über den Klimawandel. Trotzdem sind die wenigsten bereit, auf den Ferienflug, das Auto oder ein neues Handy zu verzichten und ihren Lebensstil anzupassen. Dies zu ändern ist das Ziel der KlimaGespräche. Die in Grossbritannien entwickelte Methode vereint technische und psychologische Aspekte und setzt auf die Dynamik der Gruppe. Mit Erfolg: Untersuchungen zeigen, dass es Menschen mit den KlimaGesprächen gelungen ist, ihren CO2-Ausstoss innert vier bis fünf Jahren um die Hälfte zu verringern. Nun soll die Methode, die in England, Schottland, Holland, Frankreich und der Romandie bereits erfolgreich angewandt wird, auch in der Deutschschweiz Fuss fassen. Umsetzung und Koordination der Gespräche laufen über die Hilfswerke Fastenaktion und HEKS. Die beiden Organisationen engagieren sich im Rahmen ihrer Kampagnen- und Sensibilisierungsarbeit sowie in Zusammenarbeit mit den Partnern im Süden seit vielen Jahren in der Klimapolitik.

Information allein reicht nicht

«Die KlimaGespräche setzen dort an, wo die Wissensvermittlung aufhört», sagt Daniel Wiederkehr, Verantwortlicher für die KlimaGespräche in der Deutschschweiz. Denn die Erfahrung der letzten Jahre zeige deutlich, dass Informationsvermittlung allein nicht genügt, um Menschen zum Handeln zu bewegen. «Es braucht die persönliche Auseinandersetzung mit dem Thema», sagt Wiederkehr. In Gruppen zu je acht Personen und unter der Leitung von jeweils zwei FacilitatorInnen analysieren die Teilnehmenden während sechs Gesprächsrunden ihre Gewohnheiten in den Bereichen Wohnen, Mobilität, Ernährung und Konsum und deren Folgen fürs Klima. Gleichzeitig werden innere Prozesse wie Ängste und Motivation beleuchtet, die eine Verhaltensänderung erschweren können. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Widerständen und der Austausch in der Gruppe helfen, das Gefühl der Machtlosigkeit zu überwinden und zu einem Lebensstil zu finden, der eine nachhaltige Reduktion der CO2-Emissionen ermöglicht. Von der Methode überzeugt ist auch das Bundesamt für Umwelt, welches die Gespräche über sein Klimaprogramm finanziell unterstützt, gleich wie die Kantone Bern und Zürich sowie die Stadt Luzern. 2020 sind 20 KlimaGespräche in den Kantonen Bern, Zürich und Luzern geplant.

Anmeldung und mehr Informationen: www.sehen-und-handeln.ch/klimagespraeche

(Stellungnahme von OCP (21.06.2019))

Der marokkanische Staatskonzern OCP verschmutzt mit seinen Düngerfabriken die Luft und schädigt damit die Gesundheit von Angestellten und Bevölkerung. Mindestens elf Schweizer Rohstoffhändler stehen gemäss einem neuen Bericht von HEKS, SWISSAID und Fastenaktion in Geschäftsbeziehung zu OCP und sind damit in die Menschenrechtsverletzungen und die Umweltverschmutzung in Marokko verwickelt. Dies belegt die Dringlichkeit der Konzernverantwortungsinitiative, zu der sich der Nationalrat nächste Woche erneut äussern wird.

Die Düngerfabriken von OCP (Office Chérifien des Phosphates) in Safi und Jorf Lasfar an der marokkanischen Atlantikküste stossen grosse Mengen an Luftschadstoffen wie Fluorwasserstoff und Feinstaub aus. Diese Umweltverschmutzung hat massive gesundheitliche Folgen für die Angestellten und die Bevölkerung im Umfeld der Fabriken, in denen Phosphat aus Marokko zu Düngemitteln verarbeitet wird.

Gemäss einem neuen Bericht der Entwicklungsorganisationen SWISSAID, HEKS und Fastenaktion leiden zahlreiche Angestellte der beiden Fabriken an Atemwegs- und Krebserkrankungen. Laut Berichten von Gewerkschaften sind schon viele von ihnen daran gestorben. Messungen der Luftqualität in der Nähe der OCP-Fabrik Safi ergaben denn auch sehr hohe Werte: Die Belastung mit Feinstaub (PM2.5) lag 6 bis 16mal höher als der von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene tägliche Richtwert.

Auch die Bevölkerung im Umfeld der beiden Düngerfabriken ist von den Folgen der Umweltbelastung stark betroffen. Zahlreiche von den Autoren des Berichts befragte Menschen leiden unter Augenreizungen, Atemwegserkrankungen oder Zahnfluorose. Kinder in Dörfern in der Nähe des Werks Jorf Lasfar berichteten, sie müssten auf dem Schulweg wegen des beissenden Geruchs ihre Nasen mit Tüchern bedecken.

Schweizer Rohstoffhändler verwickelt

OCP ist der weltweit grösste Produzent von Phosphatgestein und der zweitgrösste Hersteller von Phosphatdünger. Er verfügt mit der Saftco SA über eine Filiale in Genf, die 2017 über 300’000 Tonnen Düngemittel vermarktet hat. Der Bericht zeigt auf, dass neben Saftco mindestens zehn weitere Schweizer Rohstoffhändler mit OCP in Geschäftsbeziehung stehen. Keine dieser Firmen scheint aber ein Sorgfaltsprüfungsverfahren in Bezug auf die Achtung von Umweltstandards und Menschenrechten durch ihren marokkanischen Lieferanten durchgeführt zu haben.

Genau dies empfiehlt jedoch ein letztes Jahr von SECO und EDA veröffentlichter Leitfaden zur Umsetzung der UNO-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte durch den Rohstoffhandelssektor, der in der Schweiz mit rund 570 Unternehmen prominent vertreten ist. Dies zeigt erneut, dass blosse staatliche Empfehlungen und freiwillige Massnahmen  von Firmen wenig nützen, um die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards bei Geschäften von Schweizer Unternehmen im Ausland zu gewährleisten.

HEKS, SWISSAID und Fastenaktion fordern OCP und die Schweizer Düngerhändler auf, eine umfassende Sorgfaltsprüfung durchzuführen und Massnahmen zur Vermeidung von Menschrechtsverletzungen zu treffen. Dies sieht auch die Konzernverantwortungsinitiative vor, welche Schweizer Unternehmen zum Einhalten von Menschenrechten und Umweltstandards weltweit verpflichten will. Der Nationalrat wird sich nächste Woche erneut zu Initiative und Gegenvorschlag äussern. Scheitert der Gegenvorschlag, dürfte die Initiative 2020 zur Abstimmung kommen.

Auskünfte:

  • Yvan Maillard Ardenti, HEKS, maillard@bfa-ppp.ch,+ 41 79 489 3824
  • Marc Ummel, SWISSAID, m.ummel@swissaid.ch, +41 79 694 4921

Gottfried Locher, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes und Nationalrätin Maya Graf (Grüne/BL) schöpfen Suppe am Jubiläumsfest von Brot für alle, Fastenopfer und Partner sein. Bild: Patrik Kummer / Brot für alle

Bern, 13. April 2019. Soziale Gerechtigkeit, Frieden, Bewahrung der Schöpfung: Diese Themen stehen seit 50 Jahren im Zentrum der Ökumenischen Kampagne von HEKS, Fastenaktion und Partner sein. Die drei kirchlichen Entwicklungsorganisationen feierten am Samstag ihr Jubiläum mit einem Gottesdienst in der Berner Heiliggeistkirche und einer von Foodwaste-Pionier Mirko Buri gekochten Suppe auf dem Bahnhofplatz.

«Es geht um die Zukunft der ‘Arche Erde’. Damals wie heute». So blickte Nationalrätin Maya Graf (Grüne/BL) am Jubiläumsfest in Bern auf ihr «Schlüsselerlebnis» mit der Ökumenischen Kampagne zurück. Diese thematisierte schon 1989 den Klimawandel und die davon ausgehenden Gefahren und folgerte: «Die Zeit drängt». «Das hat man heute endlich begriffen», kommentierte Bernard DuPasquier, Geschäftsleiter des reformierten Hilfswerks HEKS, «und wir sind stolz, dass wir auch heute immer wieder relevante politische und gesellschaftliche Entwicklungen erkennen und öffentlich zum Thema machen».

Bernd Nilles, Geschäftsleiter des katholischen Hilfswerks Fastenaktion, doppelte nach: «Es macht Mut zu sehen, was wir im Einsatz für soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung in den letzten 50 Jahren erreicht haben». Zusammen mit dem christkatholischen Partner sein feierten die Entwicklungsorganisationen diese Erfolge mit einem Gottesdienst in der Heiliggeistkirche. «Wir brauchen die Ökumenische Kampagne», sagte Felix Gmür, Bischof von Basel, denn diese zeige immer wieder, dass die Welt noch nicht gerecht und Veränderung nötig sei. «Und dass wir auch dort hinsehen müssen, wo es den Mächtigen nicht gefällt, dass wir hinsehen», fügte Gottfried Locher an, Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK).

Auf dem Bahnhofplatz tischte danach der Berner Sternekoch und Foodwaste-Pionier Mirko Buri eine aus Essensresten hergestellte Gemüsesuppe auf. Zwischen Entwicklungspolitik und seiner Arbeit gebe es viele Überschneidungen, erklärte Buri, der aus «geretteten» Karotten, Zwiebeln und Knoblauch fast 1400 Portionen Suppe kochte. Geschöpft wurden diese unter anderem vom Berner Stadtpräsidenten Alec von Graffenried. «Die Entwicklungszusammenarbeit hat schon sehr viel erreicht», sagte von Graffenried, aber man müsse am Ball bleiben, um Armut und Hunger weiter zu reduzieren.

Jubiläumskampagne für «starke Frauen»

Die Ökumenische Kampagne entstand 1969 aus der Idee, die Kirchen sollten sich aktiver in politische Themen einmischen, um ihr diakonisches Handeln nachhaltiger zu gestalten. Seither engagieren sich die kirchlichen Entwicklungsorganisationen Fastenaktion (katholisch), HEKS (reformiert) und später auch Partner sein (christkatholisch) in einer jährlichen entwicklungs-politischen Kampagne zwischen Aschermittwoch und Ostern für mehr Gerechtigkeit und Solidarität.

Dabei ging es immer darum, bei den Ursachen anzusetzen und die strukturellen Gründe von Ungerechtigkeit und Armut zu beleuchten. Deshalb sind Frieden, Umweltschutz, Menschenrechte, gerechte Geschlechterbeziehungen, faires Wirtschaften und die Suche nach einem neuen, nachhaltigen Lebensstil die Themen, welche die Kampagne seit 50 Jahren prägen. Die aktuelle Jubiläumskampagne steht unter dem Motto «Gemeinsam für starke Frauen. Gemeinsam für eine gerechte Welt.».

 

In einer Ausstellung, die am Samstag auf dem Berner Bahnhofplatz Premiere hatte, werden «50 starke Frauen» aus der Schweiz und den Projektländern der drei Entwicklungsorganisationen porträtiert. Sie soll Anerkennung sein, dass Frauen in Projekten im Ausland und in der Schweiz, in Kirchgemeinden, Pfarreien und darüber hinaus eine treibende Kraft für eine gerechtere Welt sind. Die aktuelle Kampagne dauert bis Ostern. Bis dann zeigen unter dem Hashtag #50starkefrauen Menschen aus der ganzen Schweiz, wer ihre persönliche «starke Frau» ist – und warum.

Aktuelle Bilder vom Jubiläums-Anlass:

Weitere Informationen und Material zum Download:

Auskünfte:

  • , Leiter Kommunikation Fastenaktion; 079 759 9022
  • , Medienverantwortlicher HEKS; 079 489 3824

Bern/Luzern, 26. März 2019. Am kommenden Samstag, 30. März, verkaufen Freiwillige vielerorts Rosen für Projekte von HEKS, Fastenaktion und Partner sein. Zu jeder duftenden gibt es auch eine digitale Rose: Mit der App «Give a Rose» kann diese mitsamt einer Widmung verschenkt werden.

An zahlreichen Orten in der ganzen Schweiz findet am 30. März 2019 der traditionelle Rosenverkauf im Rahmen der Ökumenischen Kampagne statt. Viele Freiwillige bieten Rosen für eine symbolische Spende von fünf Franken an und informieren über die Arbeit von Fastenaktion, HEKS und Partner sein.

Coop stellt die 100’000 Rosen vergünstigt zur Verfügung. Zu jeder verkauften Rose gehört ein Code, mit dem zusätzlich eine virtuelle Rose verschenkt werden kann. Der Code lässt sich auf der App «Give a Rose» einlösen, die unter diesem Namen in den App-Stores heruntergeladen werden kann. Natürlich können mit der App noch weitere digitale Rosen gekauft und verschenkt werden. Ab dem 2. April wird Coop zudem eine Aktionswoche durchführen und von jedem verkauften Fairtrade-Strauss 50 Rappen an die drei Hilfswerke spenden.

Ob duftend oder digital – jede Rose bereitet dreifach Freude: Erstens, weil der Erlös an Projekte von HEKS, Fastenaktion und Partner sein geht, beispielsweise an das ökumenische Projekt in Guatemala. Zweitens, weil fair produzierte und gehandelte Max Havelaar-Rosen verkauft werden. Die Fair-Trade-Prämie kommt direkt den Mitarbeitenden auf den Rosenfarmen zu Gute, sei es durch Weiterbildungen oder durch Schulbildung für die Kinder. Und drittens, weil jede verschenkte Rose die Empfängerin oder den Empfänger glücklich macht.

Jubiläumskampagne für «starke Frauen»

Unter dem Motto «Gemeinsam für starke Frauen. Gemeinsam für eine gerechte Welt.» feiern Fastenaktion, HEKS und Partner sein 2019 die 50. Ökumenische Kampagne. Unter dem Hashtag #50starkefrauen zeigen Menschen aus der ganzen Schweiz, wer ihre persönliche «starke Frau» ist – und warum. Ihren Höhepunkt findet die Kampagne am Jubiläums-Suppentag am 13. April in Bern. Dabei wird auch die Ausstellung «50 Frauenportraits» erstmals gezeigt, welche 50 Akteurinnen aus den Projektländern der Hilfswerke und aus der Schweiz portraitiert.

Weitere Informationen und Material zum Download:

Auskünfte:

  • , Medienverantwortliche Fastenaktion; 041 227 5951
  • , Medienverantwortlicher HEKS; 079 489 3824

Im Zentrum der Ökumenischen Kampagne 2019 stehen Frauen: Als mutige Akteurinnen, die sich für ihre Rechte und Lebensgrundlagen einsetzen und für eine Wirtschaft kämpfen, die nicht zerstört, sondern dem Leben dient.

Anlässlich des Jubiläums haben die beiden Werke 50 Frauen aus dem In- wie Ausland porträtiert und als Dank für alle engagierten Personen der letzten 50 Jahren wird es am 13. April einen Jubiläumssuppentag und –gottesdienst geben.

Lastwagen, die Kupfer und Kobalt transportieren, verursachen auf der Strasse zu Glencore’s KCC-Mine massive Staubbelastung. Foto: Meinrad Schade

Bern/Luzern, 27. November 2018. Der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore verschmutzt mit seinen Kupfer- und Kobaltminen nach wie vor Luft und Böden rund um die Stadt Kolwezi in der Demokratischen Republik Kongo. Laut dem jüngsten Bericht von HEKS und Fastenaktion hat sich die Lage bei der Wasserversorgung und -verschmutzung dagegen verbessert. Trotzdem stellen die beiden Organisationen fest, dass Glencore seine Sorgfaltspflicht gegenüber Menschenrechten und Umwelt nur ungenügend wahrnimmt. Abhilfe brächte die Konzernverantwortungsinitiative, die in der parlamentarischen Beratung steckt.

Für Joseph Ilunga* ist der Fall klar: «Es hat zu viel Staub in den Strassen». Der Krankenpfleger arbeitet in einem Gesundheitszentrum von Musonoi, einem Quartier der kongolesischen Minenstadt Kolwezi. Vor allem in der Trockenzeit behandelt er viele Menschen mit Atemwegserkrankungen. Auch die Quelle der Luftverschmutzung hat er schnell identifiziert. «Es sind die vielen Lastwagen», die auf den unbefestigten Strassen zur nahe gelegenen Kamoto Copper Company (KCC) rollen.

Die Kupfer- und Kobaltmine KCC gehört dem Schweizer Rohstoffkonzern Glencore. Schadstoffmessungen der Fastenaktion und HEKS bestätigen die Wahrnehmung des Gesundheitspersonals von Musonoi. Ende Mai 2018 lag die Staubbelastung im Quartier und im nicht weit entfernten Luilu zwischen 150 und 300 Mikrogramm pro Kubikmeter, auf den Zufahrtsstrassen zur Mine sogar bei 500 Mikrogramm. Der Tagesmittel-Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation WHO liegt bei 50 Mikrogramm.

Wiederholte Bodenverschmutzung

Die hohe Staubbelastung ist nur eines der Probleme im Umfeld von KCC und Mutanda Mining (MUMI), der zweiten grossen Glencore-Mine im Südosten der DR Kongo. In den letzten Jahren wurden Felder von Bauern und Bäuerinnen in der Nähe der Minen wiederholt durch unterschiedliche Schadstoffe verschmutzt. Glencore hat auf Druck von Partnerorganisationen von HEKS und Fastenaktion viele Opfer für den Ernteausfall entschädigt. Aber die Geschädigten warten immer noch auf Kompensation für die nachhaltige Beeinträchtigung ihrer Böden. Zudem hat Glencore die genaue Zusammensetzung der ausgelaufenen Substanzen in zwei Fällen nicht publik gemacht.

Die jüngste Studie ist der vierte Bericht der beiden Schweizer Entwicklungsorganisationen über die Tätigkeit von Glencore in der DR Kongo seit 2011. Im Vergleich zum letzten Report von 2014 sind auch Fortschritte festzustellen. So hat Glencore das Einleiten von Abwässern aus der Mine KCC in den Fluss Luilu inzwischen unterbunden. Und für einen Teil der BewohnerInnen des Quartiers Luilu wurde ein Projekt zur Verbesserung der Wasserversorgung angepackt. Auch die Kommunikation mit der Bevölkerung hat Glencore verbessert.

Abhilfe durch Konzernverantwortungsinitiative

Trotz dieser Fortschritte macht der jüngste Bericht klar, dass Glencore in der DR Kongo seine Sorgfaltspflicht nur unvollständig wahrnimmt. Ausmass und Zahl der Luft- und Bodenverschmutzungen sind nach wie vor hoch. Zudem hat der Konzern in einigen Fällen seine Verantwortung für Umwelt- und Menschenrechtsprobleme zuerst nicht anerkannt und erst auf anhaltenden Druck der lokalen Partnerorganisationen der Fastenaktion und HEKS Verbesserungen in die Wege geleitet.

Erneut wird damit deutlich, dass freiwillige Massnahmen von Konzernen nicht genügen. Ohne den Druck von Nichtregierungsorganisationen und aus der Zivilgesellschaft geschieht wenig. Probleme werden oft nur zögerlich angegangen und künftige kaum verhindert. Eine verbindliche Regelung für international tätige Schweizer Unternehmen, wie sie die Konzernverantwortungsinitiative vorsieht, ist deshalb absolut notwendig. Nur so lässt sich die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards durch Schweizer Unternehmen im Ausland konsequent einfordern.

* Name aus Sicherheitsgründen geändert

Material zum Download: Fotos, Zusammenfassung der Studie, Vollversion der Studie (nur französisch)

Rückfragen: Yvan Maillard Ardenti, HEKS, +41 79 489 38 24; maillard@bfa-ppp.ch

 

HEKS und Fastenaktion bedauern das Nein zur Fair-Food und zur Ernährungssouveränitäts-Initiative. Damit hat die Bevölkerung die Chance verpasst, den Bund zu mehr Nachhaltigkeit in Landwirtschaft und Ernährung zu verpflichten. Obwohl in der Debatte vor der Abstimmung kaum jemand in Frage gestellt hat, dass wir umweltfreundlich und sozialverträglich produzierte Lebensmittel wollen und brauchen, soll die Verantwortung dafür wieder an die Konsumentinnen abgeschoben werden. Die Politik hingegen wird sich, wie Bundesrat Schneider-Amman nach dem Nein zu den Initiativen ankündigt, noch intensiver seiner Freihandelspolitik widmen.

Noch ist der Bundesrat den Beweis schuldig geblieben, wie er diese Politik in Einklang bringen will mit dem neuen Verfassungsartikel zu Ernährungssicherheit, der im letzten Jahr mit 80 Prozent der Stimmen angenommen wurde. Dieser verlangt Handelsbeziehungen, «die zur nachhaltigen Entwicklung der Land- und Ernährungswirtschaft beitragen». Auch mit dem Pariser Klimabekommen und den Nachhaltigkeitszielen der Agenda 2030 ist die Schweiz Verpflichtungen eingegangen, die sie bisher nur ungenügend erfüllt. Die Art und Weise, wie unsere Lebensmittel produziert und gehandelt werden, spielt dabei eine wichtige Rolle. HEKS und Fastenaktion werden sich weiterhin für eine Landwirtschaft einsetzen, die gesunde Lebensmittel produziert, Umwelt und Klima schützt und den Bäuerinnen und Landarbeitern ein würdiges Leben ermöglicht. In der Schweiz und in den armen Ländern des Südens.

Am 27. Oktober gehen wir an einer Tagung zum Freihandelsbekommen der Schweiz mit den Mercosur-Ländern der Frage nach «Wie gestalten wir gerechten Handel?». Nach dem Nein zu «FairFood» ist diese Diskussion wichtiger denn je.

Bern/Luzern, 13. September 2018. Fast einmal pro Monat ist ein Schweizer Konzern im Ausland in die Verletzung von Menschenrechten oder Umweltstandards verwickelt. Eine neue Analyse von HEKS und Fastenaktion zählte in den letzten sechs Jahren mindestens 64 solcher Vorfälle, die auf das Konto von 32 Unternehmen gingen. Diese Zahlen illustrieren die Schwäche freiwilliger Massnahmen und die Dringlichkeit der Konzernverantwortungsinitiative, welche die Unternehmen zu einer besseren Prüfung ihrer Menschenrechts- und Umweltrisiken verpflichten würde.

Illegal geschürftes Gold landet in Schweizer Raffinerien, Kinder arbeiten in Steinbrüchen von Zulieferern der Zementbranche, Rohstoffkonzerne verschmutzen Böden, Wasser und Luft. Schweizer Unternehmen sorgen mit ihren Geschäften im Ausland regelmässig für solche Schlagzeilen. Die Entwicklungsorgani-sationen Fastenaktion und HEKS haben in den letzten Jahren bekannt gewordene Fälle zusammen-getragen und analysiert. Das Ergebnis ist schockierend: Zwischen 2012 und 2017 waren Schweizer Konzerne im Ausland mindestens 64mal in die Verletzung von Menschenrechten oder Umweltstandards verwickelt.

Die 64 Fälle gehen auf das Konto von 32 Firmen aus 14 Branchen. Rohstoffkonzerne verursachen mit Abstand am meisten Probleme. 19 Fälle stammen aus dieser Branche, elf davon hat allein der Zuger Konzern Glencore verursacht, der klare Spitzenreiter im Ranking der Übeltäter. Auf dem zweiten Rang folgen mit je sieben Fällen Banken und die Nahrungsmittelindustrie. In Bezug auf die Art der Vorfälle liegen die Umweltverschmutzungen mit 21 Prozent auf dem Spitzenplatz, gefolgt von den Bereichen Arbeitsrechte und Arbeitssicherheit.

Abhilfe durch Konzernverantwortungsinitiative

Die Analyse umfasst Verstösse oder entsprechende Vorwürfe, die von Medien, internationalen Organisationen oder NGOs recherchiert wurden und gut dokumentiert sind. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein, denn viele Missstände werden nicht umfassend dokumentiert und gelangen auch nicht an die breite Öffentlichkeit. Zudem fällt auf, dass bloss fünf Unternehmen für exakt die Hälfte aller Fälle verantwortlich sind: Glencore, Nestlé, LafargeHolcim, Syngenta und Credit Suisse. Anscheinend können die freiwilligen Vorkehrungen, auf die sich diese grossen Konzerne stets berufen, die Verwicklung in Menschenrechts- und Umweltprobleme nicht verhindern.

Dies unterstreicht die Bedeutung und die Dringlichkeit der Konzernverantwortungsinitiative. Das Volksbegehren verlangt von international tätigen Konzernen, ihre Menschenrechts- und Umweltrisiken regelmässig zu prüfen und präventiv Massnahmen zu ergreifen, um Verstösse zu verhindern. Diese Sorgfaltsprüfungspflicht würde dazu beitragen, die Zahl der Menschenrechtsverletzungen und Umweltvergehen durch Schweizer Firmen zu reduzieren.

Fact Sheet und Grafiken zum Download: http://www.sehen-und-handeln.ch/medien

Rückfragen:

Yvan Maillard Ardenti, Unternehmen und Menschenrechte, 079 489 3824;

Lorenz Kummer, Medienverantwortlicher; 079 307 2592;

Die Fair-Food-Initiative kann Kleinbauern im Süden Perspektiven bieten: Ananas einer Kooperative in Kamerun werden zum Transport bereitgestellt.

Bio, fair, saisonal und regional: Zwei Landwirtschaftsinitiativen wollen diese Grundsätze noch in diesem Jahr in der Verfassung verankern.

Die Idee ist fast 50 Jahre alt. Seit die «Bananenfrauen» aus Frauenfeld gute Produktionsbedingungen und gerechte Preise für die gelben Früchte eingefordert haben, hat sich der faire Handel für tropische Produkte stark entwickelt. Gemessen am Umsatz der Fairtrade-Produkte ist die Schweiz gar Weltmeisterin. Auch die biologische Landwirtschaft ist hierzulande längst aus der Nische ausgebrochen. Und doch kommen weder «fair» noch «bio» über einen Marktanteil von rund 10 Prozent hinaus. In diesem Tempo würde es mehrere Hundert Jahre brauchen, bis auch die restlichen 90 Prozent unserer Lebensmittel so produziert werden, dass sie den Produzentinnen und Produzenten im In- und Ausland ein würdiges Leben ermöglichen und auch Boden, Wasser, Klima und Biodiversität schützen. Höchste Zeit also, die Geduld zu verlieren.  

Fast 50 Prozent Importe

Mit den beiden Landwirtschaftsinitiativen, die im Herbst oder Winter zur Abstimmung kommen, kann das Tempo für mehr Nachhaltigkeit in unserem Ernährungssystem deutlich erhöht werden. So fordert die Fair-Food-Initiative der Grünen, dass der Bund das «Angebot an Lebensmitteln fördert, die von guter Qualität und sicher sind, und die umwelt- und ressourcenschonend, tierfreundlich und unter fairen Arbeitsbedingungen hergestellt werden». Diese Grundsätze sollen für einheimische und importierte Lebensmittel gelten. Knapp die Hälfte aller Lebensmittel, die wir in der Schweiz konsumieren, wird im Ausland hergestellt. So kommen etwa Tomaten aus Süditalien oder Spanien in die Schweiz, die von afrikanischen Migrantinnen und Migranten unter sklavenähnlichen Bedingungen geerntet wurden. Oder Fleisch und Eier aus deutschen Tierfabriken, in denen Käfighaltung und Antibiotikaeinsatz die Regel sind. Hier soll die Schweiz Massnahmen treffen, die den Import nachhaltiger Produkte fördern oder die Einfuhr von Lebensmitteln unterbinden, die gegen Schweizer Vorschriften – zum Beispiel beim Tierwohl – verstossen. Für Entwicklungsländer könnte die Initiative Chancen bieten, wenn kleinbäuerliche Genossenschaften, die ökologisch produzieren, gezielt gefördert werden und Marktvorteile gegenüber industriellen Grossbetrieben erhielten.

Keine Zeit fürs Schneckentempo

Die Initiative «Für Ernährungssouveränität» der Bauerngewerkschaft Uniterre richtet ihren Fokus dagegen auf die Situation im Inland. Der Bund soll die «einheimische bäuerliche Landwirtschaft» fördern, die «einträglich und vielfältig ist» und ökologisch und gentechfrei gesunde Lebensmittel produziert. Eine vielfältige Produktion ist bedroht, da aktuell in der Schweiz täglich drei Bauernbetriebe verschwinden. Mit verbesserten Arbeitsbedingungen und dem Erhalt des Kulturlandes will die Initiative dem entgegentreten. Uniterre ist Mitglied der internationalen Kleinbauernbewegung La Via Campesina, Partnerorganisation von HEKS. Ihre Initiative versteht sie als Beitrag zu einem globalen Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft, der lokales und ökologisches Wirtschaften stärkt. Für diese Vision eines Ernährungssystems, das nicht von Wachstumszwang und Wegwerfmentalität bestimmt ist, sondern Mensch und Natur ins Zentrum stellt, setzen sich auch HEKS und Fastenaktion in ihrer Arbeit ein. «Biologisch, fair, regional und saisonal produzieren, handeln und konsumieren» muss schon in naher Zukunft zum Standard werden. Denn für eine Nachhaltigkeitspolitik im bisherigen Schneckentempo fehlt uns die Zeit. — Tina Goethe

Dieser Artikel stammt auf dem Dossier 02/18 zum Thema Agrarhandel.

Bei der Züricher Gartenkooperative «Ortoloco» legen die Gemüseabonnenten/innen selber Hand an.

Das aktuelle Ernährungssystem ist geprägt von industrieller Produktion und globalem Agrarhandel. Dem steht die Vision einer selbstbestimmten lokalen Kreislaufwirtschaft gegenüber. Nur sie kann in eine sozial und ökologisch nachhaltige Zukunft führen.

«Wir brauchen Kälber auf dem Hof», sagt Tina Siegenthaler von der Gartenkooperative Ortoloco in Dietikon (ZH). «Sie liefern Dünger und verwerten das Gras.» Ausgeliehen hat sie die Kooperative vom nahe gelegenen Biohof Fondli. Auf rund 1,5 Hektaren baut Ortoloco nach Bioprinzipien über 60 Gemüsesorten an und leistet auch soziale und ökonomische Pionierarbeit, indem sie die Trennung zwischen Produzentinnen und Konsumenten aufweicht: Die Mitglieder der Genossenschaft beziehen nicht nur rund 200 Gemüseabos, sondern sind auch zu aktiver Mitarbeit auf dem Feld verpflichtet. «Kosten wie Risiken des Betriebs werden gemeinsam getragen», sagt Siegenthaler. So fallen die oft fragwürdigen Ansprüche des Marktes weg, was ökologisch und sozial zu besseren Bedingungen führt.

Kurze Transportwege …
Damit folgt Ortoloco den Prinzipien der Agrarökologie und der Ernährungssouveränität, den wichtigsten Konzepten zur Überwindung des industriellen Ernährungssystems mit seinen dramatischen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt. Natürliche lokale Kreisläufe werden so gut wie möglich geschlossen, Boden, Tiere und Pflanzen so miteinander verbunden, dass sie sich gegenseitig stärken.

Zudem kann die Kooperative die Abhängigkeit von fossiler Energie senken. Sie verzichtet auf Kunstdünger, die Verbindung zwischen Produzierenden und Konsumierenden führt zu kurzen Transportwegen und reduziert den Einsatz von Maschinen. Ebenso wichtig ist der Aufbau gegenseitigen Vertrauens sowie Wissensvermittlung und Wertschätzung für die Feldarbeit.

…oder globale Handelsströme?
Weltweit stellen sich unzählige ähnliche Betriebe und Initiativen dem Trend zu internationalen Wertschöpfungsketten entgegen. Das ist bitter nötig. Denn begünstigt durch tiefe Transportkosten und Freihandelsabkommen, werden täglich grosse Mengen standardisierter Produkte kreuz und quer durch die Welt transportiert. Was zählt, ist der Preis. Gleichzeitig sichern sich Agrar­ und Lebensmittelkonzerne den Zugang zu guten Böden und billigen Arbeitskräften und kämpfen um Absatzmärkte mit hoher Kaufkraft. Kurz: Produzieren, wo es billig ist, verkaufen, wo es teuer ist.

Dass dieses System nicht nachhaltig sein kann, ist offensichtlich. Wer in einem teuren Umfeld wie der Schweiz produziert oder in einem unattraktiven Absatzmarkt wie in Afrika lebt, zieht den Kürzeren. Alternativen wie Ortoloco gibt es längst. Es liegt an uns allen, sie zu unterstützen – als Konsumierende und als Stimmberechtigte – und damit der Vision eines zukunftsfähigen Ernährungssystems zum Durchbruch zu verhelfen. — Tina Goethe

Dieser Artikel stammt auf dem Perspektiven 02/18 zum Thema nachhaltige Landwirtschaft.

Am 23.September 2018 stimmt die Schweiz über die Fair Food-Initiative und die Initiative für Ernährungssouveränität ab. 

Hier finden Sie unsere Positionen dazu.

Bern/Luzern, 8. Mai 2018. Auch zwei Jahre nach Aufdeckung des Kinderarbeits-Skandals in Uganda haben LafargeHolcim und ihre Zulieferer nichts unternommen, um den Opfern zu helfen. HEKS und Fastenaktion fordern den Zementkonzern an der heutigen General-versammlung in Dübendorf auf, seine Verantwortung endlich wahrzunehmen. Der Fall zeigt auch, dass die Schweiz die Sorgfaltspflicht von Unternehmen gesetzlich regeln muss.

Vor einem Jahr machte eine Studie von HEKS und ihrer Partnerorganisation TLC das Ausmass der 2016 von «Le Monde» aufgedeckten Missstände in der Lieferkette von LafargeHolcim in Uganda publik: Über zehn Jahre lang hatte Hima Cement, eine Tochterfirma des Zementkonzerns, von der Arbeit von rund 150 Kindern und Jugendlichen profitiert. Sie waren günstige Arbeitskräfte im Abbau von Pozzolan, einem Hilfsstoff zur Zementproduktion. Erst als der Skandal ruchbar wurde, reagierte LafargeHolcim. Seit Januar 2017 kauft die französisch-schweizerische Firma den Rohstoff nur noch aus mechanisierten Steinbrüchen, die einzig erwachsene Arbeitskräfte beschäftigen.

Die Folge: Viele Kleinschürfer verloren von einem Tag auf den anderen Arbeit und Verdienst. Kinder und Jugendliche hatten für den gefährlichen Job in den Steinbrüchen nicht nur die Schule vernachlässigt, sondern auch ihre Gesundheit gefährdet. Doch LafargeHolcim und ihre Lieferanten drücken sich bis heute um ihre Verantwortung, obschon sie gemäss den Uno-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte (UNGP) aufgefordert sind, Wiedergutmachung zu leisten. Das Unternehmen erklärt, eine externe Untersuchung habe keine Hinweise auf Kinderarbeit in der Lieferkette von Hima Cement gefunden; es weigert sich aber, den Bericht öffentlich zugänglich zu machen.

In neuen Videoaussagen geben nun mehrere ehemalige Kinderarbeiter zu Protokoll, dass sie früher für Lieferanten von Hima Cement gearbeitet haben. Zudem sagen die betroffenen Kinder aus, dass LafargeHolcim nichts unternommen hat, um ihnen zu helfen, so wie Fastenaktion und HEKS dies vor einem Jahr gefordert haben. Der Zementkonzern hat zwar einige Toiletten in einer Schule gebaut und Programme zur Gesundheitsberatung und Einkommenssteigerung von Familien lanciert. Die ehemaligen Kinderarbeiter stehen aber noch immer ohne Hilfe und berufliche Perspektiven da.

Deshalb erneuern HEKS und Fastenaktion an der heutigen Generalversammlung ihre Forderung an LafargeHolcim und deren Zulieferer, ihre Verantwortung für die Kinderarbeit anzuerkennen und die früheren Kinderarbeiter zu unterstützen, damit sie wieder in die Schule gehen können oder eine Berufsbildung erhalten. Der Fall LafargeHolcim verdeutlicht, dass die Sorgfaltspflicht von Konzernen gesetzlich geregelt werden muss, wie dies die Konzernverantwortungsinitiative vorsieht. Denn freiwillige Massnahmen oder öffentlicher Druck genügen ganz offensichtlich nicht, Konzerne zur Übernahme ihrer Verantwortung zu bewegen.

Rückfragen: Yvan Maillard Ardenti, HEKS, +41 79 489 3824;

Mehr Informationen, Videoaussagen und Fotos: www.sehen-und-handeln.ch/medien

 

Medienmitteilung des Vereins Konzernverantwortungsinitiative

Die Kommission für Rechtsfragen des Nationalrats schlägt im Rahmen der Aktienrechtsrevision gesetzliche Massnahmen gegen Menschenrechtsverletzungen und die Missachtung von internationalen Umweltstandards durch Konzerne mit Sitz in der Schweiz vor.

Ein grosser Teil der Schweizer Bevölkerung ist überzeugt, dass die Einhaltung der Menschenrechte und Umweltstandards für Konzerne mit Sitz in unserem Land nicht länger freiwillig sein darf. Davon zeugt die wachsende Unterstützung für die Konzernverantwortungsinitiative: Seit Lancierung wuchs der Trägerverein von 66 auf 97 Organisationen mit über einer Million Mitglieder. Zudem stehen ein Unterstützungskomitee mit 88 Persönlichkeiten und rund 30 Unternehmen hinter der Initiative. Die Initiantinnen und Initianten begrüssen, dass nun auch die Rechtskommission mit einer grossen Mehrheit den dringenden Handlungsbedarf anerkennt.

Das Initiativkomitee und die strategischen Gremien des Vereins Konzernverantwortungsinitiative haben im Vorfeld der Kommissionssitzung den ursprünglichen indirekten Gegenvorschlag von Nationalrat Karl Vogler (CSP/OW) geprüft. Dieser enthielt schmerzhafte Abstriche gegenüber der Initiative. So gälte die neue Regelung für weniger Unternehmen als die Initiative und die Haftung würde gleich mehrfach eingeschränkt – sie käme nur noch in gewissen Konstellationen und nur bei Verletzungen von Leib, Leben oder Eigentum zum Tragen.

Trotz dieser Nachteile gegenüber der Initiative hat das Initiativkomitee nach intensiven Diskussionen der Kommission für Rechtsfragen des Nationalrats mitgeteilt, dass eine unveränderte Verabschiedung dieses Vorschlags einen Rückzug der Volksinitiative ermöglichen würde. Hinter diesem Vorschlag stand auch der Wirtschaftsdachverband «Groupement des Entreprises Multinationales» (GEM), der 90 transnational tätige Unternehmen vereint. Nun hat die Kommission den Vorschlag von Karl Vogler noch weiter abgeschwächt: Der Geltungsbereich wurde durch die Verdoppelung der Schwellenwerte nochmals verkleinert. Unklar ist zurzeit, ob noch weitere Änderungen vorgenommen wurden. Überdies kündigte die Kommission an, möglicherweise an einer nächsten Sitzung erneut auf den Gegenvorschlag zurückzukommen. Unverständlich ist, dass die Kommission bei der gleichzeitigen Diskussion über Transparenzbestimmungen für den Rohstoffsektor entschieden hat, den Rohstoffhandel zu schonen.

Dick Marty, Co-Präsident des Initiativkomitees: «Der von uns geprüfte Gegenvorschlag war ein Kompromiss. Weil für uns eine rasche Verbesserung der Situation für die betroffenen Menschen im Vordergrund steht, stellen wir für diese ursprüngliche Version einen Rückzug in Aussicht. Sobald die Kommission einen finalen Text publiziert, werden wir den definitiven Antrag wiederum genau prüfen.»

Heute ist offen, ob der von der Kommission schliesslich definitiv beantragte Gegenvorschlag zu einem Rückzug der Initiative führen kann und wie die eidgenössischen Räte entscheiden werden. Deshalb bereiten der Verein Konzernverantwortungsinitiative und zahlreiche engagierte Freiwillige weiterhin mit voller Kraft die Abstimmungskampagne vor.

Für Rückfragen erreichbar:

Das fordert die Initiative

Die Initiative will alle Konzerne verpflichten, die Menschenrechte und die Umwelt bei ihren Geschäften zu achten. Damit sich alle Konzerne an das neue Gesetz halten, müssen Verstösse Konsequenzen haben. Konzerne sollen deshalb in Zukunft für Menschenrechtsverletzungen haften, welche ihre Tochterfirmen verursachen.

Fast drei Jahre hat sich die Bundespolitik Zeit gelassen, um die im Mai 2015 eingereichte «Petition für eine gerechte Klimapolitik» zu behandeln. Sieben Monate später wurde in Paris das Klimaübereinkommen unterzeichnet. Es bestätigt die Forderungen der Schweizer Klimaallianz und unterstreicht deren Dringlichkeit.

 Medienmitteilung der Klima Allianz Schweiz

Aktuell befasst sich die Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie des Nationalrats (UREK‑N) mit der Revision des CO₂-Gesetzes. Diese soll die Klimapolitik der Schweiz ab 2020 im Sinne des Pariser Klimaübereinkommens festlegen.

In diesem Kontext findet die Kommission heute endlich Zeit, sich mit dem Anliegen von 107‘765 Menschen zu befassen, welche die «Petition für eine gerechte Klimapolitik» der Klima-Allianz Schweiz unterzeichnet haben. Am 26. Mai 2015 wurde sie eingereicht, sieben Monate vor dem historischen Pariser Klimagipfel. Die damals in Bern vorgebrachten Forderungen decken sich mit den Zielen des Pariser Klimaübereinkommens, das von der Schweiz 2017 ratifiziert und übernommen wurde. – Die Petition der Klima-Allianz fordert:
 
  1. Die Energieversorgung der Schweiz ist bis 2050 von fossilen Energien zu befreien bzw. auf erneuerbare Energien umzustellen. Das bedeutet: Die Schweiz muss ihre CO2-Emissionen statt wie vom Bundesrat vorgesehen um nur ein Prozent um vier Prozent pro Jahr reduzieren.
  2. Die ärmsten und von Klimaveränderungen weitgehend unverschuldet betroffenen Länder müssen in dringend notwendigen Klimaschutzmassnahmen unterstützt werden. Das bedeutet: Die Schweiz muss entsprechend ihrer Klima-Verantwortung 1 Milliarde Franken pro Jahr für die internationale Klimafinanzierung bereitstellen.

Diese Forderungen der Klimapetition aus dem Jahr 2015 sind aktueller denn je, «denn im Gegensatz zum Umsetzungsvorschlag des Bundesrates entsprechen die Forderungen der Petition den Vorgaben des Pariser Klimavertrags», sagt Patrick Hofstetter vom WWF Schweiz. Julia Jawtusch von HEKS ergänzt: «Die Forderung an Parlament und Bundesrat, die Schweizer Klimaverantwortung im In- und Ausland endlich wahr und ernst zu nehmen, hat seit der Einreichung an Relevanz sogar noch gewonnen».

Mitglieder der Klimaallianz haben heute den 25 Mitgliedern der UREK-N im Bundeshaus einen Eisbären-Lebkuchen mit der Aufforderung überreicht, die Anliegen von 107‘765 Menschen ernst zu nehmen. «Das Parlament muss nun, wie in Paris beschlossen, die Weichen für den Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energien stellen. Weiter zuwarten wird schmerzhaft und teuer, da sind sich alle Szenarien einig», findet Georg Klingler von Greenpeace.